Abstimmungsdenkmal in Ferlach, wo zwei Kärntner den Kärntner Würfel im Verband der anderen Bundesländer bei Österreich halten.
Foto: Privat

Kärntner Feiern ohne Volk

Obwohl die Volksabstimmung vom 10. Oktober 1920 Kärnten Freiheit und Einheit brachte, wurde dieses Jahrhundertereignis vom Land nur schmalbrüstig gefeiert – und nicht nur wegen der vorgeschobenen Corona-Panik.

Ein Kommentar von Dr. Bruno Burchart

Schon von vornherein waren die Landesplanungen auf ein niedriges Niveau angelegt: Keine Landesausstellung, sondern eine mickrige Wanderausstellung. Vor allem kein Landesfestzug, wie er in den Jahrzehnten zuvor die Vielfalt, Fröhlichkeit und Begeisterung der Kärntner aller Bevölkerungsschichten zum Ausdruck gebracht hatte, sondern ein sog. Fest der Täler, das dann auch nicht stattfand. Keine traditionelle Volksfeier an der Stätte der Kärntner Einheit im Landhaushof. Es gab nur eine für einige “Prominente” durchgeführte Veranstaltung im traditionsreichen Wappensaal.

Die Republik geniert sich

Traurigerweise vermittelte diese mithilfe des Staatsrundfunks den Eindruck, als ob Kärnten ein halbslowenisches Land sei, da alle Kommentare zweisprachig gesendet wurden. Dabei wohnen die Angehörigen der slowenischen Minderheit in Streusiedlung gerade einmal im südlichsten Landesteil, der maximal ein Sechstel Kärntens ausmacht. Während die roten Vertreter Kärntens immerhin ein wenig auf den Anlaß der für Kärnten und Österreich so bedeutsamen Volksabstimmung eingingen, erwähnten die grünen, türkisen und schwarzen Redner – blaue waren nicht vorgesehen – ihn überhaupt nicht. Eine überaus peinliche Vorstellung lieferte Bundespräsident Van der Bellen, als er nach einer radebrechenden Einleitung auf Slowenisch sich ohne Anlaß bei der Minderheit entschuldigte. Kein Glückwunsch für Kärntens Abstimmung seitens der Alpenrepublik, ganz im Gegensatz zur früheren Parlamentsadresse: „Diesen Sieg werden wir den Kärntner nie vergessen“. Hatte man vom eingeladenen Präsidenten Sloweniens erwartet, daß er sozusagen als Gastgeschenk etwas Positives zu seinen volksdeutschen Landsleuten sagen würde -was sogar der Europarat fordert- so wurde man enttäuscht: Stattdessen forderte er widersinnig die Erfüllung des längst erfüllten Staatsvertrages ein – eine europäische Nachbarschaftsgeste sieht anders aus.

Ein ganz anderes Zeichen setzte der Akademikerverband Kärnten, mit der einzigen am Abstimmungstag in der Landeshauptstadt durchgeführten öffentlichen Veranstaltung: der Heldenehrung am Hülgerth-Denkmal. Aus dem ganzen deutschen Sprachraum waren zahlreiche Farbenstudenten angereist, um in Solidarität mit den Kärntnern diesen Festtag zu begehen. Mit einer feierlichen Kranzniederlegung und der Kärntner Landeshymne schloß dieses gelungene Gedenken.

Die Bevölkerung feierte selbst

Der Geschichtsverein organisierte mit einem mit Universitätsprofessoren hochkarätig besetztes Symposium über Plebiszite, die Universität Klagenfurt eines über das Selbstbestimmungsrecht, die Kärntner Landmannschaft mit monatlichen Vorträgen über Aspekte der Kärntner Volksabstimmung, der Kärntner Akademikerverband mit mehreren Vorträgen über dieses Ereignis, der Abwehrkämpferbund mit schönen Festveranstaltungen, die Sängerrunde Emmersdorf mit einem würdigen Fest der Freiheit am geschichtsträchtigen Herzogstuhl, u.a.m. Einige wenige neue Gedenkstätten wurden errichtet: Das Land beteiligte sich mit einer Gedächtnistafel in der Landesregierung für Landesverweser Arthur Lemisch sowie eine für die amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson, Prof. Archibald Coolidge und Kommissionsleiter Sherman Miles, die sog. Konsensgruppe mit einer Gedächtnisstele für Hans Steinacher, der Kärntner Abwehrkämpferbund eine Gedächtnistafel in Sankt Jakob im Rosental zur Erinnerung an die Rückeroberung des strategisch wichtigen Karawanken-Eisenbahntunnels und eine Tafel beim Mahnmal in Klagenfurt-Annabichl, wo die Namen aller gefallenen Abwehrkämpfer eingemeißelt sind. Auch die Eckartschrift zur Jahrhundertfeier widmete sich zahlreichen, bis her nicht bekannten Schwerpunkten wie die Rolle der Frauen.

Auch wenn die Landesfeiern mit allen Projekten, Veranstaltungen, usw. eher auf bescheidener Sparflamme stattfanden, so hat die Bevölkerung in den verschiedenen Gemeinden doch ihre eigenen traditionellen Volkabstimmungsfeiern durchgeführt mit Chören, Kapellen, Schülern, Tänzern, Liedern und Festreden. Damit wurde zum Ausdruck gebracht, daß das Volk sehr wohl um die Bedeutung dieses geschichtlichen Ereignisses weiß und das auch weiterhin so halten will!