Foto: Der ECKART

140 Jahre Deutscher Schulverein

Persönlichkeiten aus allen politischen Lagern prägten unsere Arbeit

Ein Geleitwort von Mag. Erich Danneberg, 1 . Obmann der Österreichischen Landsmannschaft (ÖLM)

Der Deutsche Schulverein war – um nochmals zurückzukommen – eine nahezu beispiellose Erfolgsgeschichte. Schon sechs Jahre nach seiner Gründung verzeichnete er über 100.000 Mitglieder. Aus Anlaß der ersten Sprachenverordnungen der Regierung Taaffe von einem Südtiroler Kuraten gegründet, aber dann in Wien vorangetrieben von einem Gründungsausschuß aus einem Kreis von, so möchte ich sagen, vor allem jungen Wilden: Engelbert Pernerstorfer, Otto Steinwender, Viktor Adler und Viktor von Kraus. Alle sind später sehr bedeutende Persönlichkeiten, allerdings dann verschiedener politischer Richtungen, geworden. Pernerstorfer war sicher der Initiator, seine Obleute und tragenden Persönlichkeiten Weitlof und von Kraus waren führende Vertreter der Liberalen im Reichsrat, und das erklärt auch, daß dieser Verein sehr bald politischen Angriffen ausgesetzt war. Auf jeden Fall ist er ein Beispiel für ein, wie man heute sagt, zivilgesellschaftliches Engagement.

Ausschließlich durch private Mittel finanziert

Die Ziele des Deutschen Schulvereins waren von Beginn an die Unterstützung von Schulen und Kindergärten an den Sprachgrenzen der Monarchie, so im Süden an den Grenzen Tirols, im Norden in Schlesien und im Osten sowie im südslawischen Grenzraum; mit ausschließlich privaten Mitteln, also Spendengeldern im Wesentlichen. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich dieser Verein zu einer tragenden Säule der nationalen Bewegung innerhalb der Monarchie. Er war das Sammelbecken des deutschen Bürgertums und wurzelte in der Mitte der Gesellschaft.
Für die Österreichische Landsmannschaft als seine Nachfolgeorganisation ein großes Erbe und ein hohes Vorbild. Schon lange vor Öffnung des Eisernen Vorhangs sind es genau wieder dieselben Gebiete, in denen es ein sehr förderungswürdiges Vereinsleben der natürlich jetzt zahlenmäßig kleinen Reste altösterreichischer deutscher Minderheiten gibt. Daß wir hier unterstützen können, das verdanken wir selbstverständlich den Spendern, vor allem auch aus dem Kreis unserer Leser.

Verbandsorgan und Plattform freier Geister

Daher ist unsere Zeitung „Der ECKART“ weiterhin so wichtig und soll Sie über diese Aktivitäten informieren. Aber diese Zeitung beinhaltet weit mehr als das: In jeder Ausgabe finden Sie Beiträge und Reportagen aus aller Welt – und wir können stets mit kritischer Berichterstattung und Beiträgen von kontroversiellen Autoren im ECKART aufwarten. Diese sollen zum Nachdenken anregen, sie können und sollen diskutiert werden. Die Meinung der Autoren muß natürlich nicht der Meinung des Vorstandes der Österreichischen Landsmannschaft entsprechen, aber sie sollen eine Plattform finden und damit das Lesen unseres Blattes interessant machen. Das Grundrecht, das wir damit übrigens in Anspruch nehmen, wurde auch schon in der alten Monarchie festgeschrieben, eine Hauptforderung der 1848-Revolutionäre, und damit unserer Gründerväter: Im Artikel 13 des Staatsgrundgesetzes von 1867 ist sie verankert – die Pressefreiheit.