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Niemals vergessen: Der Vertriebenen Schicksal

„Es war ein Land, kalt weht der Wind über leeres Land…“, so beginnt ein Gedicht von Agnes Miegel zum Gedenken an ihre ostpreußische Heimat. Das Land an der Ostsee war nur eines jener vielen Heimatlandschaften, aus denen die Deutschen unmenschlich vertrieben wurden, „als dem fürchterlichsten Krieg der Geschichte der fürchterlichste Friede folgte.“ (Zitat: Time Magazine 1945).

Ein Kommentar von Dr. Karl Katary

15 Millionen Menschen haben durch Haß, Rache und skrupellose Machtpolitik anderer ihre Lebenswelt verloren, ungezählt sind jene Opfergeblieben, die dabei zu Tode kamen. Man schätzt ihre Zahl auf über zwei Millionen. Zwar stehen im Osten noch deutsche Dome, Schlösser, Rathäuser, aber sie sind längst mit fremden Farben bemalt.

Mit dem Abgang der Erlebnisgeneration ist das kulturelle Erbe eines Jahrtausends in Gefahr 

Bisher haben die verlorene Heimat, ihre Geschichte, ihre reiche Kultur in der Seele der Vertriebenen und ihrer Kinder weitergelebt. Aber jene, die das schreckliche Schicksal erlebt und erlitten haben, beenden allgemach ihren Lebensweg. Die Erlebnisgeneration tritt ab. Wer wird das Gedenken an die einst blühenden Landschaften, ihre Lebenswelt, an die unermeßlichen kulturellen und wirtschaftlichen Leistungen bewahren? Wird all dies im kollektiven Bewußtsein des deutschen Volkes weiterleben, oder wird die Erinnerung in staubigen Archiven verkommen? Diese Verarmung unserer Geschichte läßt die derzeit herrschende Klasse kalt, gelegentlich dienen Heimatgefühle pathologischen Selbsthassern zum Spott.

Heute droht uns eine „Zweite Vertreibung“!

Droht also die „Zweite Vertreibung“ der deutschen Opfer, diesmal aus der Geschichte? Darüber sinnen wir in diesem Heft nach. Dabei denken wir besonders an die Sudetendeutschen. Den kulturdeutschen Österreichern geht das Schicksal dieser Landsleute aus den Ländern der böhmischen Krone besonders nahe, war doch die Verflechtung beider Volksgruppen im Rahmen der Habsburgermonarchie eine besonders enge.

Ein oft vorgeschobenes Argument der Tschechen für die Vertreibung war die mangelnde Loyalität der Sudetendeutschen gegenüber dem tschechischen Staat. Aber darf ein Staat eine solche Loyalität von 3,2 Millionen Menschen erwarten, deren weitgehend geschlossenes Siedlungsgebiet er sich gegen den demokratischen Willen zum Teil mit Militärgewalt einverleibt hat?

Diese Menschen wollten bei der Republik Deutsch-Österreich bleiben und haben durch ihre frei gewähl- ten Abgeordneten das deutlich zum Ausdruck gebracht gebracht. Die folgende laufende und konsequente Unterdrückung durch die tschechischen Chauvinisten hat die Deutschen erst Hitler in die Arme getrieben.

Vertriebenenverbände sind weiterhin gefordert

Ob die „Zweite Vertreibung“ stattfinden wird oder nicht, wird auch von den Vertriebenenverbänden abhängen… Werden sie neben der gewiß löblichen Tätigkeit als Geselligkeits- und Folkloreverbände zu einer politischen Vertretung ihrer Anliegen zurückkehren? Werden sie die Schätze der verlorenen Heimat im Ge- dächtnis des Volkes erhalten können?