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Das Mysterium der Zahl 12

Aus der Schule des Pythagoras ist uns der Satz überliefert. „Die Erschaffung der Welt sei nichts anderes als die harmonische Auswirkung einer reinen Kombination von Zahlen“. Im Volksglauben, der Literatur, Architektur und Musik spiegelt sich die Kenntnis geheimer Zahlsymbolik wider. Die Kulturkreise des Judentums, Christentums und des Islam, indische, chinesische, ägyptische und indianische Traditionen sind dem Geheimnis der Zahlen in vielfacher Weise verbunden.

Ein Beitrag von Magdalena S. Gmehling

Die meisten alten Zivilisationen waren auf ein duodekatisches System aufgebaut. Die Zwölf ist die Grundzahl des Duodezimalsystems. Sie ist die große kosmische Zahl der Vollständigkeit und Heiligkeit. Die zwölf Tierkreiszeichen des Altertums finden ihren Niederschlag in der Monatseinteilung. 12 war die Götterzahl, gerundet aus den heiligen Zahlen 5 und 7 oder aus dem Produkt der allumfassenden Zahlen 3 und 4. Herkules hatte 12 gewaltige Taten zu vollbringen. 12 Winde wirken auf den Erdball ein. Die Tageseinteilung von 2 mal 12 Stunden ist uns ebenso vertraut, wie die Zwölferpackung (das Dutzend) bei Getränken. Mitternacht, also die zwölfte Stunde gilt als Zeit besonderer magischer Kräfte. Der Olympische Zwölfkampf besteht aus Pflicht- und Kürübungen am Boden, Seitpferd, Barren, Reck, an den Ringen und im Pferdsprung. Das Zwölftafelgesetz (lex duodecim tabularum) war das bekannteste römische Gesetzgebungswerk und die Griechen kannten die Dekapolis, den Bund der 12 kleinasiatischen Städte (Milet, Myus, Priene, Samos, Ephesos, Kolophon, Lebedos, Teos, Erythrä, Chios. Klazomenä, Phokäa). Dodekaphonie (Zwölftonmusik) ist eine Kompositionstechnik mit 12 nur aufeinander bezogenen Tönen.

12 Patriarchen, Wasserbrunnen, Fürsten

Die Parsen nehmen eine Weltzeitdauer von 12.000 Jahren an. Die 12 Patriarchen und 12 kleinen Propheten wären zu nennen, 12 Wasserbrunnen, 12 Fürsten, 12 Rinderfiguren, die das „eherne Meer“ im Tempel stützten. 12 Schaubrote gab es in der Stiftshütte. Von besonderer Bedeutung waren die 12 Edelsteine auf dem Brustschild (Ephod) des Hohen Priesters. „Man besetzte es mit vier Reihen von Edelsteinen; erste Reihe: Rubin, Chrysolith und Smaragd. Zweite Reihe: Türkis, Lasurstein und Jaspis. Dritte Reihe:Hyazinth, Achat und Amethyst. Vierte Reihe:Tarsis, Karneol und Nephrit; in Gold gefasst waren sie in ihren Reihen. Die Steine trugen die Namen der Söhne Israels; zwölf waren es, entsprechend ihren Namen, Siegelstecherarbeiten. Ein jeder mit einem Namen nach den zwölf Stämmen.“ (Exodus 39,10-15) Aaron sollte, wenn er vor den Herrn trat, das Volk symbolisch auf seinem Herzen tragen.

Das Neue Testament berichtet von der Weisheit des zwölfjährigen Jesus im Tempel. Zwölf Apostel erwählte Christus. Die Didache, die Zwölfapostellehre ist die älteste erhaltene christliche Kirchenordnung. Das Himmlische Jerusalem hat 12 Tore aus Perlen. Zwölf mal zwölf Auserwählte beten das Lamm an. Die 12 heiligen Nächte zwischen Weihnachten und Dreikönig, die sogenannten Rauhnächte, beginnen nicht mit dem Thomastag (21. 12.) dem eigentlichen Zeitpunkt der Wintersonnenwende, sondern mit dem 25. 12 und dauern bis zum 6.1. dem Dreikönigstag. Sie werden als geheimnisvolle Vorläufer des kommenden Jahres angesehen. Abergläubische Bräuche wie beispielsweise der Lauf der 12 Perchten versinnbilden die Überwindung des alten Jahres durch das neue.

Von den Mayas bis in die Romantik

Abschließend wäre noch der Maya-Kalender zu nennen. Die im Regenwald der Halbinsel Yukatan beheimateten Indianer entwickelten (zwischen 1.500 v.Chr. und 850 n. Chr.) ein kompliziertes und hochgenaues Kalendersystem. Je 144.000 Tage bilden eine Großperiode, „Baktun“ genannt. Am 21. 12. 2012 geht das Zeitalter „der Transformation der Materie“ zu Ende. Einer Reinigung der Erde und Regeneration unseres Planeten, soll der Zusammenbruch unserer Zivilisation vorhergehen.

Numerlogisch-astrologische Zusammenhänge waren nicht nur im Mittelalter, sondern auch in der Romantik und Klassik vielfach verbreitet. Novalis war davon überzeugt: „daß in der Natur eine wunderbare Mystik der Zahlen am Werk ist, und ebenso auch in der Geschichte“. Allerdings muss immer wieder darauf hingewiesen werden, wie durchlässig die Grenze zu Aberglauben und magischen Spielereien ist. Astra regent homines, sed reget astras Deus.“