Das Schreckgespenst Inflation

Bereits am Beginn der Corona-Maßnahmen analysierten wir im ECKART die Folgen der Maßnahmen und warum diese zu Inflation führen würden. Damals war das noch ein Thema für alternative Medien, daß in den großen Leitmedien an den Rand von Verschwörungstheorien plaziert wurde. Heute ist die Inflation in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Wirtschaftlich bekannte Mechanismen wie, daß eine drastische Erhöhung der Geldmenge bei konstantem oder schrumpfendem Warenangebot zu Preissteigerungen führt, lassen sich durch türkisgrünes Wunschdenken nicht außer Kraft setzten. Regierungsinserate konnten lange das Thematisieren der Inflationsgefahr unterbinden, nicht aber die Inflation selbst. In den letzten 15 Monaten wurden mit etwa 3,5 Billionen (3.500.000.000.000) in etwa genausoviele Euro ins Geldsystem gepumpt wie in den ersten 20 Jahren seit der Einführung des Euros. Diese Geldmengen bergen das Potential, die Inflation weiter zu befeuern. Momentan (Mai-Daten) liegt die Inflationsrate bei 2,8% in Österreich und bei 4,2% in den USA. Die realen Zahlen werden etwas über den offiziellen liegen. Zu gefährlich hohen Inflationsraten wie sie sich aktuell in der Türkei mit 17,1% zeigen, fehlt in Österreich jedoch noch einiges. In der Theorie müßte eine Verdopplung der Geldmenge bei konstanten Waren zu einer Verdoppelung der Preise führen. Historisch läßt sich dieser Zusammenhang gut beobachten, jedoch steigen nicht alle Preise gleichmäßig, und es kann einige Zeit dauern, bis sich der Effekt in steigenden Preisen zeigt.

Die Hyperinflation von 1923 hat auch eine Vorgeschichte
Die Hyperinflation in Deutschland 1923 begann mit dem Anwerfen der Notenpresse im Jahr 1918. Kriegsanleihen und Reparationen konnten nicht mehr über Steuern oder Anleihen finanziert werden, sondern wurden durch neu gedruckte Papiermark beglichen. Zunächst, 1919 und 1920, führte
das Gelddrucken nur zu einer moderat anziehenden Inflation, ähnlich den heute gemessenen Werten. Ab 1921 zog die Inflation dann auf Werte an, die heute in etwa auf 25% bis 40% geschätzt werden (eine exakte Erhebung fand damals noch nicht statt).

Die Parallelen zu heute
Mitte 1923 zog die Inflation dann immer schneller an und bis zur Hyperinflation im Herbst dauerte es dann nur noch wenige Wochen. Wir befinden uns heute in einer ähnlichen Phase wie jener von 1919 bis 1920. Die Basis für eine kommende Hyperinflation wird gerade gelegt, noch könnte diese aber verhindert werden. Finanziert der Staat seine Ausgaben über Steuern oder indem er Schulden über den privaten Anleihemarkt aufnimmt, hat das auf die Inflation keine Auswirkungen. Während der Staat mehr Waren kauft, nimmt die Kaufkraft bei den Steuerzahlern oder Anleihegläubigern in gleicher Weise ab. Normale Staatsfinanzierung hat keinen nennenswerten Effekt auf die Inflation. Anders verhält es sich, wenn der Staat mehr Waren nachfragt und diese mit frisch gedrucktem Geld bezahlt. Hier steigt die Gesamtnachfrage bei bestehendem Angebot, und die Preise beginnen zu steigen. Wurden die Staatsausgaben Österreichs bis zur Finanzkrise ausschließlich über Steuern und Anleihen finanziert, begann man damals auch den dritten, inflationswirksamen Weg zur Finanzierung zu beschreiten.

Die „Euro-Rettung“ schuf bis heute ungelöste Probleme
Vor zehn Jahren als absolute Ausnahme zur kurzfristigen Rettung des Euros konzipiert, gewöhnten sich Politiker schnell an diese „einfache“
Art der Finanzierung von Defiziten über die Notenpressen. Hieß es Ende 2011, durch diese Sondermaßnahme kaufe man der Politik etwas Zeit, um notwendige Reformen durchführen zu können, führte diese „Ausnahme“ dazu, daß die Politik erst recht keinen Druck mehr hatte, die Staatsausgaben auf ein finanzierbares Maß zurückzuführen. Und hier kann es richtig gefährlich werden. Theoretisch wäre jetzt noch Zeit, die Corona-Pakete auslaufen zu lassen oder über Einnahmen gegenzufinanzieren. Durch das bisher gedruckte Geld würden die Inflationsraten
vermutlich trotzdem noch deutlich auf vielleicht 5, 7 oder auch 9% ansteigen. Insgesamt aber in einem Bereich verharren, der die Wirtschaft
nicht ernsthaft gefährdet, und nach einiger Zeit wieder sinken.

Droge des billigen Geldes
Leider ist fraglich, ob eine politische Führung, die es in den guten Jahren 2016, 2017 oder 2018 nicht geschafft hat, von der Droge des billigen Geldes wegzukommen, dies jetzt in einer viel schwierigeren Phase schaffen wird. Durch die Corona-Maßnahmen gibt es heute weit mehr Menschen, die von staatlichen Zahlungen abhängig sind. Steigen die Preise, wird der Druck, auch die staatlichen Zuwendungen zu erhöhen,
größer werden.

Preise explodieren 2021
In einigen Bereichen wie bei Holz, Zement oder Halbfertigprodukten sind die Preise seit Jahresbeginn um 40 bis 60% gestiegen. Bei Schweinefleisch, Zucker, Gemüse, Kaffee oder Textilien sehen wir ebenfalls schon Steigerungen im zweistelligen Bereich. In dieser Situation ist es für die immer unbeliebter werdende Politik verlockend, die Preisaufschläge durch höhere Gehälter im öffentlichen Dienst oder Steigerungen bei
den Pensionszahlungen zu kompensieren. Um die anziehende Inflation zu bremsen, wäre aber das Gegenteil, strikte Kostenkontrolle und Einsparungen, nötig. Nimmt man eine an sich noch harmlose Inflation zum Anlaß, die Staatsausgaben weiter auszuweiten, führt das zu noch höheren Defiziten. Da die Steuereinnahmen rückläufig sind und kaum noch jemand in nicht inflationsgeschützte Staatsanleihen investiert, bleibt wieder nur die Finanzierung über die Notenpresse.

Wenn die Inflationsraten dann galoppieren, ist es vorbei
Die Inflationsraten steigen dann weiter und weiter. Die Geschichte zeigt uns jedoch auch, daß es durchaus noch Monate oder sogar einige Jahre dauern kann, bis aus moderat steigenden Inflationsraten eine galoppierende Inflation wird. Mit Blick auf andere Länder läßt sich ebenfalls feststellen, daß es immer schwieriger wird, die Inflation zu stoppen, je höher diese bereits geklettert ist. Aussagen von führenden Notenbankmitarbeitern erweckten den Eindruck, daß eher beruhigt werden solle, als daß die Inflation bekämpft werde. Man wird nicht müde zu betonen, daß die Inflation nur vorübergehend gestiegen sei…

Politik hat die Wirtschaft in eine Sackgasse manövriert
Warum der Inflationsanstieg vorübergehend sein soll, während die Ursache für die Inflation, die Schuldenfinanzierung über die Notenpresse, munter weitergeht, wird nicht erklärt. Die Politik hat sich hier durch kurzfristiges Denken in eine schwierige Situation manövriert, es ist fraglich, woher sie plötzlich die Weitsicht nehmen sollte, um da wieder herauszukommen.