Foto: diefotografin.at

„Eine Rauhheit, wie alte Sagen in einem dunklen Wald…”

Die Sopranistin Jowita Sip im ECKART-Exklusivinterview


Beethoven kennt fast jeder. Am Besten kennen ihn jedoch Künstlerinnen und Künstler, die mit seiner Kunst arbeiten. Gleichzeitig haben sie in diesem Jahr mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Grund genug für den ECKART, mit der in Wien ansässigen Künstlerin Jowita Sip über den großen Menschen und Musiker zu sprechen. Daß die bekannte und international erfolgreiche Sopranistin auch in Bezug auf den Bonner Meister etwas zu sagen hat, stellte sie mit dem für das Jubiläumsjahr bestimmten Konzert „Beethovens Erbe” nachdrücklich unter Beweis.

Der ECKART: Wann und wie sind Sie der Musik Beethovens  begegnet, wann dem Menschen?

Jowita Sip: Alle Musiker sind bereits im Studium mit ihm in Kontakt gekommen, aber dort vor allem als Symphoniker. Aber darum war er lange gar nicht „mein” Komponist, ich empfand ihn vor allem als laut. Als Mensch beeindruckt mich, daß er immer seine Meinung vertrat. Durchaus auch provokant, aber er kannte seine Bedeutung und kümmerte sich nicht um Formen und war bisweilen auch schroff gegenüber anderen, wie z.B. gegenüber seinen adeligen Förderern, die ihn zwar unterstützten, sich aber bei einem Konzert miteineinander unterhielten und sein Spiel störten. Er stand auf und ging mit den Worten „Für solche Schweine spiele ich nicht” – das war natürlich wenig diplomatisch.

Er war ja schließlich Beethoven!

Ja, aber er dachte vor allem an seine Musik. Früher gab es nicht soviele große Konzertsäle wie heute den Musikverein, und in den kleinen Räumen wurden daher viele seiner Werke als zu laut empfunden. Natürlich stellt sich die Frage: Wollte er es so laut haben, oder waren das bereits Anzeichen seiner beginnenden Taubheit? 

Warum hört man sich heute nach 250 Jahren noch die Musik Beethovens an?

Seine Musik ist nach wie vor wertvoll, und dieses Jubiläum hat mich wieder in seine Musik vertieft. Gute Stücke muß man sich erarbeiten, und manchmal liegt es an den Umständen oder den Interpreten, wenn sie einem beim ersten Mal nicht zusagen. Beethoven hat viele Lieder geschrieben, und manche haben mich nicht auf Anhieb berührt – aber es lag nicht an den Stücken selbst! Ich mußte die Stücke für mich selbst entdecken, bis sie mich wirklich begeisterten. Eigentlich begann es bereits 2006: Als ich im Mozartjahr ein Programm gestaltete, kam ich auf die Idee, mich mit seiner Person zu beschäftigen und ihn als Liedkomponisten kennenzulernen.

Wie oft haben Sie in diesem Jahr konzertieren können?

Wir hatten das Konzert „Beethovens Erbe” geplant, das aber nicht stattfinden konnte. Dieses wurde dann aber mit Unterstützung des Bezirksvorstehers des 19. Bezirks in acht Teilen aufgenommen und kann nun online auf YouTube angehört werden. Damit erfülle ich mir auch einen anderen Wunsch, nämlich diese Stücke anderen Menschen zugänglich zu machen, die vorher noch wenig damit zu tun hatten. Aufgenommen habe ich außerdem eine Arie aus Goethes Schauspiel Egmont, die von Beethoven auf ausdrücklichen Wunsch Goethes vertont wurde. Beethoven und Goethe – zwei der größten deutschen Künstler ihrer Epoche.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der aktuellen ECKART-Ausgabe November 2020, die sie HIER bestellen können.