Mitglieder des BDJM demonstrieren vor einem zweisprachigen Ortsschild
Foto: BDJM

„Wir sind doch hier zu Hause“

Junge Schlesier treten für ihre Heimat ein

Daß die Schatten der Vergangenheit in Polen auch heute noch nicht vollständig beseitigt sind, konnte man vor einigen Wochen erfahren: Janusz Kowalski ist ein Sejm-Abgeordneter und Staatssekretär der regierenden Partei Solidarisches Polen (PiS) und möchte sich offenbar für höhere Ämter profilieren.

Anfang Februar richtete er eine Anfrage an das Infrastrukturministerium in Warschau, in dem er behauptete, daß es illegal sei, neben den mittlerweile immer verbreiteteren, zweisprachigen Ortsschildern zusätzlich an den Bahnhöfen die deutschen Namen Chronstau und Dembiohammer zu erwähnen. Es handele sich um einen „gefährlichen Präzedenzfall“.

Junge Schlesier melden sich zu Wort

Widerspruch kam nicht nur von den offiziellen Vertretern der Minderheit, sondern vor allem von jungen Schlesierinnen und Schlesiern: „Auch uns Jugendlichen dienen die Minderheitenrechte, denn wir sind die Zukunft der Minderheit und der Region. Wenn also jemand sagt, es sei gefährlich, daß die zweisprachigen Tafeln an den Bahnstationen in Chronstau und Dembiohammer hängen, dann ist es für mich einfach erschütternd, so etwas zu hören. Wir sind doch hier zuhause. Die deutsche Minderheit wird hier immer wohnen und niemand sollte uns als gefährlich bezeichnen nur wegen zweisprachiger Schilder, die für uns ein Symbol unserer Identität sind“, meinte Zuzanna Herud, die stellvertretende Vorsitzende des Bundes der Jugend der Deutschen Minderheit (BJDM).
Unterstützung kam aus Berlin vom Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Dr. Bernd Fabritius: „Die deutsche Minderheit in Polen ist durch die Rahmenübereinkommen des Europarates zum Schutz nationaler Minderheiten sowie der Charta zum Schutz von Regional- und Minderheiten geschützt. Diese Regelwerke wurden von Polen ratifiziert und gelten dort als direktes Recht. Wir werden im engen Austausch mit unseren Partnern vor Ort genau darauf achten, daß die Rechte nationaler Minderheiten ohne jede Einschränkung zum Tragen kommen.“

Fotos in Sozialen Netzwerken

Unter dem Hashtag #InPolendaheim und #naszHeimat solidarisierten sich Jugendliche auch aus anderen Ländern mit dieser Aktion, teilten Fotos aus ihrer Heimat mit gleichfalls zweisprachigen Ortsschildern und sind ein schöner Beweis für das Selbstbewußtsein dieser jungen Menschen und dem Bekenntnis zu ihrer Heimat.