Foto: Bwag, Wien – Staatsoper (1), CC BY-SA 4.0

Vorhersehbares Operndesaster

Ein Kleinformat bezeichnete den neuen Operndirektor Bogdan Roščić als „Popstar der Oper“. Tatsächlich ist der Mann eine tickende Zeitbombe aus der unbewältigten Vergangenheit der letzten sozialistischen Regierungsbeteiligung.

Herr Roščić, der sich bei dem Radiosender Ö3 die Qualifikation zum Opernchef angeeignet hat, tönt zwar vollmundig, für die Staatsoper sei nur das Beste gerade gut genug, an der Auswahl der Regisseure von Fossilen wie Frank Castorf, Peter Konwitschny und Hans Neuenfels bis zu Regieberserkern a la Calixto Bietos oder Barrie Kosky läßt sich aber leicht erkennen, wohin die Reise in den nächsten Jahren geht.

Eine Öffnung der Staatsoper wäre vonnöten – aber für wen denn? Eine „neue Ästhetik“ müsse her, um das Haus und die Kunstgattung attraktiver zu machen. „Wir müssen vielleicht auch einmal damit aufhören, über die Staatsoper ständig wie über eine Disco in Ischgl zu reden…“ meint Roščić, aber was genau will er damit sagen? Mit den linken Apparatschiks herkömmlicher Art lassen sich ganz gewiß keine neuen Publikumsschichten gewinnen, die für die Staatsoper ein Gewinn wären.

Mit den „jungen Wilden“ à la Simon Stone und Teodor Currentzis schon gar nicht. Zehn Premieren will er anbieten, aber die meisten Produktionen sind abgelegte, ausgemusterte alte Hüte von anderen Häusern. Neuenfels‘ „Entführung“, in der jede Rolle – mit einem Sänger und mit einem Schauspieler – doppelt besetzt ist, stammt z.B. aus dem Jahre 1998 (!). Für zweifelhafte Unterhaltung ist jedenfalls gesorgt…