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2. Mai 2016

Vom „Blutsonntag“ zum „Alltagsfaschismus“? Gedanken vor einer bedrückenden Wahl in Bozen

Von Reynke de Vos

Italienisches Militär beim Absperren des Bozner Obstmarktes nach dem faschistischen Überfall am 24. April 1921

Italienisches Militär beim Absperren des Bozner Obstmarktes nach dem faschistischen Überfall am 24. April 1921

Tiroler diesseits und jenseits des Brenners, die noch einen Funken Heimat- und Vaterlandsliebe im Leibe tragen sowie über ein gerüttelt Maß Geschichtsbewußtsein verfügen, gedenken in diesen Tagen eines Ereignisses vor 95 Jahren, welches als Inauguration des Faschismus in jener Nordprovinz Italiens gilt, welche es als Belohnung für seinen Seitenwechsel 1915, mithin als Kriegsbeute 1919 in St. Germain-en-Laye erhielt. Am 24. April 1921 wurde der Lehrer Franz Innerhofer in Bozen vom Schläger eines Kommandos der „fasci di combattimento“ Benito Mussolinis ermordet. Innerhofer hatte mit der Musikkapelle aus Marling bei Meran am Trachtenumzug anläßlich der ersten Bozner Nachkriegsmustermesse teilgenommen. Unter den Umzug hatten sich einige der zu einer „Strafexpedition gegen diese Manifestation des Deutschtums“ ausgerückten und in der Provinzhauptstadt versammelten 500 faschistischen Schläger (120 aus Bozen, 380 aus Trient, Brescia und Verona) gemischt und zwischen Waltherplatz und Obstmarkt ein Blutbad angerichtet. Infolge von Schüssen und Handgranatendetonationen waren annähernd fünfzig Personen schwer verletzt worden. Der Vorfall ist als „Bozner Blutsonntag“ in die Annalen eingegangen.

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22. April 2016

Vor siebzig Jahren begann die Vertreibung der Ungarndeutschen

Viktor Orbán „Geschwür im Körper der Nation“

Von Reynke de Vos

Man schreibt den 19. Januar 1946. In dem von sechs Hundertschaften Polizei umstellten Budaörs, einem Budapester Vorort mit deutschem Ortsnamen Wudersch, werden die „Schwaben“ aus den Betten geholt. Nur das Allernötigste dürfen sie zusammenklauben, bevor sie zum Gemeindeamt getrieben werden, wo man ihre Namen mit auf Listen rubrizierten vergleicht. Weiter geht’s zum Bahnhof. In bereitstehenden Viehwaggons verlassen 1058 Bewohner die Ortschaft; am 30. Januar kommen sie in Aalen, 80 Kilometer östlich von Stuttgart, an. Ein zweiter Transport mit 1054 Menschen erreicht am 1. Februar Göppingen. So geht es Schlag auf Schlag: Binnen fünf Wochen sehen sich 6753 Wuderscher wie Vieh nach Württemberg und Baden verfrachtet.

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13. April 2016

Achtung Sprachpolizei!

Eckart Handbuch-Gendermainstream-gr.Bild 1Von Ernst Brandl

Die Entfremdung von der Heimat beginnt bei der Veränderung der Sprache

 Journalisten arbeiten jeden Tag mit ihrem Handwerkszeug, der Sprache. Berichte sollten möglichst wertfrei, korrekt und präzise die Sachverhalte wiedergeben. Ebenso „korrekt“ soll heutzutage auch die Sprache selbst sein. Man glaubt es kaum – mittlerweile gibt es für die Mediengestalter auch schon Formulierungshilfen für die korrekte sprachliche Berichterstattung.

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7. April 2016

Europäische Visionen: AfD auf Kurs FPÖ

Politik_AFD-FPÖVon Eugen Hein

„Ich freue mich durchaus, heute diese Einladung nach Düsseldorf erhalten zu haben, weil das ein historischer Akt ist“, eröffnete FPÖ-Obmann H.C. Strache seine Rede in Düsseldorf. Warum das Pathos? Auch wenn es aus demokratischer Sicht selbstverständlich sein sollte, daß jede Partei mit jeder anderen Partei über politische Themen reden sollte, so sorgt doch gerade der neue Kuschelkurs der Alternative für Deutschland (AfD) für einige Überraschung: Der Auftritt von Strache auf dem AfD-Kongreß „Europäische Visionen – Visionen für Europa“ Mitte Februar in Düsseldorf ist nämlich keine Selbstverständlichkeit. Bis jetzt!? „Viele gemeinsame Schnittstellen, viele gemeinsame Inhalte“ sieht Strache zwischen FPÖ und AfD. Und endlich hat die AfD mit Frauke Petry eine Führung, die das nicht nur erkennt, sondern auch danach handelt.

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Max Weber über legitime Herrschaft

Max_Weber_1907Von Georg Immanuel Nagel

In seinem Essay „Die drei reinen Typen der legitimen Herrschaft“ analysierte der Soziologe und Philosoph Max Weber, welche Arten von Herrschaft vom Volk anerkannt würden und wie sie sich hinsichtlich ihrer „Legitimität“ begründeten.

Als Herrschaft betrachtet Weber „die Chance, Gehorsam für einen bestimmten Befehl zu finden“. Dies kann freilich auch nur auf Grund „zweckrationaler Erwägungen“, sprich wegen eines sich davon erhofften persönlichen Vorteils erfolgen, sowie lediglich auf Grund von „Sitte“, also „dumpfer Gewöhnung an das eingelebte Handeln“ oder der reinen „persönlichen Neigung“ des Beherrschten. Wenn ausschließlich solche Gründe eine Herrschaft stützen, ist sie normalerweise sehr labil.

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1. April 2016

Viktor Orbáns Rede am Gedenktag der Verschleppung und Vertreibung der Ungarndeutschen

Meine sehr geehrten Damen und Herren!

kranzniederlegung-354x266…  Vor siebzig Jahren, am 19. Januar 1946, verließ Ungarn der erste Eisenbahnzug, der unsere vertriebenen deutschen Landsleute nach Deutschland transportierte. Allein am 19. Januar, an einem einzigen Tag, nahm man tausend Menschen mit. Bis Anfang Februar war Wudersch bereits vollkommen leer, und bald ereilte landesweit hunderte von Siedlungen, in denen Schwaben – wie man die Ungarndeutschen in Ungarn nannte – lebten, ein ähnliches Schicksal. Die offizielle Bezeichnung lautete Aussiedelung, doch dieses Wort hatte mit der Wahrheit nichts zu tun. Was Aussiedelung genannt wurde, bedeute die Ausplünderung und die Vertreibung der ungarischen Schwaben. Sie wurden ihrer Häuser und sie wurden ihrer Heimat beraubt. Von ihrem früheren Leben durften sie in die niedergebombten Städte Deutschlands so viel mitnehmen, wie in ein Bündel von 50 Kilogramm hineinpaßte. Und nicht nur jene mußten ihr Zuhause verlassen, die während des Weltkriegs in die deutsche Armee rekrutiert worden waren. Um auf die Liste zu kommen, reichte es aus, wenn jemand sich selbst als Person deutscher Nationalität bezeichnete oder sich zwar als Ungar bekannte, aber das Deutsche seine Muttersprache war, und es reichte auch aus, wenn man über ihn wußte, daß er Ungarn so sehr liebte, daß er niemals die kommunistische Partei wählen würde.

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Medien und Wahrheit: Der Verlust des Weltwissens

Von Felix Menzel

Von Jahr zu Jahr sinkt das Vertrauen in die Medien, und die Auflagen der großen Blätter befinden sich im Sturzflug. Tausende Menschen gehen auf die Straße und brüllen „Lügenpresse“. Dennoch greift es zu kurz, nur den fehlenden Wahrheitsgehalt vieler Berichte zu kritisieren. Das eigentliche Problem der Massenmedien liegt viel tiefer: Sie konzentrieren sich auf Informationshäppchen und sind nicht mehr in der Lage, ein umfassendes Weltwissen zu vermitteln.

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23. Dezember 2015

Literaturgeschichte versus Politik?

Von Reynke de Vos

Ein Denkmal im Widerstreit nationalitätenpolitischer Interessen

Nicht allein Bücher haben ihre Geschichte. In Bozen rückt ein Denkmal wieder einmal in den Mittelpunkt politischen Interesses, der seit seiner künstlerischen Gestaltung vor 110 Jahren die Geister schied und häufig Gegenstand erbitterter Auseinandersetzungen, aber auch großer Fürsorge um die Wiedereinsetzung in seinen Rang als kulturhistorisches Zeugnis gewesen ist. Es handelt sich um den Laurin-Brunnen auf dem zentralen, nach dem 2010 verstorbenen langjährigen Südtiroler Landeshauptmann Silvius Magnago benannten Landhausplatz. Dort war er 1996, drei Jahre nach der im Rahmen eines Tauschgeschäfts vereinbarten Rückgabe durch das Roveretaner Kriegsmuseum aufgestellt worden.

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11. November 2015

Wer soll Deutschland regieren?

Von Felix Menzel

Zum Tag der Deutschen Einheit wandte sich Bundespräsident Joachim Gauck an das Volk und erklärte ihm, der Ansturm von Asylbewerbern sei eine große Herausforderung, die Generationen von Menschen beschäftigen werde. Es sei nämlich nun die Aufgabe der Deutschen, dafür zu sorgen, daß „zusammenwachsen“ könne, „was bisher nicht zusammengehörte“. Kanzlerin Angela Merkel unterstrich dies, indem sie ihr „Wir schaffen das“ in einer neuen Variante betonte, obwohl ihr niemand mehr glaubt, nachdem im September schätzungsweise fast 300.000 Asylbewerber die deutsche Grenze unter chaotischsten Zuständen überquerten.

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Tricks der Medienmanipulatoren

Anleitung für propagandistische Medienmacher

Von Hermann Lei

 Vor über einem Vierteljahrhundert erschien in der „Schweizerzeit“ eine Schrift des legendären Fritz Schäuffele mit dem Titel „Manual für Medien-Manipulatoren“. Mit spitzer Feder skizzierte Schäuffele die Mechanismen der Manipulation der schon damals hauptsächlich linken Medienschaffenden.

Mein Beitrag will Schäuffeles Werk weder verbessern, noch gar übertreffen, im Gegenteil, er ist viel weniger umfassend. Aber vielleicht dennoch interessant: Sämtliche Begriffe stammen aus Zeitungen oder Fernsehbeiträgen aus jüngster Zeit in der Schweiz.

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