Bergmann und Schwibbogen sind im Erzgebirge allgegenwärtig wie hier in Niederwürschnitz.
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Geheimtipp Erzgebirge: Ein Weihnachtswunderland

***ECKART-Adventkalender***

Das sächsische Erzgebirge ist eine Landschaft, die über eine ganz eigentümliche, unverfälschte Weihnachtstradition verfügt. Im Laufe vieler Jahrhunderte haben sich hier – in enger Verbindung mit dem Bergbau – viele Bräuche entwickelt, die eine Sonderstellung innerhalb des Weihnachtsbrauchtums einnehmen, das sich im gesamten deutschen Kulturraum so mannigfaltig ausgestaltet hat.

Ein Beitrag von Johannes Schüller

Ein Symbol der alten Sehnsucht der Bergmänner ist der Schwibbogen, in dem sich zugleich die weihnachtliche Sonnensymbolik mit ihrer Hoffnung auf die Wiederkehr des Lichtes spiegelt.
Familien stellten die mit Kerzen versehenen, zuerst aus Metall, später auch aus Holz gebauten, dekorativen Bögen ins Fenster, um das Haus in der Dunkelheit für die Bergmänner zu erleuchten.
Auch die erzgebirgische Schnitzkunst hat ihren Ursprung bei den Bergleuten und diente diesen zum Lebensunterhalt, wenn sie nicht mehr unter Tage arbeiten konnten.

Erzgebirgische Volkskunst

Besonders beliebt sind die hier erfundenen Räuchermännchen – auf Erzgebirgisch „Raachermannel“. Dabei handelt es sich oft um eine bemalte Holzfigur, in die sich eine Duftkerze stellen läßt. Der aromatische Rauch entweicht aus dem Mund der Figur. Hautnah erleben läßt sich die erzgebirgische Volkskultur u.a. in Seiffen, wo sich die heimischen Handwerker beim Schnitzen oder Drechseln über die Schulter schauen lassen.
Neben Schwibbögen, Raachermannel und Weihnachtspyramiden sind es vor allem figürliche Darstellungen mit Bezug zum Bergmannswesen, die die erzgebirgische Schnitzkunst dominieren.

Prunkvolle Bergparaden

Ein besonderer Höhepunkt der Vorweihnachtszeit sind die großen Bergparaden in Freiberg, Schneeberg, Marienberg oder Annaberg-Buchholz. Mit prunkvollen Bergparaden und -aufzügen begrüßten die Sachsen einst ihren Landesherrn.
Bergmannskapellen sowie Traditionsvereine in historischen Uniformen ziehen durch die Straßen und erinnern an ein Deutschland, das noch sehr gut ohne fremde „Bereicherung“ ausgekommen ist.
Ebenso beliebt ist das feierliche Anschieben der großen Weihnachtspyramiden, die an einigen Orten zehn Meter oder noch höher sind. Dabei handelt es sich um mit Figuren geschmückte, mehrstufige und sich drehende Lichtergestelle, deren Flügelrad bei kleinen Ausfertigungen auch durch Kerzenwärme angetrieben werden kann.

Die Lichtergestelle, die als vorweihnachtliche Raumdekoration dienen und in keiner guten erzgebirgischen „Stub‘“ fehlen, gibt es in allen Größen und Preisklassen: Die besonders prächtigen, mit unheimlich vielen Details geschnitzten sechsstöckigen, etwa einen Meter hohen Pyramiden können dabei mehrere tausend Euro kosten. Die großen im Freien aufgestellten Weihnachtspyramiden sind ein fester Bestandteil erzgebirgischer Weihnachtsmärkte, die diese Bezeichnung auch noch verdienen.

Noch echte Weihnachtsmärkte

In Annaberg-Buchholz etwa, einem Zentrum der erzgebirgischen Weihnacht, sind Ramschstände mit blödsinnigem Plastikglumpert, amerikanischem „Jingle-Bells“-Sch…, oder gar Dönerstände nach wie vor undenkbar. Inmitten von Glühwein- und Räucherkerzenduft sowie besinnlichen Klängen läßt es sich gemütlich an Buden mit erzgebirgischer Holzkunst, Spielwaren, Räuchermännchen sowie zahlreichen lokalen Spezialitäten vorbeischlendern. Eine davon ist der erzgebirgische Stollen: Ein aus schwerem Hefeteig bestehender Kuchen, gefüllt mit Fett, Trockenfrüchten oder Marzipan bzw. Mohn, von dem die Einheimischen sagen: „Vorsicht, Suchtgefahr!“ Aber warum sollte man sich nicht wenigstens zur Weihnachtszeit das Leben ein bißchen versüßen?