Ein Meer von Blumen und Kerzen in der Wiener Seitenstättengasse, dem Tatort des blutigen Terroranschlages vom 2. November.
Foto: Der ECKART

Dschihadismus in Österreich

Verschwiegen Verantwortliche Terrorgefahr?

Bei österreichischen Tageszeitungen herrscht großes Rätselraten, weshalb der Attentäter von Wien bis zu seinem Anschlag unbehelligt geblieben war. Tatsächlich gab es etliche einschlägige Vorkommnisse und Warnungen. Wurde hier bewußt geschwiegen?

Ein Beitrag von Julian Bauer

Wien, 2. November 2020: Kurz nach acht Uhr abend drängen plötzlich Menschenmassen in heller Panik in Richtung Stephansplatz. An den Hausmauern hallen Schüsse wider. Innerhalb von Sekunden füllen sich die Gassen rundherum mit dutzenden Polizeiwägen, die mit quietschenden Reifen halten. In Richtung Schwedenplatz ergießt sich ein blaublinkendes Lichtermeer. So erzählt es uns auch ein ECKART-Gastautor, der an dem tragischen Abend gerade von seinem Arbeitsplatz nach Hause gehen wollte.
Aus den Zeitungen ist später zu entnehmen, daß an diesem lauen, zum Ausgehen einladenden Herbstabend ein Islamist vier Menschen erschossen und einen Polizisten schwer verwundet hatte. Fast zwei dutzend Menschen waren angeschossen und ins Spital gebracht worden. Das ist die Bilanz eines islamistischen Terroranschlages, der Wien heimgesucht hatte. Schon in den Jahren zuvor waren die Christkindlmärkte in Österreich vorsichtiger besucht, die Zugänge zur Sicherheit mit Betonpfeilern blockiert. Grund dafür waren die Terroranschläge in unseren Nachbarländern in den Jahren zuvor.

Islamistischer Terrorakt 2015

In der Steiermark erlebte man den Terror bereits im Sommer 2015, als ein bosnischstämmiger Moslem bei einer Amokfahrt durch die Grazer Innenstadt drei Menschen tötete und dutzende verletzte. Somit stellt sich aktuell einmal auf’s Neue die Frage, ob die vom Islamismus ausgehende Gefahr in Österreich unterschätzt wurde. Wie unerwartet kam ein solcher Terroranschlag?
Soviel man bislang in Erfahrung gebracht hat, war der Attentäter bereits 2018 wegen terroristischer Vereinigung mit einem Glaubensgenossen verurteilt worden – er wurde jedoch vorzeitig aus der Haft entlassen. Daraufhin wurde er vom Verfassungsschutz beobachtet, und dieser registrierte in diesem Jahr auch ein internationales Dschihadistentreffen im Juli, an welchem der spätere Attentäter teilnahm.

Desinteresse der Behörden am Attentäter

Nur ein paar Tage später reiste dieser in die Slowakei, um Munition zu besorgen – die Observation durch den Staatsschutz war aber zu diesem Zeitpunkt bereits abgebrochen. Selbst als die Polizeibehörden von den slowakischen Kollegen darüber informiert wurden, schien dies den Verfassungsschutz kalt zu lassen.
Also nochmals: Wie unerwartet kam der Anschlag? Besitzen wir als „Insel der Seeligen“ zu wenig Erfahrungswerte mit radikalen Muslimen? Vor knapp einem Jahr wurde der Dschihadisten-Prozeß in Graz eröffnet. Dabei wurden 13 Angeklagte der Verbrechen der terroristischen Vereinigung und staatsfeindlichen Verbindung beschuldigt. Zwei der Angeklagten konnten jedoch vor dem Prozeß fliehen.

IS-Strukturen in Österreich

Hauptangeklagter war der Obmann des 2008 gegründeten Vereins „Taqwa“. Gemeinsam mit zwei weiteren Grazer Islam-Vereinen (ein Umstand, der gerne vergessen wird) vertraten und lebten die Mitglieder die Ideologie des „Islamischen Staats“ (IS) mitten in Graz. Sie bereiteten in erster Linie ihre Mitglieder für die Auswanderung zur Terrormiliz IS (Daesh) vor. Zwei solcher Auswanderungswellen von dutzenden Mitgliedern soll es bereits gegeben haben, eine führte 2014 gar zu einem Prozeß. Ansonsten dürfte der Verein von Behörden recht unbehelligt geblieben sein, denn selbst in Wien konnte man mit eigenen Propaganda-Leiberln und Fahnen herumspazieren, wie die Staatsanwaltschaft im Zuge des Dschihadisten-Prozesses irritiert feststellen mußte.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der ECKART-Ausgabe vom Dezember 2020, die sie HIER bestellen können.