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Sonntag früh in Berlin

Von Jana Jung

Der Krach der Nacht ist vorüber, und dort wo sich sonst allerlei verwirrte Paraden tummeln, grün wählende Radfahrer lautstark für vegane Biorestaurants kämpfen und „Willkommenskultur“ auf bunten Schildern in die Höhe gehalten wird, ist es still und beschaulich. Das Brandenburger Tor steht am Sonntagmorgen geschichtsträchtig in der Berliner Stadtmitte und will nur kurze Zeit stolz sein, während die Bevölkerung noch schläft. Oder gerade gedenkt. Eines stummen Deutschlands.

Nur wenige Meter neben dem nationalen Wahrzeichen findet sich ein Wegweiser mit etlichen Schildern daran. Der eine Weg führt zum „Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen“, ein weiterer Pfeil zeigt in Richtung des „Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas“. Alles in praktischer Nähe gelegen, sodaß das schlechte Gewissen nicht weit wandern muß. Der deutsche Michel sollte gefälligst seinen Obolus leisten und gedenken. Ein weiteres Schild auf dem zeigefingererhebenden Wegweiser zeigt die Entfernung zum Reichstag an. Keine 100 Meter von den geschichtlich belastenden Denkmälern prangt stolz und hoch erhoben der Schriftzug „Dem deutschen Volke“.

Drei Worte, die bei der internationalen Linken zu Hyperventilation und Leichenblässe führen. Während „Dem“ als Artikel alleine für die unzähligen verschiedenen Geschlechter eine viel zu einengende Wirkung entfaltet, führt das nächste Wort „deutschen“ zu Hysterie. Es darf schließlich nicht sein, was nicht sein kann. Deutsch ist historisch belastet, darum sollte der „Deutsche“ gedenken und sich von seiner Geschichte lösen. Schwarz-rot-gold darf seinen Weg in die Welt nie wieder finden. Selbst bei Fußballspielen fordern junge Grüne ein Verbot der eigenen Flagge für Spieler und Anhänger. Deutsch ist alles, nur nicht gut. Mitteleuropäisch, westlich, offen oder bunt. Alles ist besser, nur nicht deutsch. Das letzte Wort versetzt dem panischen Gutmenschen dann schließlich den mentalen Todesstoß. „Volk“! Was einen kulturell und historisch abgegrenzten Begriff und eine Einheit bedeutet, läßt den Linken schließlich Gift und Galle spucken. Grenzen, Einheit und Kultur sind per se böse. Die Aufrechterhaltung der eigenen Bevölkerung eine Wahnvorstellung, die es zu zerstören gilt. Soziale Vielfältigkeit und Offenheit gegenüber jeder anderen Kultur, nur nicht der eigenen lautet die gar nicht so stille Devise.

Samuel P. Huntington, der Verfasser von „Kampf der Kulturen“, ist nun der Auffassung, daß die unterschiedlichen Kulturen von Natur aus in einem Antagonismus zueinander stünden[1]. Sie müssen einander seinen Erkenntnissen zu Folge grundsätzlich bekämpfen, um eine überlegene Leitkultur hervorzubringen und damit über andere Formen zu dominieren. Folgt man diesem Gedanken in die Gegenwart, hilft halb Mitteleuropa nun geradezu einer fremden Kultur, die eigene zu dominieren. Recht sollte Huntington auch von Caroll Quigley, einem bedeutenden US-Historiker und Berater des Außenministeriums unter Bill Clinton bekommen: „Die Zivilisation, zur Selbstverteidigung nicht mehr fähig, weil zur Selbstverteidigung nicht mehr bereit, ist weit offen für barbarische Eindringlinge, die häufig aus einer anderen, jüngeren, kraftvolleren Zivilisation kommen“[2].

Will man diese Zeichen als erfüllt betrachten, befinden wir uns in Europa an einem Punkt, der den Beginn des Untergangs unserer eigenen Kultur darstellt. Damit einher gehe aber interessanterweise laut Oswald Spengler nicht der vollständige Untergang, sondern vielmehr der Kulturverlust durch das Vermischen mit anderen Zivilisationen wie etwa der muslimischen, was nicht weniger tragisch sei. Daraus entsteht aber keineswegs eine neue homogene Struktur, sondern eine Mischform an Kulturmerkmalen, die allerdings das Potential für neue Bruchlinienkonflikte bergen, wie wir sie heute täglich erleben. Verkauft werden diese Konflikte als Einzelfälle. Warum es für einen angeblich einmaligen Vorfall überhaupt eine Mehrzahl gibt? Vor lauter Gedenken und sich in Reue über längst vergangene Zeiten zu üben, wird das Denken vergessen.

„Dem deutschen Volke“, nur 100 Meter neben dem Befehl demütig niederzuknien. Das Denken wird dem Deutschen dabei abgenommen. Einfach der Beschilderung folgen, Reue zeigen, Abbitte leisten und weitermachen. Weitermachen in einem Beruf, der für die wenigen Kinder zu wenig Einkommen bedeutet, während unzählige Zuwanderer unbegrenzte Sozialleistungen ohne Gegenleistung erhalten. Weitermachen im Erkämpfen von Frauenrechten, die systematisch in einer Silvesternacht von tausenden Zuwanderern zunichte gemacht werden. Weitermachen in der Aufrechterhaltung des Gesundheitssystems, während in einem Erste-Welt-Land Krebspatienten durch finanzielle Engpässe keine ausreichende Behandlung erfahren. Und wo die Justiz schweigt, wenn junge Mädchen im Pflichtschulalter laufend sexuell von Afrikanern belästigt werden. Das alles sollte „dem deutschen Volke“ auferlegt werden, und das alles sollte es stumm ertragen, während der Pflicht nachgekommen wird, einer Zeit zu gedenken, die die meisten Wähler nur noch aus dem Geschichtsbuch kennen. Sonntagmorgen in Berlin. Der Deutsche träumt noch immer den Schlaf der (Un)Gerechten. Deutscher Michel, wach auf, daß man im Schlaf dich nicht verkauft!

[1] Huntington, Kampf der Kulturen, S. 144, 168

[2] Quigley, Evolution of Civilizations, S. 138

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