Eines von den vielen Vorzeigeprojekten des “Puszta-Wirtschaftswunders”: Das in Bau befindliche BMW-Werk in Debrecen.

Puszta-Wirtschaftswunder

Ungarn ist für internationale Konzerne äußerst attraktiv

Was auch immer man von Viktor Orbán halten mag, die Wirtschaftskompetenz kann man ihm nicht absprechen. Wirtschaftlich blüht Ungarn auf, wichtige Kennzahlen zeigen Orbáns Erfolgskurs. Die Arbeitslosigkeit ist niedrig, die Löhne steigen deutlich. Zwischen 2011 und 2019 stiegen die Löhne in Ungarn um satte 42%. Während das Gender-„Studium“ 2018 gestrichen wurde, werden Ausbildungen in den Fächern Informatik, Mathematik, Naturwissenschaften und Technik massiv gefördert.

Ein Beitrag von Christoph Seizer

Eine neue Generation gut ausgebildeter junger Menschen zieht Unternehmen ins Land.  Allein 50 südkoreanische Unternehmen bauten in den letzten Jahren Werke in Ungarn. Zusammen beschäftigen sie über 10.000 Mitarbeiter, vielfach gut bezahlte Ingenieure und Techniker. Der Technologiekonzern Samsung SDI, der schon vor Jahren 300 Millionen Euro in den Aufbau einer ersten Produktion in Göd investierte, kündigte erst kürzlich einen 1,2 Milliarden Euro teuren Ausbau mit 1.200 weiteren Arbeitsplätzen an. 

Auch deutsche Firmen schätzen den Produktionsstandort Ungarn. BMW wird in Kürze beginnen eine neue Fabrik in Debrecen zu errichten. Runde eine Milliarde Euro soll dafür investiert werden. Der Münchner Autohersteller will dort mit 1.000 neuen Mitarbeitern insgesamt 150.000 Fahrzeuge pro Jahr herstellen. Die Milliarde wird laut BMW wegen der „guten Infrastruktur und des qualifizierten Personals“ investiert. Volkswagen läßt den Audi A3 und TT in Ungarn bauen, in Kürze soll der Q3 hinzukommen. Ende Jänner konnten die 12.000 Audi-Mitarbeiter in Györ eine Lohnerhöhung von 18% durchsetzen. Daimler läßt seine Mercedes A-Klasse und die CLA-Klasse in Ungarn herstellen. Suzuki unterhält ebenfalls ein Werk in Esztergom mit über 3.000 Mitarbeitern. 

Diese Werksgründungen schlagen sich auch in den gesamtwirtschaftlichen Zahlen nieder, während die Industrieproduktion in vielen Euro-Staaten bereits vor Corona fiel, verzeichnete Ungarn einen deutlichen Anstieg. Verglichen mit -5,3% im dritten Quartal 2019 in Deutschland, -1% in Österreich und -2,2% in der Eurozone können sich die +6,4% in Ungarn sehen lassen. Während der letzten 30 Jahre verließen viele junge Ungarn ihre Heimat, um im Ausland zu arbeiten.  Heute dagegen klagen ostösterreichische Landwirte, daß die Erntehelfer aus Ungarn ausblieben. Früher halfen sie zu Hunderten bei der Spargel- und Erdbeerernte. Bei einer Arbeitslosenrate von 3,4% in Ungarn (gegenüber 7,4% in der Eurozone) kommen jetzt immer weniger. Während die EU vor allem die Finanzindustrie hofiert, hat Ungarn nach der Krise von 2008/09 die Banken kräftig zur Kasse gebeten, sich auf den Aufbau der Realwirtschaft konzentriert und hat keine Angst, sich auch mit milliardenschweren Währungsspekulanten anzulegen. Ein BIP-Wachstum von 5% für 2019 zeigt den wirtschaftlichen Erfolg dieser Strategie.