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Das letzte Stück Wien?

Es ist ein schöner Spätherbsttag, an dem die Sonne strahlt, ohne zu wärmen, und das die Erde bedeckende Blätterkleid bereits eine erste Assoziation mit dem Winter schafft, der in wenigen Wochen kommen wird. Das schöne Wetter will aber atmosphärisch so gar nicht zu dem Ort passen, an dem ich entlangspaziere. Gemessenen Schrittes, fast andächtig, schreite ich die Hauptachse entlang und halte immer wieder inne: „Ob er sich das in seinen schlimmsten Albträumen hätte ausmalen können, unser Bürgermeister?“ Ich bin allein mit meinen Gedanken, und in meinem inneren Monolog sage ich als Wiener natürlich „Burgermasta“, und ich denke gewiß nicht an jenen, dessen Physiognomie mich stets an einen Schankgehilfen oder Fleischergesellen erinnert, sondern ich denke an ihn, den größten Bürgermeister, den unsere „Weanerstodt“ – von Liebenberg abgesehen – je hatte: Dr. Karl Lueger…

Sein Antlitz ist mir hier an diesem Ort, den er geschaffen hat, überall gegenwärtig: Die feinen Gesichtszüge, der helle, geistvolle Blick, und der „kaiserliche“ Bart, der schon ausreicht, um ihn für ein gekröntes Haupt zu halten, obgleich ihn statt einer Krone die Bürgermeisterkette unserer Stadt zur Majestät erhebt. Vom Haupttor aus lenke ich meine Schritte in Richtung des Mittelpunktes des Zentralfriedhofs, der Dr.-Karl-Lueger-Gedächtniskirche. Ich mache mir immer den Spaß, beim Pförtner nach der Luegerkirche zu fragen, wohlwissend, daß diese seit 20 Jahren Karl-Borromäus-Kirche heißt. „Was kommt als nächstes?“, frage ich mich, als ich vor dem gewaltigen Jugendstilbauwerk, mehr Tempel als Kirche, angekommen bin.

Wird man Lueger, der in der Kirchengruft unter dem Hochaltar seine letzte Ruhestätte fand, exhumieren und seine Asche in alle Winde verstreuen? Kein sonderlich abwegiger Gedanke, wenn man den unendlichen Haß der Antifaschisten bedenkt, die aktuell sein Denkmal am Stubentor zerstören wollen. Bei der Umbenennung des Rings waren sie schon erfolgreich, genauso wie bei der „irrtümlichen“ Übermalung der Tafel, die an seinen Geburtsort erinnerte und danach dauerhaft „umgestaltet“ wurde.

Über ein Jahrhundert nach seinem Ableben, soll Lueger aus der Öffentlichkeit der Stadt, die ihm so unendlich viel verdankt, ausradiert werden: Und ist es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode, denn Lueger steht nicht nur für Wien – er steht für die abendländische Kultur und die sie tragenden Völker und Werte. All das wollen sie in Wahrheit vernichten, die Damen und Herren Antifaschisten! „Ist da niemand mehr, der gegen diese Mächte der Zerstörung antritt?“ Eine rhetorische Frage! So wird uns Wienern bald nur noch der Zentralfriedhof bleiben, an dem wir uns noch heimisch fühlen können. (Konrad Reisinger)