Ein typisches Landschaftsbild für den Süden Paraguays – flach, grün und unspektakulär. Hier gibt es fast ausschließlich landwirtschaftliche Nutzflächen. Den Urwald gibt es nur noch in ein paar Naturreservaten…
Foto: Der ECKART

Zu Gast in Paraguay – eine Expedition in die Fluchtburg

Vor 100 Jahren wurde die „Colonia Independencia“ gegründet

Wer von uns hat noch nie ans Auswandern gedacht? Viele Deutsche hat es in alle Welt verstreut – und das nicht erst, seit es bequeme Interkontinentalflüge gibt, sondern bereits vor Jahrhunderten. Zumeist waren es die schiere Not, die sie aus der Heimat forttrieb, die Flucht aus bedrückendenVerhältnissen, die zu wenig Platz zum Leben ließen, und weniger die Abenteuerlust. Aber warum wandern Deutsche heute noch, in so ferne Länder wie z. B. Paraguay aus?

Ein Lokalaugenschein von Konrad Reisinger

Kopfschütteln und ungläubiges Staunen: „Wahnsinn…“, ging es mir unwillkürlich durch den Kopf, als unsere vierköpfige deutsche Reisegruppe die bräunlichen Wassermassen des Rio Paraná, des Grenzflusses zwischen Brasilien und Paraguay überquerte.  Dagegen nehmen sich Rhein und Donau fast schon wie Bäche aus. 

Eine gewaltige Brücke aus der Stroessner-Ära (1954-1989) verbindet den größten Staat Südamerikas an dieser Stelle mit Paraguay, das mit 406.752 km² größer als die BRD und die Schweiz zusammengenommen (398.863 km²) ist, aber mit rund sieben Millionen Menschen weniger Einwohner als Österreich hat. Die „Schweiz Südamerikas“ wurde dieses Binnenland zu seinen besten Zeiten genannt, und für viele, mit denen ich während unseres gut zweiwöchigen Aufenthaltes sprach, war diese gute Zeit eben jene des Langzeitmachthabers Alfredo Stroessner: Der deutschstämmige General sorgte über Jahrzehnte für Stabilität, während ringsherum in Südamerika häufig Unruhen, Wirtschaftschaos und Guerillakriege  herrschten. 

Die „Schweiz Südamerikas“

Der autoritär regierende Stroessner baute auf eine solide Währungspolitik, die es ihm ermöglichte, den bis dahin noch äußerst rückständigen Urwaldstaat mit Ansätzen einer modernen Infrastruktur auszustatten. Im Gegensatz zu Stroessners Infrastrukturprojekten ist vom Urwald in Paraguay nicht viel übriggeblieben. 

Unser Ziel nach knapp vierzehnstündiger Flugreise via München – Paris – São Paulo – Iguazu ist die kleine deutsche Kolonie „Independencia“ (Unabhängigkeit) im Südosten des Landes unweit der Distrikthauptstadt Villarica.  Independencia entstand unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg, als die alliierte Hungerblockade hunderttausende Opfer forderte und das Versailler Diktat den Deutschen Not, Verelendung und eine ungewisse Zukunft brachte. 

Glückliche Paraguayer?

Unser Weg führt uns zuerst in die Grenzstadt Ciudad del Este, Paraguays zweitgrößte Stadt, die alles andere als einladend wirkt, als uns am Straßenrand des vierspurigen Kolonnenverkehrs nach dem Grenzübergang allerlei Elendsgestalten beäugen. Doch im Gegensatz zu dem „Gschwerl“, wie der Bayer sagt, von dem man heute in mitteleuropäischen Metropolen belästigt wird, leuchtet aus den Augen dieser Menschen ein gewisser Bettlerstolz – sie werden nicht aufdringlich. Es scheint also etwas dran zu sein, an der Selbsteinschätzung der Paraguayer, die sich für die glücklichsten Menschen der Welt halten.

Die paraguayische Bevölkerung besteht im wesentlichen aus Latinos, also Spanischstämmigen und Mestizen. Von der indianischen Urbevölkerung der Gurani ist lediglich die Sprache erhalten geblieben, zugleich ist Gurani auch die Bezeichnung der Landeswährung. 

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der ECKART-Ausgabe November 2019, die sie HIER bestellen können.