Postkarte 1720 des Deutschen Schulvereins

Weihnachten in der Waldheimat

***ECKART-Adventkalender***

Die Wohlstands- und Wegwerfgesellschaft hat die ursprünglich stillste Zeit im Jahr zu einem ebenso billigen wie kostspieligen Weihnachtsrummel mit grellem, überlautem Talmiglanz verkommen lassen. Wichtig waren nur die Umsatzzahlen, von einer Besinnung auf die wirkliche Bedeutung des Advents als freudige Erwartung der Geburt des Erlösers, der Wiederkehr des Lichts, ist längst keine Rede mehr.

Ein Beitrag von Hermann T. Attinghaus

Wie war das Weihnachtsfest, das nordische Julfest, doch einst so schön! In aller bescheidenen Einfachheit, mit einem Tannenbaum und der Krippe darunter, einigen Kerzen und ein paar Bratäpfeln auf dem Baum und vielleicht noch ein paar eingewickelten Süßigkeiten.
Ernst Moritz Arndt (1769-1860), der Freiheitsdichter, mit seinem Gedicht „Blüh und leuchte, goldner Baum“, Joseph von Eichendorff (1788-1857) mit „Weihnachten“ („Markt und Straßen stehn verlassen“) und August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874), der Dichter des Deutschlandlieds, mit „Der Traum“ und „Weihnachten“ („Zwar ist das Jahr an Festen reich“), haben wunderbare Gedichte zum schönsten Fest des Jahreskreises gedichtet.


Löns’ Weihnachtsmärchen

Hermann Löns (1866-1914), der bekannte Heidedichter, schrieb auch bezaubernde Weihnachtsmärchen. In der Geschichte vom „allerersten Weihnachtsbaum“ schildert er wie das Christkind den Weihnachtsbaum erfand. In „Lüttjemann und Lüttjerinchen“ erzählt der Dichter, wie der Mooswicht Lüttjemann just in der Christnacht sein Lüttjerinchen findet. Der steirische Waldbauernsohn Peter Rosegger (1843-1918), der sich auch für die Förderung und Verbreitung der deutschen Sprache einsetzte und deswegen den Literaturnobelpreis nicht bekam – tschechische Agitatoren verhinderten dies –, verfaßte die wohl berührendsten Geschichten zur Heiligen Nacht. Die zauberhafte tiefverschneite Winterlandschaft seiner Kindheit regte den Dichter zu seinen schönsten Weihnachtsgeschichten an.

Erzählungen aus der Waldheimat

In den Erzählungen aus der „Waldheimat“ finden sich die schönsten Erinnerungen des Waldbauernbuben, in dessen Leben das Weihnachtsfest wie für alle Kinder eine besonders bedeutsame Rolle spielte. Wie beispielsweise in der Geschichte „Einer Weihnacht Lust und Gefahr“, worin er sein vorweihnachtliches Abenteuer mit einer Kuckucksuhr schildert und erzählt, wie er sich in der Heiligen Nacht im Walde verirrte und von der Mooswaberl gerettet wurde.
Rosegger erzählt auch wie er als Bub „Christtagsfreude holen ging“. Diese Christtagsfreude bestand aus Lebensmitteln, die von der Mutter für das Weihnachtsmal dringend benötigt wurden. Vorher muß er aber noch in Langenwang beim Holzhändler Spreitzegger Geld eintreiben.
Der Dichter erwähnt auch, wie „Der erste Christbaum in der Waldheimat“ auftauchte und von der „Weihnacht in Winkelsteg“.
Auch in Gedichten in obersteirischer Mundart wie „In Franzl sei Christbam“ oder „Mei Christbam. Zu den glückseligen Weihnachten 1864“ – da war der Dichter 22 Jahre alt – und nicht zuletzt die „Krippellieder“ d. h. Krippenlieder, –„Mitgeteilt von meiner Mutter“– findet sich immer wieder Weihnachtliches.


Waldlilie im Schnee: Eines der schönsten Weihnachtsmärchen

Besonders berührend ist das Märchen von der „Waldlilie im Schnee“. Das ist jene Geschichte, in der die zwölfjährige Lili, die älteste Tochter des Wilderers Berthold, an einem trüben Winterabend zum „nachbarlichen Klausner im Hinterkar“ um eine Kanne Milch geschickt wird, da das Kind aber nicht zurückkehrt, glauben alle, daß Lili erfroren sei. Aber da es sich um eine Weihnachtsgeschichte handelt, geht sie auch gut aus.
Die „Waldlilie“, wie Berthold seine Tochter liebevoll nennt, hat „in einer Waldschlucht, im finsteren, wildverflochtenen Dickichte junger Fichten und Gezirme, durch das keine Schneeflocke zu dringen vermag und über dem die Schneelasten sich wölben und stauen… auf den dürren Fichtennadeln des Bodens, inmitten einer Rehfamilie von sechs Köpfen“ die kalte Nacht im Wald überlebt.
Berthold ist so glücklich, seine geliebte Tochter wieder bei sich zu haben, daß er „seinen Kugelstutzen, mit dem er seit manchem Jahr Tiere des Waldes getötet“ hat, „an einem Stein zerschmettert“, denn er hat sich vorgenommen, nie wieder wildern zu gehen.
Was uns an Roseggers Weihnachtserzählungen und -gedichten in unserer hektischen, oberflächlichen Zeit neben den wunderbaren Naturschilderungen am meisten erfreut, ist die schlichte Menschlichkeit des Verfassers, die aus diesen Dichtungen spricht.