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Warum auch das „Binnen-I“ nicht „geschlechtergerecht“ ist!

Von Ernst Brandl

Liebe Alle und All-Innen!

Ist das nun geschlechtergerecht wenn „RadfahrerInnen“ mit einem „Herrenrad“ visualisiert werden?

Als Binnen-I (auch Majuskel-I oder Versalien-I) bezeichnet man in der deutschen Schriftsprache den Buchstaben „I“, wenn er innerhalb eines Wortes als Großbuchstabe zwischen Kleinbuchstaben geschrieben wird. Dieser Binnenmajuskel soll seit einigen Jahren in unserer Muttersprache bei Bezeichnungen von Personengruppen kenntlich machen, daß sowohl die weibliche als auch die männliche Form gemeint sei, ohne beide Genera (Grammatikalische Geschlechter) ausschreiben zu müssen. (Beispiel: „LehrerInnen“ statt „Lehrerinnen und Lehrer“). Soweit, so bemüht!

Diese „Binnen-I“ ist eine ganz besondere „Erfindung“

Dieses „Binnen-I“ hat ja eine durchaus interessante Geschichte. In Österreich gab es erstmals 1987 linguistische Empfehlungen zur sprachlichen Gleichbehandlung von Frauen und Männern. Seit den 1990er-Jahren wird das Binnen-I vermehrt vor allem in Bereichen der öffentlichen Verwaltung und der Universitäten verwendet. Das „Binnen-I“ soll im Deutschen wie andere Formen der geschlechtergerechten Schreibweise die Mitbetroffenheit von Frauen durch deren Miterwähnung sichtbar machen. Bei Anwendung allein des generischen Maskulinums rücken nämlich, so die „VerfechterInnen“ des „Binnen Is“, weibliche Personen im Bewußtsein der Leserschaft häufig in den Hintergrund.

Das „Binnen-I“ ist auch nicht geschlechtergerecht

Das „Binnen-I“ widerspricht aber einem einfachen Grundprinzip der deutschen Rechtschreibung, wonach es innerhalb eines Wortes (oder auch von Wortzusammensetzungen) keine Großbuchstaben gibt. Darum schreibt man z.B. auch „Fußgängerübergang“ und nicht FußgängerInnenübergang. Ein weiter Nachteil: Das „Binnen-I“ läßt sich in der Praxis eigentlich nicht aussprechen. Liest man nämlich ein mutmaßlich geschlechtergerechtes Kunstwort wie „FußgängerInnen“ oder „VerfechterInnen“, so richtet sich der Text phonetisch nur an Frauen.

Und selbst wer geschlechtergerecht willig und zungenakrobatisch geschult ist und die „FußgängerInnen“ (mit Lautpause vor dem Binnen I) auszusprechen imstande ist, der hat nach wie vor das Problem, daß bei der Aussprache die Männer weiterhin vor den Frauen stehen. Die „Ungerechtigkeit“ – und auch „Unhöflichkeit“ – daß bei „FußgängerInnen“ die männlichen Fußgänger noch immer zuerst genannt werden, die bleibt.

Der Zauber des generischen Maskulinums

In vielen Fällen stellt das generische Maskulinum die sinnvollste Ausdrucksweise im Deutschen dar. Beispielhaft hierfür sind etwa die Sätze „Mädchen sind die besseren Schüler“ oder „Bei uns ist der Kunde noch König.“ Jeder Versuch, die beiden Aussagen in geschlechtergerechte Sprache zu übersetzen, führt entweder zu Satzungetümen oder zu Tautologien. Das generische Maskulinum in unserer Muttersprache bietet hingegen Einfachheit und wahrlich „geschlechtergerechte“ Ausdrucksmöglichkeiten. Bsp.: „Sie ist unser bester Ingenieur.“ Hier wird deutlich, daß es weder einen weiblichen, noch einen männlichen Ingenieur gibt, der besser ist als die Angesprochene. Würde von einer Ingenieurin gesprochen, so wäre dies mißverständlich, da es die Möglichkeit eines fachlich besseren Ingenieurs – nämlich eines männlichen – offen ließe. Eine Doppelnennung und ein „Binnen-I“ kommen ebenfalls nicht in Betracht, da die Angesprochene nur ein natürliches Geschlecht haben kann! Das generische Maskulinum hat also seinen sinnvollen Zauber! Bestimmte Inhalte lassen sich auch ausschließlich unter Verwendung der generischen Form ausdrücken. Ein „Binnen-I“ würde nur Absurditäten erzeugen.

Ein weiteres Beispiel zur Dummdreistigkeit vom „Binnen-I“: Der Satz „Frauen sind die vernünftigeren AutofahrerInnen“ ergibt z.B. gar keinen Sinn, da ausnahmslos alle „AutofahrerInnen“ (also auch die männlichen) laut Satzaussage Frauen wären. Es muß daher heißen: „Frauen sind die vernünftigeren Autofahrer“.

Es gibt auch ein generisches Femininum

 Übrigens es gibt im Deutschen auch ein generisches Femininum. Das Hebammengesetz in Österreich schreibt die Berufsbezeichnung Hebamme auch für männliche Berufsausübende vor: Die Berufsbezeichnung Hebamme ist daher für beide Geschlechter geltend. „HebammInnen“ gibt es also nicht! Man kann die Hebamme also als generisch gebrauchtes Femininum auffassen. Wie heißt noch mal der Sinowatzsche Imperativ: „Es ist alles sehr kompliziert!“ Vor allem bei der geschlechtergerechten Sprachanwendung mit „Binnen-I“!

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