Das Oberschlesische Landesmuseum

Ostdeutsche Heimatmuseen und -stuben haben wichtige Aufgabe

In Schlesien gibt es viel zu entdecken, es ist immer eine Reise wert. Aber auch wenn man nicht so weit fahren möchte, kann man „Schlesien“ kennenlernen: Nicht nur in zahlreichen Heimatstuben, sondern auch im „Museum Oberschlesien“ in Ratingen im Bergischen Land.

Ausgegangen von privaten Sammlungen und der seit 1970 bestehenden Stiftung Haus Oberschlesien wurde das Museum 1983 eröffnet. Nicht nur aufgrund der ähnlichen Vergangenheit der Bergbauregionen Oberschlesien und der Rhein-Ruhr-Region hat sich diese Institution immer mehr zu einem international anerkannten Vermittler zwischen der deutschen, polnischen und tschechischen Geschichte entwickelt. Besonders mit dem oberschlesischen Museum in Beuthen pflegt es eine sehr enge Kooperation. Von daher werden Kataloge meist zweisprachig – deutsch und polnisch – verfaßt wie in der neuesten Ausstellung „Polen oder Deutschland? Oberschlesien am Scheideweg“ anläßlich der Volksabstimmung.

Beeindruckende Bandbreite

Die Bandbreite ist beeindruckend: Von Porzellan und Glas, Landwirtschaft, Spielzeug (Käthe Kruse!), Politik, Technik- und Medizingeschichte zu Kunst, Plakaten, Fotos, Filmen hin bis zu Textilien – nicht nur Bergmannstrachten, sondern sogar ein Trikot des ehemaligen Nationalspielers Lukas Podolski – gibt es auf rund 1.600 Quadratmetern einen großen Überblick über die Vergangenheit dieser wichtigen Region. Besonders beeindruckend sind ein nachgebauter Bergwerksstollen und der Vergleich zwischen dem „schwarzen Gold“ der Kohle und dem „weißen“ des Porzellans aus Waldenburg, Königszelt und Tillowitz. Auch wenn es architektonisch nicht das schönste Gebäude ist, bietet es zusätzlich die Möglichkeit zu wissenschaftlichen Forschungen mit einer Bibliothek inklusive Lesesaal mit Arbeits- und Rechercheplätzen als Fachinformationszentrum.

Möglichkeiten für die wissenschaftliche Recherche

Im Haus Oberschlesien befindet sich eine Bibliothek mit deutsch-, englisch-, polnisch- und tschechischsprachiger Literatur zu Oberschlesien samt Lesesaal und integrierten Arbeits- und Rechercheplätzen. Zusätzlich bietet das Museum einen Kulturreferenten an, der in der Öffentlichkeit den Wissenstransfer unterstützen soll. Somit ist das Engagement des Landes Nordrhein-Westfalen sehr zu loben, ebenso wie das andere Patenland Niedersachsen, wo es seit 2019 in der Landeshauptstadt Hannover ein „schlesisches Verbindungsbüro“ gibt.

Schande: Mährisch-Schlesisches Heimatmuseum wurde gekillt

Leider ist man in Österreich den entgegengesetzten Weg gegangen: Dort wurde 2015 die fast 100jährige Sammlung des Mährisch-Schlesischen Heimatmuseums in Klosterneuburg geschlossen und der Inhalt an die Landessammlungen, das Landesarchiv und die Landesbibliothek Niederösterreich übergeben – wo sie seitdem eingelagert ist und bereits erste Verluste gemeldet wurden. Auch wenn derzeit das Museum wie alle anderen im Land geschlossen ist, kann man es zumindest digital besuchen, so z.B. die Ausstellung „Unsere Natur. Die Schönheit der Welt!“ oder am 3. März einen digitalen Vortrag zur Migrationsgeschichte Oberschlesiens. Ganz besonders spannend wird sicherlich die Sonderschau „Bewegte Leben“, die den Lebensschicksalen großer Schlesier aus drei Jahrhunderten nachgeht. Überhaupt bietet die Netzseite des Landesmuseums eine Fülle von interessanten Informationen zu Geschichte und Gegenwart Oberschlesiens: http://www.oberschlesisches-landesmuseum.de/