Foto: Der ECKART

Das Belvedere-Stöckl

„Kunst ist das Gegenteil von gut gemeint“ sagte der Dichter Gottfried Benn einmal. Merkwürdigerweise bestand dieser angebliche Gegensatz früher nicht so extrem…

Von Christoph Bathelt

So ist das von Johann Lucas von Hildebrandt (1668–1745) erbaute Schloß Belvedere ein Glanzstück barocker Baukunst inklusive des einzigartigen Gartens, obwohl das Obere Belvedere vor allem aus Repräsentationsgründen errichtet wurde und der Bauherr, Prinz Eugen, im weitaus bescheideneren Unteren Belvedere lebte. Gleich daneben befindet sich das gleichfalls von Hildebrandt begonnene, aber von Johann Bernhard und Joseph Emanuel Fischer von Erlach vollendete Palais Schwarzenberg mit einem gleichfalls einzigartigen, unter Denkmalschutz stehenden Park. Beides ist nach wie vor Eigentum der Schwarzenbergschen Privatstiftung, die offenbar kein rechtes Glück mit ihren Mietern hat: So wurde das Palais 2007 einem Unternehmen der Volksbanken überlassen, welches sich durch einen windigen Scheich namens Mohamed Bin Issa Al Jaber die Einrichtung eines „6-Sterne-Deluxe-Hotels“ versprach.

Nachdem außer Versprechen nichts folgte, plante man 2013 ein Kasino, aber auch das blieb bisher nur heiße Luft, seit Dezember 2019 plant man wieder ein Hotel. Nun wird im Barockgarten, der bisher nur Anrainern zur Verfügung stand, nach zwei Jahren ein neues „Architekturjuwel“ eingeweiht: das Belvedere-Stöckl. Neben einem ehemaligen, historisierenden und der Umgebung angepaßten Bierlokal wurde nun trotz großer Proteste der Anrainer und 1,3 Millionen Euro Mehrkosten aufgrund behördlicher Auflagen ein Kubus mit dem Charme eines Autohauses eröffnet. Eine andere Architektur sei angeblich nicht wirtschaftlich gewesen, erklärte der Betreiber auf ECKART-Nachfrage. Während im alten Teil des Gebäudes eine Brauerei ist, werden im Glaskasten die Gäste verköstigt, sofern diese in der ohnehin schon sehr verkehrsreichen Prinz-Eugen-Straße einen Parkplatz finden.