Erich Honecker hätte heute allen Grund auf die ehemalige FDJ-Funktionärin Angela Merkel stolz zu sein.
Foto: Bundesarchiv Bild 183-R1220-401//Wikimedia Commons/Raimond Spekking/CC BY-SA 4.0

Honeckers Rache: Feindliche Übernahme durch Ost-CDU

Wie die DDR-Blockpartei die CDU kaperte

Es besteht bei neutralen Beobachtern kein Zweifel darüber, daß die „Berliner Republik“ im Vergleich zu 1990 heute ganz weit links steht. Das hat auch damit zu tun, daß die damals mit der West-CDU fusionierende Ost-CDU eine DDR-Blockpartei war. Ihre Unterwanderung der gesamtdeutschen CDU kann getrost mit dem Marsch der 68er durch die Institutionen der BRD verglichen werden: Mit fatalen Folgen für die bundesdeutsche Innenpolitik…

Ein Beitrag von Dr. Mario Kandil

Es war in der Tat ein Trojanisches Pferd, das man sich da ins Haus holte, als am 1. Oktober 1990 die neu gegründeten CDU-Landesverbände der DDR nacheinander der BRD-CDU beitraten. Es waren nur die wenigsten Zeitgenossen, die ahnten, daß die Brokken, die die West-CDU Bundeskanzler Helmut Kohls schluckte, alle vergiftet waren und hierdurch Erich Honecker, Erich Mielke und Markus Wolf dereinst noch einen postumen Sieg über den Klassenfeind BRD würden feiern können. Im Taumel der (kleinen) Wiedervereinigung, die nur zwei Tage später stattfand, dachte von den 750 Delegierten der bürgerlich-konservativen CDU, die in Hamburg der Vereinigung mit der Ost-CDU zustimmten, daran so gut wie keiner.

Gesunde Skepsis bei Kohl

Bei den Volkskammerwahlen vom 18. März 1990 hatte die Majorität der DDR-Bürger nicht der aus Ruinen auferstandenen SPD ihre Stimme gegeben, sondern der AfD. Damals hieß das noch „Allianz für Deutschland“, jenes Wahlbündnis, in dem die sich als Partei der „demokratischen Erneuerung“ präsentierende CDU mit dem „Demokratischen Aufbruch“ (DA) und der „Deutschen Sozialen Union“ (DSU) zusammengeschlossen hatte. Die 40,8 % für die CDU galten natürlich nicht der Ex-Blockpartei mit ihrer Nibelungentreue zum SED-Regime, sondern Helmut Kohl, der dem Spuk der sozialistischen Diktatur ein Ende setzen sollte.
Der ebenfalls vom Wahlsieg berauschte DDR-Ministerpräsident und Ost-CDU-Chef Lothar de Maizière forderte von Kohl frech eine Neuausrichtung der gesamtdeutschen CDU, die „zur linken Mitte rücken“ müsse, doch Kohl wischte das als „dummes Geschwätz“ vom Tisch.

Instinktiv witterte die „Walz aus der Pfalz“, daß sich die CDU so verändern würde, daß sie nachher nicht mehr sie selbst wäre. Kohl war zwar nicht derjenige, der stets unbeirrbar an der Wiedervereinigung festhielt. Nein, er hatte sie zwischendurch auch schon aufgegeben, doch als ihn 1989 der Mantel der Geschichte streifte, griff er immerhin zu und nutzte diese Chance.
Und er hielt auch lange an seiner Einschätzung vom Dezember 1989 fest, nach der er bezweifelte, „ob sich die Ost-CDU personell wie ideell weit genug vom Geist des real existierenden Sozialismus entfernt“ habe. „Wir beschlossen einvernehmlich, vorerst auf offizielle Parteikontakte zu verzichten“, so Kohl in seinen Memoiren.

Aushöhlung von innen

Doch nachdem die Ost-CDU in den Folgemonaten den DA und dann auch noch die als „SED des Landes“ geltende Demokratische Bauernpartei Deutschlands mit 100.000 Mitgliedern geschluckt und an Stärke zugelegt hatte, und da Kohl den Bundestagswahlkampf 1990 schlecht gegen die Partei mit dem gleichen Namen wie seine CDU führen konnte, schob er seine nach wie vor bestehende Skepsis beiseite und entschied, die Ost-CDU zu integrieren.

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