Abmontiert: Das berühmte Reiterdenkmal von Windhuk – das Symbol von Deutsch-Südwestafrika schlechthin – stand fast ein Jahrhundert vor der Christuskirche. 2009 mußte es dem Unabhängigkeitsmuseum weichen und steht heute vor der Alten Feste.
Foto: Wikimedia Commons/Zairon/CC BY-SA 4.0

Auch in Südwestafrika gehen die Uhren längst anders

In Namibia ist die Lage (noch) anders als in Südafrika

„Hart wie Kameldornholz ist unser Land…“, so beginnt das Südwester-Lied, dessen Refrain da lautet: „Und sollte man uns fragen, was hält euch denn hier fest – wir könnten nur sagen, wir lieben Südwest!“ Das einstige Deutsch-Südwestafrika übt auf viele eine besondere Faszination aus. Doch was ist abseits romantischer Verklärung von der deutschen Vergangenheit geblieben – und vor allem: Gibt es hier für die Weißen noch eine Zukunft?

Ein Beitrag von Dr. Wolfgang Steffanides

Südwestafrika ist ein sehr beeindruckendes Gebiet im südlichen Afrika, mit rund 828.000 km² etwa zehnmal so groß wie Österreich oder dreimal so groß wie die Bundesrepublik. Prägend sind die lange Form entlang des (kalten) Atlantiks mit dem Caprivi-Zipfel im Norden: schmal und weit nach Osten ragend, und die meist semi-aride, also halbtrockene, wüstenreiche Landschaft. Die Namib ist eine der ältesten Wüsten der Welt und als einzige Namensgeber eines Staates. Als Namibia ist das Land seit 1990 ein eigener Staat, vorher deutsches Schutzgebiet (1883 bis 1915) und dann Mandat des Völkerbundes bzw. der UNO unter südafrikanischer Verwaltung. Es ist ungemein beeindruckend, wie stark die nur 32 Jahre lang dauernde reichsdeutsche Verwaltung das Gebiet weiterhin prägt.

Rund 25.000 Deutsche

Heute rechnet man mit rund 25.000 deutschen Muttersprachlern in rund 6.000 Haushalten. Die Deutschen haben noch einige Reststrukturen wie z.B. in Windhuk das „Susanne-Grau-Heim“ für die Betagten. Auch die „Allgemeine Zeitung (AZ)“, Windhuk, die einzige Tageszeitung Afrikas in deutscher Sprache, erscheint nach wie vor mit einer verkauften Auflage von rund 4.000 Stück. Eine Besonderheit sind auch die vielen schwarzen Rückkehrer aus der DDR nach den Wende: In Zeiten des Terrors waren sie – meist als Kinder oder Jugendliche – dorthin verbracht worden, sind daher fast deutsche Muttersprachler, waren jahrelang dort und mußten erst wieder mühsam in die afrikanischen Wirklichkeiten eingelebt werden. Viele bekamen zwar Posten in öffentlichen bzw. zentralen Wirtschaftsbereichen – doch leicht war und ist es für sie weiterhin nicht. Die Einwohnerzahl hat sich in sehr kurzer Zeit dramatisch vervielfacht: nach amtlichen Zahlen von 700.000 (1972) auf 2.500.000 (2018). Die Nordgrenzen sind praktisch offen, der Druck von dort ist sehr massiv – ein Teil davon mit Ziel Südafrika.

Permanente Wasserknappheit

Dabei gibt es im Land keinen einzigen Fluß, der das ganze Jahr über Wasser führt (oder abkommt, „läuft“ wie es im Südwesterdeutsch heißt)! Nur an der Süd- und Nordgrenze gibt es ständig eine gute Wasserführung. Weite Teile des Landes haben weniger als 400 mm Regen pro Jahr!
Landwirtschaft, Bergbau, Tourismus und Dienstleistungen sind die wichtigsten Erwerbsbereiche.

Es gibt noch deutsche Schulen

Schon immer haben die dort lebenden Deutschen erkannt, daß eine gute, muttersprachlich deutsche Schule unentbehrlich ist. Die vielen, weitverstreut farmenden Deutschen sorgten daher für – meist sehr kleine – eigene Schulen. Bereits ab dem 6. Lebensjahr waren und sind Schülerheime für die Kinder nötig und das auch heute noch, wenn auch in geringerem Ausmaß. „Oben“ ist die Deutsche Höhere Privat-Schule (DHPS) in Windhuk, die stark von der BRD gefördert wird und eine offene Schule ist, in jeder Richtung. DELTA, die Regierungsschule für Deutsch, ebenfalls in Windhuk, und eine Deutsche Privatschule, ebendort, sind die Spitze. Dazu gibt es eine bemerkenswerte Zahl von Kleinschulen, nach Bedarf über das Land verstreut, die mit einem außerordentlichen Einsatz der Eltern als Privatschulen geführt werden und sowohl um muttersprachliche Lehrer, Kinder als auch Geld sehr bemüht sein müssen.

Harte, entbehrungsreiche Geschichte

„Hart wie Kameldornholz ist unser Land…“: Hart und krisenreich verlief die Geschichte der Deutschen in Südwest – sowohl von der Natur her (jahrelange Trockenheit) v. a., als auch von der Politik: Dem Ersten Weltkrieg folgte die Ausweisung sehr vieler Deutscher zurück nach Europa. In der späteren Zwischenkriegszeit war deutsche Einwanderung wieder gestattet. Im Zweiten Weltkrieg wurden die deutschen Männer interniert (meist in Südafrika) – die Frauen mußten mit den Einheimischen die Farmen weiterführen, was ihnen weitestgehend gelang. Die Rückkehr der Internierten fand meist erst 1948 statt.
Die Wahlen 1948 brachten eine entscheidende Wende hin zu einer burisch geprägten Regierung. Ab dann wurden auch Deutsche wieder als Ein- bzw. Rückwanderer zugelassen.

Terror durch die SWAPO

Dann kamen die v. a. von der UdSSR und Kuba geförderten „Befreiungskriege“ sowohl in Südwestafrika als auch in den Nachbarstaaten, besonders in Angola und Rhodesien. Südwestafrika war stark betroffen, auch im Land kam es, besonders an der Nordgrenze, zu Krieg und Terroranschlägen, besonders gegen die Farmer. Da deren Eigentum sich meist auf 10.000 bis 40.000 Hektar erstreckte und daher die Wohngebiete weit voneinander entfernt lagen, war Terror verhältnismäßig leicht möglich. Man bedenke, daß auf Grund des Wassermangels in manchen Gegenden Futter für eine Kuh mindestens zehn Hektar bedeutete. Die Kommunikation war in Zeiten ohne Handy mit Farmlinien (Telephon) für mehrere Benutzer zusammen entsprechend schütter und Funk auch nicht immer verfügbar. Der Zusammenhalt unter den Deutschen war und ist jedoch damals wie heute großartig. In jüngster Zeit wurde immer wieder versucht, von der deutschen Regierung wegen des „Herero-Kriegs“ Geld zu erpressen. Die Autoren Schneider-Waterberg und Heiner haben mit ihrem Buch „Der Wahrheit eine Gasse. Anmerkungen zum Kolonialkrieg in Deutsch-Südwestafrika 1904“ (Swakopmund 2005) den einwandfreien Nachweis erbracht, daß es sich hierbei um KEINEN Genozid gehandelt habe. Abschließend festzuhalten ist, daß – bis jetzt – Südwestafrika die Verelendung fast der gesamten Bewohnerschaft wie in Simbabwe/Rhodesien, Angola, Mozambique erspart geblieben ist. Es gibt zwar eine Fülle von die Weißen diskriminierenden und die anderen bevorzugenden Gesetze, auch im so wichtigen Farmbereich: doch bisher hat doch die Vernunft, vielleicht auch die Angst das Ärgste verhindert. Schwarze Einzelpersonen, für Südwestafrika Sam Nujoma – der erste Präsident Namibias – haben daran entscheidenden Anteil, der allen zugute kommt.

Buchttipp: Eckartschrift 132 Namibien