Josef Kneifel 1980, kurz vor Antritt seiner Haftzeit.
Fotos: Privatarchiv Josef Kneifel

Einen Gegner wie Josef Kneifel hatte die DDR nur einmal

Fast völlig vergessen starb er am 27. Oktober 2020 in Radebeul bei Dresden: Der sich selbst als „Gerechtigkeitsfanatiker“ bezeichnende Josef Kneifel hatte 1980 den einzigen Anschlag in der DDR durchgeführt. Mit der Sprengung eines Panzerdenkmals im ehemaligen Karl-Marx-Stadt wollte er ein Zeichen gegen die sowjetische Besatzungsmacht setzen.

Sogar der linkslastige „Spiegel“ fand zu Kneifel einst klare Worte: „Einen Gegner wie Josef Kneifel hatte die DDR nur einmal”. Dabei wurde der Weg des am November 1942 in Weißig geborenen Widerstandskämpfers relativ spät bekannt, denn das Ereignis fand in der DDR aufgrund unterdrückter Presseberichte kaum Beachtung. Lediglich in der BRD berichteten vereinzelt größere Medien über den Anschlag auf das Denkmal eines sowjetischen T-34-Panzers.

Zeichen gegen die Sowjets
Kneifel wollte laut eigenem Bekunden mit der Sprengung dieses „Siegesdenkmals“ ein Zeichen gegen die damals brandaktuelle sowjetische
Besetzung Afghanistans, aber auch gegen die Fremdherrschaft im eigenen Land setzen. Bis zum Ende der DDR sollte es der einzige eindeutige
Anschlag bleiben. Auch wenn man nicht die Wahl der Mittel zum Widerstand teilen mag, bleibt Kneifel durch seine Entschlossenheit doch so manchem Karl-Marx-Städter beziehungsweise Chemnitzer bis heute in Erinnerung.

Akribisch geplanter Anschlag
Im einzigen Buch zum Thema namens „Der Anschlag – Josef Kneifel. Der Weg eines totalitären Helden“ stellen Johannes Schüller und Erik Latz ausführlich das Leben Kneifels dar. Die beiden Publizisten haben den „Panzersprenger“ über zwei Jahre hinweg immer wieder in Radebeul besucht und umfassend interviewt. Daraus ist eine 100 Seiten umfassende, inzwischen leider vergriffene Biografie entstanden. Bereits die Passage über die Nacht der Tat, die Kneifel mit seinem Komplizen Horst K. akribisch geplant hatte, liest sich wie ein historischer Krimi: „Am Abend des 9. März 1980 sei gerade ‚Polizeiruf 110‘ im DDR-Fernsehen gelaufen. Die Menschen saßen in ihren Sesseln. An diesem Sonntagabend, 21.30 Uhr, trauten sich die wenigsten auf die Straße. Schneeregen, und das noch einmal Anfang März. Kneifel hatte lange auf dieses Wetter gehofft: ‚Ein häßlicher Tag, darauf
wartete ich seit Monaten.‘ In einem aschgrauen Trabant näherte er sich der Kreuzung Dresdner Straße/Frankenberger Straße. Mit sich führte er einen Revolver, Handgranaten und eine Elf-Kilo-Bombe. Den ersten Satz der fünften Symphonie Beethovens, die ‚Schicksalssinphonie‘, hatte Kneifel
im Kopf, als er sich der Kreuzung näherte. Wenige Minuten später lag er unter einem Panzer. In der Hand hatte er die Elf-Kilo-Bombe.“

Selbstgebastelte Bombe sollte keine Menschen töten
Die Zutaten dafür hätte er in der Gärtnerei und der Apotheke bekommen, weitere Anschläge waren bereits geplant. Bewußt hatten Horst K. und Kneifel einen Abend mit wenig Leben auf der Straße gewählt, um keine Menschenleben zu gefährden. Die Detonation ließ zwar mehrere Fensterscheiben in der Umgebung zu Bruch gehen, doch das Panzerdenkmal selbst blieb weitestgehend unbeschädigt. In den Hof der Karl-Marx-Städter Bezirksbehörde schleuderte es lediglich ein 250 Kilogramm schweres Laufrad. Eigentlich hatte Kneifel geplant, daß der Koloß nach links
abkippen sollte. So oder so schreckte der Anschlag, bei dem keine Menschen zu Schaden kamen, innerhalb kurzer Zeit die Staatsmacht auf. Stasi-
Minister Erich Mielke soll getobt haben. Nach mehreren Stunden tauchten bereits die ersten schwarzen Wolga-Limousinen aus Ostberlin am Tatort auf. Entsprechend fällt auch das Gutachten der Stasi aus: „In dem 51,50 m hinter dem Mahnmal befindlichen Wohnblock Frankenberger Straße 30/32, indem sich zur Zeit der Explosion 25 Personen in Räumen aufhielten (…) hinterließen Sprengkörpersplitter Einschläge an der Außenwand. (…)

Von 7.000 Stasi-Leuten gejagt
Durch den Sprengstoffanschlag am 9.3.1980 war eine unmittelbare Gefahr sowohl für das Leben und die Gesundheit von Menschen als auch für Sachen gegeben.“ Insgesamt rund 7.000 Stasi-Mitarbeiter sollen laut den Autoren der Kneifel-Biographie unter dem Decknamen „Operativer
Vorgang Panzer“ sich sechs Monate lang erfolglos mit dem Fall beschäftigt haben. Dabei hatten sie den gesamten, circa 6.000 Hektar umfassenden Tharandter Wald bei Dresden erfolglos durchkämmt und etwa 130 Aktenbände angelegt.

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