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Richard Wagners schwieriger Anfang

Von Alexander Blechinger

2013-04-09 13.26.23Vor 200 Jahren wurde am 22. Mai 1813 in Leipzig Richard Wagner als Sohn eines Polizeibeamten geboren.

Zu der Zeit versuchte Napoleon, nach dem gescheiterten Rußlandfeldzug Preußen einzunehmen in der drei Tage dauernden Völkerschlacht nahe Leipzig.

Napoleon wurde abgedrängt, und danach brach in der Stadt wegen des durch Leichen verseuchten Wassers eine Typhusepidemie aus, der auch Wagners Vater zum Opfer fiel.

Wagners Mutter war aber nicht allein mit ihren neun Kindern, stand ihr doch ein enger Freund hilfreich zur Seite: Ludwig Geyer, seines Zeichens Maler und Schauspieler und schon seit Jahren bei ihnen wohnend, übernahm nun erfolgreich die Vaterrolle. Geyer war dem lebendigen Richard mit den blauen Augen und dem etwas zu großen Kopf  sehr zugetan und wollte ihn fördern, fand aber keine besondere Begabung: Nachdem Richard auch für’s Zeichnen unbegabt schien, gab er seine Bemühungen auf. Erst auf seinem Totenbett erkannte er – Richard sollte zu seiner Aufmunterung, von seiner Mutter dazu angehalten, etwas für den Todkranken spielen – Wagners Begabung und rief aus: „Sollte er etwa Talent zur Musik haben?“

Es folgen Jahre der Reisen und häufigen Umzüge. In Dresden zur Schule gehend, zieht  ihn die Theaterwelt magisch an, interessiert ihn ein einziges Fach: die griechische Mythologie. Das Reimen liegt ihm: Sein Gedicht zum Andenken eines verstorbenen Schulkameraden wird sogar veröffentlicht.

1830 wieder in Leipzig, meldet er sich – überheblich, weil unüblich- beim Rektor persönlich zum Studium an und genießt das ausufernde Studentenleben bis zum Exzeß. So ausgetobt, beginnt er 1831 ernsthaft mit dem Tonsatzstudium bei dem damaligen Thomaskantor Theodor Weinlig. Bald darauf komponiert er eine Klaviersonate, drei Orchesterouvertüren und seine Symphonie in C-Dur, die alle erfolgreich aufgeführt werden.

1832 besucht er Wien und ist begeisterter Konzertbesucher: „Unvergessen blieb mir die an Raserei grenzende Begeisterung des wunderlichen Johann Strauß (Vater)“

1833 besorgt ihm sein Bruder Albert den Posten eines Chordirektors in Würzburg, von dort  erhält er 1834 seine erste Kapellmeisterstelle in Bad Lauchstädt, einem verschlafenen Kurort bei Magdeburg, wo dessen Schauspieltruppe während der Sommermonate auftritt. Wagner hat das doch gute Orchester bald im Griff und feiert erste Triumphe als Dirigent, indem er wie Strauß in Wien „feurige Ouvertüren …gegen das Ende gewöhnlich in unerhört schnellem Tempo spielen ließ“. Und er lernt seine erste „Liebschaft“  und Ehefrau, die Schauspielerin Minna Planer kennen. Die Ehe ist turbulent: Minna gewinnt durch ihre Auftritte viele Verehrer, Richard ist schrecklich eifersüchtig. Er wiederum führt ein luxuriöses Leben, was ihr zu schaffen macht. So flieht sie von ihm und den Gläubigern, dann wieder versöhnen sie sich. Die Aufführungen seiner ersten Opern sind nicht erfolgreich: Die erste Oper „Die Feen“ ,1833 komponiert, wird gar nicht zu seinen Lebzeiten aufgeführt. Das Grundthema der Oper, durch absolutes Vertrauen zur Geliebten wird der Held erlöst, ist, was ihn auch bei anderen Opern wie Lohengrin und wohl auch in seinem privaten Leben beschäftigt hat. Obwohl Wagner die Partitur König Ludwig dem II. von Bayern schenkt, findet die Uraufführung erst 1888 nach seinem Tod statt, doch der erste Kontakt zum späteren Gönner ist getan.

Das „Liebesverbot“, der Entwurf 1834 auf einer Reise nach Böhmen skizziert, folgt Shakespeares „Maß für Maß“, den Grundton gibt u.a. aber Heinrich Laubes „Das junge Europa“ (1833), eine Programmschrift der sogenannten Jungdeutschen voller liberaler und demokratischer Ideen. 1836 ist die Oper fertig, und obwohl die Magdeburger Theatertruppe schon bankrott ist, wird eilig einstudiert, und trotzt Wagner den Behörden die Uraufführung am 29. März 1836 während der Karwoche ab. Nach einer zweiten Vorstellung voller Patzer ist dann aber Schluß. Trotz der Orientierung an der französischen Musik und ihren Vertretern Berlioz und Meyerbeer gibt es bereits eines von Wagners Hauptthemen: den Konflikt zwischen Macht und Liebe, weiters zum ersten Mal charakteristische Erinnerungsmotive für bestimmte Personen und Orte: die Keimzelle seiner legendären Leitmotivtechnik. Wagner wollte mit dieser Oper gegen die herrschenden Strukturen revoltieren: Das allgemeine Liebesverbot wird ja für den Karneval ausgesprochen, wogegen dann natürlich revoltiert wird!

Nach zwei Jahren in Riga flieht Wagner aus finanziellen Gründen von dort und will nun Paris erobern. Dorthin muß er mangels Passes, welcher einbehalten wurde, auf Schleichwegen reisen und nimmt so den billigeren Seeweg. Wegen stürmischer See dauert die eigentlich achttägige Fahrt an die drei Wochen, und hier bekommt er die ersten Anregungen für seinen „Fliegenden Holländer“. Paris wird kein Erfolg, sondern eine Stätte des Selbstzweifels und Hungerns, doch die Oper, die er dort am 19. November 1840 abgeschlossen hat, sollte sein erster großer Erfolg werden: „Rienzi, der Letzte der Tribunen“.

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Info:
Richard Wagners schwieriger Anfang ist Beitrag Nr. 1171
Autor:
huettner am 22. Mai 2013 um 05:48
Category:
Feuilleton
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