Screenshot: Der ECKART (Aufgenommen am 20.2.2021.)

…und Bill Gates hatte doch recht!

Die Simulation einer Corona-Pandemie wurde Wirklichkeit

Am 18. Oktober 2019 fand in New York unter Federführung der Bill Gates Stiftung mit dem John Hopkins Center für Gesundheitssicherheit und dem Weltwirtschaftsforum die Simulation einer Corona-Virus-Pandemie statt. „Event 201“ diente der Vorbereitung von Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft und Gesundheit auf den Tag X. Die dort präsentierte Fiktion wurde jetzt fast 1:1 Wirklichkeit.

Ein Beitrag von Kornelia Kirchweger

An dieser „Pandemischen Übung“, einem Multimedia-Ereignis von 3,5 Stunden, nahmen 15 hochrangige Entscheidungsträger (Player) aus Wirtschaft, Politik und Gesundheit sowie 130 geladene Gäste teil. In fünf Modulen simulierte man jeweils eine bestimmte, sich zuspitzende pandemische Situation. Jedes Modul startete mit einer fiktiven Lagebeschreibung, gefolgt von einer aufgezeichneten, fiktiven „GNN“-Nachrichtensendung über den Stand der Ausbreitung samt Reaktionen der Bevölkerung, Politik und der Folgen für die Wirtschaft. Dazu gab es Stellungnahmen von fiktiven Experten. Anschließend diskutierten die Event-Player samt Einschätzungen und Lösungsvorschlägen. Die Simulation wurde von der Stiftung Open Philanthropy Project unterstützt, die u.a. Pandemien- Forschung und -Evaluierung anbietet.

Es sei nur eine Frage der Zeit, bis eine dieser Epidemien zur Pandemie mit katastrophalen Folgen werde, heißt es auf der „Event 201“-Webseite. Diese Netzseite war und ist unter http://www.centerforhealthsecurity.org/event201/ auffindbar.
Pandemien können zu einem jährlichen Wirtschaftsverlust von durchschnittlich 0,7 Prozent des globalen BIP führen, in absoluten Zahlen: 570 Mrd. US-Dollar.
Es wird darauf hingewiesen, daß es schon ähnliche Pandemie-Übungen gab: Clade X (Mai 2018), Dark Winter (Juni 2001, Pocken-Epidemie in den USA) und Atlantic Storm (Jänner 2005, Terroranschlag mit Bio-Waffen).
Diese Simulationen würden Entscheidungsträgern helfen, sich auf die Herausforderungen einer realen Krise vorzubereiten, heißt es auf der Webseite.

Fiktion wird Realität

Der „Event 201“ simulierte explizit den Ausbruch eines neuartigen Corona-Virus‘. Es werde von Fledermäusen über Schweine auf Menschen, zuletzt über die Luft von Mensch zu Mensch übertragen. Die Ähnlichkeit mit SARS sei groß, die Symptome beim Menschen aber milder.
Die Krankheit beginnt in Schweinefarmen in Brasilien vorerst unauffällig und greift dann auf Landwirte über. Schließlich breitet sich das Virus in Megastädten Südamerikas rasch von Mensch zu Mensch aus und wird zur Epidemie. Über einen Flug nach Portugal, in die USA und nach China wird das Virus verbreitet, in viele andere Länder weiter exportiert und weitet sich zur Pandemie aus. Im ersten Jahr gibt es keinen Impfstoff. Es gibt ein fiktives antivirales Medikament, das zwar Kranken hilft, nicht aber die Ausbreitung der Krankheit einschränkt.
Die Zahl der Corona-Fälle steigt exponentiell und verdoppelt sich jede Woche. Die Folgen sind desaströs. Am Ende – nach 18 Monaten – werden fiktive 65 Millionen Todesfälle angenommen.

Klarstellung: keine Vorhersage!

Diese fiktive Zahl dürfte im Netz ohne Angaben von Quellen verbreitet worden sein. Auf der Webseite findet man dazu ein Korrektiv: Man sei gefragt worden, ob der „Event 201“ den Corona-Ausbruch in China vorhergesagt habe. Man habe klargestellt, daß bei der Übung keine Vorhersagen getroffen worden seien. „Event 201“ habe dazu gedient, auf die Herausforderungen eine schweren Pandemie vorzubereiten. Man habe nicht vorhergesagt, daß der jetzige Ausbruch des Corona-Virus‘ 65 Millionen Todesopfer fordern werde. Und obwohl sich die Event 201-Simulation auf ein neuartiges Corona-Virus bezog, sei das nicht mit dem aktuellen COVID-19 vergleichbar.

Annahme: 10% Sterberate

Das Virus ist in der Simulation „CAPS“. Es sei mit SARS und MERS verwandt, aber weitaus infektiöser. Er führe zur Atemwegserkrankung, die von milden Grippeerscheinungen bis zu schwerer Lungenentzündung reicht. Eine Person stecke mindestens zwei weitere Personen an. Die Sterberate liege bei etwa 10%. Die Fälle können sich – ohne Gegenmittel – innerhalb einer Woche verdoppeln und in einem Monat versechzehnfachen. Innerhalb von drei Monaten könnte das zu zehn Millionen CAPS-Fällen führen, heißt es in der fiktiven GNN-Nachrichtensendung. Betroffene werden isoliert, die Gesundheitssysteme stehen massiv unter Druck. N-95 Masken, Handschuhe, Antibiotika etc. werden gehortet und werden knapp. Länderegoismen erschweren das noch. Eine globale Koordinierungsfunktion habe die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Fatale Abschottung

Große Probleme bekommen die Handels- und die Reisebranche. In der Simulation ging man von einem Einbruch der Buchungen um 45% aus.
Der fiktive GNN-Sender berichtete von stornierten Flügen, Reisewarnungen, Einreiseverboten, Grenzschließungen, Quarantänen ganzer Städte, Einbruch des Konsums, Herunterfahren der Produktion, Horten und Knappheit von Lebensmitteln und Medikamenten. Manche Politiker fordern in sozialen Medien Importverbote aus vom Virus betroffenen Ländern und den Boykott von Unternehmen, die das Virus verbreiten. Die gesamtwirtschaftlichen Folgen der CAPS-Pandemie seien so schlimm wie nie zuvor. Fiktiv befragte Wirtschaftsexperten bzw. Mediziner sprechen von „Leben retten“ und „Existenzen retten“, fordern Pragmatismus, angemessene Maßnahmen, keine Strangulierung der Wirtschaft. Sie warnen vor zu viel Intervention. Das könne mehr Schaden anrichten, als die Folgen von CAPS.

Mißtrauen und Zensur

In der Simulation wird von Fake-Accounts berichtet, die von bestimmten Staaten mit dem Ziel von Des- bzw. Falschinformation eingerichtet werden. Weltweit habe nun jedes Land Corona-Fälle – geschätzte 12 Millionen Fälle und fast eine Million Tote. Die Finanzmärkte brechen um 15% oder mehr ein. Es gebe Gewalt gegen Minderheiten und Hilfskräfte. Man mißtraue ihnen, ebenso wie den Pharmakonzernen, denen man eine gezielte Virusverbreitung aus Geldgier vorwerfe.
Die Menschen hören nicht mehr auf Regierungen und Behörden, es drohten Aufstände und der Sturz politischer Systeme. Manche Regierungen kappten das Internet, sperrten soziale Medien, drohten hohe Geldstrafen oder Gefängnis auf Fake-News an. In der anschließenden Diskussionsrunde ist der Tenor: eine Sperre sozialer Medien führe erst recht zu Revolten. Empfohlen wird eine Flutung des Netzes mit „richtigen Informationen“. Die sozialen Medienplattformen müssten dabei mitwirken. Technische Maßnahmen, wie Algorithmen und Faktenchecker, sollten zusätzlich helfen. Die Bill Gates Stiftung arbeite bereits in der Realität daran, hieß es.

Globale Akteure

An der Simulation wirkten 15 internationale Vertreter aus wichtigen Branchen mit: u.a. vom Chinesischen Zentrum für Krankheitskontrolle und -prävention bzw. der Chinesischen Akademie der Wissenschaft, von Lufthansa, dem Pharmakonzern Johnson & Johnson, Logistikkonzernen, diversen Banken, Vertreter der UNO, der Bill Gates Stiftung, des Weltwirtschaftsforums, der US-öffentlichen Gesundheit, Marriott International, etc. Medienberichte dazu gab es u.a. von Bloomberg, Forbes, The Guardian (Nigeria), The Telegraph, BBC, Avian Flu Diary, Global Biodefense, Axios, etc.