Foto: Schützenkompanie Latzfons

Markstein zeigt Tirols Mitte

ÖLM unterstützt Gedenksteinprojekt mit großer Symbolkraft

Seit nun mehr 100 Jahren ist das Land Tirol geteilt, woran der ECKART bereits in seiner letzten Ausgabe erinnerte. Zur Erinnerung an das erlittene Unrecht vor einem Jahrhundert errichteten der Schützenbezirk Brixen und die Schützenkompanie Latzfons (Bild oben) am Plus-Minus-Mittelpunkt des alten Kronlandes Tirol – im Herzen des Eisacktals – einen Markstein, der als Fanal und mehr als nur symbolisch den Mittelpunkt Tirols charakterisieren soll.

Ein Beitrag von Georg Ladurner

Dieser Markstein befindet sich in unmittelbarer Nähe des Schutzhauses „Latzfonser Kreuz“ bzw. der 1743 errichteten, aussichtsreichen und gleichermaßen malerischen wie schmucken Wallfahrtskirche „Heiligkreuz auf Ritzlar“ auf 2.311 Metern Seehöhe. Zudem muß angeführt werden, daß dieses Gebiet mit dem höchsten Wallfahrtsort Europas gleichzusetzen ist. Diese Wallfahrtsstätte als Ziel des ältesten Pilgerweges Südtirols, an der Südseite der Kassianspitze gelegen, wird heutzutage nach wie vor gerne von vielen Einheimischen und Gästen als Quelle der Inspiration und des Glaubens aufgesucht. Am Kirchtag, der zu Ehren der Heiligen Magdalena gefeiert wird, beten die Schützen von Latzfons und Feldthurns zum Kirchlein hinauf. Darüber hinaus zeigt dieser Markstein die jeweiligen Entfernungen zu den Außengrenzen. Aber das ist noch nicht alles: Er zeigt die Verbundenheit zum Heimatland und den Wunsch zur Landeseinheit mehr als nur eindrucksvoll.

Bekenntnis zur Landeseinheit

Wenn man um die Grenzen Alt-Tirols ein Rechteck legen und in diesem zwei Diagonalen ziehen würde, so befindet sich dieser angeführte Mittelpunkt eben in Latzfons auf dem Gemeindegebiet der Dürerstadt Klausen, die am Fuße von Kloster Säben am Ufer des Eisacks liegt. So wie das ganze Land Tirol den 10. Oktober vor 100 Jahren als einen nationalen Trauertag zwischen dem Arlberg und der Lienzer Klause und zwischen Kufstein und Salurn beging, kann der Markstein ein Jahrhundert später ein Zeichen dafür sein, daß 100 Jahre Unrecht keinesfalls mit einem Tag Recht gleichgestellt werden dürfen. Obgleich die italienische Annexion dem Prinzip der nationalen Selbstbestimmung widersprach, liegt es im Interesse der Südtiroler, ihr verbrieftes Recht einzufordern und sich Alternativen zum gegenwärtigen Status zu machen.

„Unsere Heimat Tirol erhalten“

Sepp Kaser, der Kulturreferent des Schützenbezirks Brixen, meint, man könne nie genug auf die schmerzliche Teilung Tirols hinweisen: „Dank des Durchhaltevermögens unserer Väter und Großväter haben wir unsere kulturelle Eigenheit und die deutsche Sprache behalten können. Gemäß dem Motto ‚Herkunft ist Zukunft‘ soll es auch in Zukunft für alle unsere Landsleuten ein Auftrag sein, im Rahmen der entsprechenden Möglichkeiten unsere Heimat Tirol zu erhalten.“ ÖLM-Vorstandsmitglied Dr. Wolfgang Steffanides hält dazu ergänzend fest: „Geschichte ist nicht nur Vermächtnis, sondern auch Auftrag! Die Österreichische Landsmannschaft, die immer sehr eng mit Südtirol verbunden war, unterstützt daher dieses großartige Projekt.“