Großzügige Landhäuser oder Villen mit Pool im Garten: Die Gated community in Canning, in der Nähe von Ezeiza, einem Vorort von Buenos Aires.
Foto: Wikimedia Commons/Alex Steffler/CC BY 2.0

Das „sinkende Schiff“ verlassen oder einbunkern?

„Gated Communities“: Fluchtburgen der Reichen vor dem Chaos

Wenn sich die demographische und politische Entwicklung nicht radikal ändert, werden die Europäer in absehbarer Zeit auf ihrem Kontinent zur Minderheit schrumpfen. Kann man sich auf diese Zukunft vorbereiten? Zwei Varianten bieten sich an: Die Flucht „nach hinaus“, also fort von hier, oder Flucht „nach innen“, also einbunkern in sogenannten „Gated Communities“.

Ein Beitrag von Bernd Stracke

2017 verließen 1,1 Millionen Deutsche ihre Heimat, 2016 waren es sogar 1,3 Millionen. Aus Österreich zogen im gleichen Jahr 110.119 Personen weg. An der Spitze der „Fluchtbundesländer“ lag Wien mit 44.698 „Wegziehern“. In der Regel sind es Reiche, die die Euro-Zone wie ein sinkendes Schiff verlassen. 2016 kehrten 4.000 Millionäre Deutschland den Rücken. Auch weniger Betuchte würden lieber heute als morgen die Koffer packen, können sich das Wegziehen aber nicht leisten und müssen in zu No-Go-Areas gewordenen Problemgegenden bleiben. Neben zunehmenden gesellschaftlichen Spannungen beflügelt schwindendes Vertrauen in die Justiz diesen Trend. Von Absiedlung betroffene Länder und Städte verlieren Kaufkraft und Steuerertrag. Reiche können leichter auswandern. Quasi als „Ersatz“ für den Aderlaß im alten Europa fluten Mittellose aus Syrien und Afrika herein. Zwar haben es „Seenot-Retter“ immer schwerer, ihre illegale Last in Europas Häfen abzuladen. Auch der Balkan ist für Eindringlinge aus Ost und Süd kein Spaziergang mehr. Und Welcome-Winkerinnen mit Teddybären wurden zuletzt schon sehr rar. Aber der Zustrom hält an. „Nichtregierungsorganisationen“, Caritas und linke Gutmenschen kämpfen weiterhin verbissen um „Flüchtlings“-Nachschub.

Lieber Orbán als Merkel

Fachkräfte, junge Familien und wohlhabendere Bürger, die Merkels gescheitertem Multikulti-Traum entkommen wollen, zieht es zunehmend nach Ungarn. Von 2008 bis 2017 wanderten 10.013 Deutsche ins Orbán-Land aus, wo man in Sicherheit lebt, für politische Überzeugungen nicht verfolgt wird und christliche Werte noch etwas gelten. Um den Plattensee gibt es schon ganze deutsche Siedlungen mit deutschen Cafés, Restaurants, Bäckereien und Metzgereien. Und die Ungarn gelten nicht zu Unrecht als deutschfreundlich, wie der ECKART in seiner Aprilausgabe auch einmal mehr bestätigt hat.

Wieviele Menschen trägt die Welt?

Der Wirtschaftsphilosoph Klaus Woltron stellte kürzlich die von Politik und Mainstream-Medien meist ignorierte Frage: „Wieviele Menschen trägt die Welt?“ Er rechnet vor, daß, wenn wir eine Million Afrikaner bei uns aufnähmen, dies der dortige Bevölkerungsüberschuß schon in 14 Tagen wettmachen würde. Deutschland, das 2018 tatsächlich eine Million Migranten aufnahm und dilettantisch über eine Jahresobergrenze von 200.000 diskutiert, sieht sich jährlich mit 24 Millionen (!) neuer Erdenbürger auf dem Schwarzen Kontinent konfrontiert, den „Zinseszinseffekt“ noch gar nicht eingerechnet.

20 Mill. Amerikaner leben in isolierten Siedlungen

Schon seit jeher sucht der Mensch ein geschütztes Wohnumfeld, Gleichgesinnte schlossen sich zusammen. 1857 entstand in New Jersey (USA) mit dem „Llewwellyn Park“ die erste „Gated Community“. Ab den 1970er-Jahren boomte das Modell. Heute leben 20 Millionen US-Bürger in isolierten Siedlungen.
Seit 20 Jahren breitet sich die „umzäunte“ Wohnform auch in Europa und Asien aus. Zu den häufigsten Motiven, sich abzuschotten, zählen die Angst vor Kriminalität sowie das Verlangen nach Ruhe, Privatsphäre und kultureller Homogenität. In der abgeschotteten „Finca“ bei Madrid wohnen viele Fußballstars von Real Madrid. Beispiele in Frankreich, wo diese Einheiten Ensembles résidentiels clos heißen, sind die Domaine Le Grand Duc bei Cannes sowie die Domaine du Loup bei Nizza.

Sogenannte Gated Communities gibt es bereits weltweit

Auch in Osteuropa entstanden geschlossene Wohnkomplexe, so in Sankt Petersburg, Warschau und Sofia. In Polen heißen solche Siedlungen Osiedlazamkniete. In Südafrika zogen sich Angehörige der Ober- und Mittelschicht in extrem gesicherte Compounds (deutsch: Gehege) zurück. In China entstehen fast alle neuen Wohngebiete als eingezäunte Gated Communities, offen zugängliche Wohnkomplexe und freistehende Häuser sind dort unüblich. In Portugal und Brasilien lauten die entsprechenden Synonyme Condominios fechados. In Venezuela, Argentinien und Ecuador heißen Gated Communities Urbanizaciones cerradas.

Die Parallelwelt von São Paulo

Nahe von São Paulo leben in Alphaville 50.000 Menschen in 33 völlig von der Außenwelt abgeschotteten Siedlungen. Ein sechs Meter hoher Betonwall, Stacheldraht und strenge Zugangskontrollen suggerieren höchste Sicherheit und eine Atmosphäre von absoluter Ordnung und Ruhe. Die Infrastruktur umfasst 21 Banken, eine luxuriöse Privatklinik, eine eigene Universität und über 100 Zahnärzte. Abgesehen von der Tatsache, daß sich Israel mit seinen Sperranlagen gegen Palästina in Form von acht Meter hohen und bis zu 40 Meter unter die Erde reichenden Betonmauern selbst in einen einzigen großen Käfig gesperrt hat, boomen Gated Communities auch in diesem Staat.

Bald auch in Deutschland und Österreich ein Trend?

Deutschlands bekannteste Gated-Community ist die 30.000 Quadratmeter große umzäunte und mit Kameras sowie Alarmanlage gesicherte Arcadia-Wohnanlage an der Havel. „Doormen“ sitzen in Pförtnerhäuschen am Eingang und lassen nur angemeldeten Besuch ein. Ein österreichisches Vorzeigemodell, gebaut von Frank Stronach, wurde 1996 eröffnet: Der „Wohnpark Fontana“ in Oberwaltersdorf bei Wien hat kein verschließbares Tor und kein Wachpersonal am Eingang, „weiche Grenzen“ suggerieren aber einen „echten“ geschlossenen Komplex.

Der kluge Mann baut vor…

Der Publizist Helmut Müller plädiert „jenseits von Schwarzmalerei und Angstmache“ dafür, „bereit zu sein“ und Vorsorge betreffend Finanzen, Nahrung, Medikamente, Energie und Sicherheit zu treffen. Auch der (leider viel zu früh verstorbene) Sicherheitsexperte Ing. Wilmont Franta riet noch in einer Zeit der Sorglosigkeit zur Vorsorge: „Ich habe Kaninchenboxen im Kleingarten und Brennholz für Jahre. Sicherheit ist kein Zustand, sondern ein Verhalten. Dazu gehören alle legalen Möglichkeiten von der Schußwaffe bis zum Pfefferspray. Künftig kann es sinnvoll sein, den öffentlichen Raum zu gewissen Zeiten zu meiden. Wir befinden uns in der Inkubationszeit zur Katastrophe. Nur das Wann ist offen, nicht das Ob.