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Identitärer Aufbruch

Von Felix Menzel

logo ibIn den letzten Monaten hat sich viel getan im konservativen und patriotischen Spektrum. Die Identitäre Bewegung mischt die Szene ordentlich auf und sorgt für frischen Wind. Dabei ist das alles so einfach: Man nehme ein erfrischend neues Symbol – das griechische Lambda, das die Spartaner bereits benutzten. Es ist einprägsam, massentauglich und schnell mit Kreide auf den Schulhof gemalt. Darüber hinaus braucht es eine Handvoll Aktivisten, die mit Flashmobs, Hardbass-Aktionen und Provokationen wie einer Moscheebesetzung im französischen Poitiers für Wirbel sorgen. Der Rest funktioniert quasi von allein, denn in den sozialen Netzwerken des Internets finden sich immer genug Stubenhocker, die eine Idee virtuell unterstützen, obwohl sie zu deren Umsetzung nicht den Mut haben. So kommt es, daß die identitäre „Kriegserklärung an den Multikulturalismus“ binnen kurzer Zeit 90.000 mal auf dem Videoportal YouTube angesehen und in zehn Sprachen übersetzt wurde.

An diesem Punkt steht die Identitäre Bewegung also: Sie hat in einigen Ländern Europas in wenigen Monaten zumindest virtuell tausende Anhänger gesammelt und durch zwei, drei spektakuläre Aktionen eine Euphorie im rechtskonservativen Lager ausgelöst, die es so seit Jahren nicht gegeben hat. Dennoch ist die Bewegung weit entfernt von dem von ihr ausgerufenen „Goldenen Zeitalter“. Das liegt insbesondere daran, daß auch an ihr das unvorteilhafte Etikett „rechts = rechtsextrem“ klebt. Zwar hat die Bewegung gleich in ihrer ersten Lagebestimmung „100 % Identität, 0 % Rassismus“ postuliert, aber das interessiert die Medien nicht. Das ZDF hat die Identitären jüngst in eine Reihe mit stumpfen Glatzköpfen und NPD-Anhängern gestellt. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel betont, die Identitären würden auf „Krawall, NS-Anleihen und Fascho-Ästhetik“ setzen und DIE ZEIT treibt es auf die Spitze, indem sie die Distanzierung von Rassismus umdreht und meint, identitär sei „das neue Modewort der Rassisten“.

Wenn sich als Reaktion auf diese Diffamierungen von Seiten der Medien nun ein Trotz der jungen Identitären entwickelt, können die Schmähungen jedoch sogar von Vorteil gewesen sein. Das Schlimmste ist es, in unserer heutigen Mediengesellschaft überhaupt nicht beachtet zu werden. Es gilt daher: besser gehaßt, als übersehen werden! Bekannt ist sie also schon einmal, die aufstrebende Identitäre Bewegung.

Was muß nun folgen? Bisher fehlt den Identitären eine Führungspersönlichkeit, ein Gesicht, das man mit der Bewegung verbindet. Die Identitäre Bewegung hat viel Potential, weil sie die erste Gruppierung sein könnte, die eine überparteiliche, europaweite Vereinigung konservativer, islamkritischer und patriotischer Kräfte bewirken kann. Voraussetzung dafür ist aber, daß in den einzelnen Ländern authentische Persönlichkeiten die Sache in die Hand nehmen. Identitär zu sein, darf nicht nur bedeuten, sich „den Erhalt unserer ethnokulturellen Identität“ auf die Fahnen zu schreiben. Das haben schon genug Gruppierungen vor den Identitären getan. Was im rechtskonservativen Lager fehlt, sind mutige junge Aktionisten, die mit dieser Forderung hinausgehen und die Menschen überzeugen. Das ist die große Lücke, die beseitigt werden muß.

Vor gut 200 Jahren haben sich Burschenschafter auf den Weg gemacht, die Probleme ihrer Zeit mit den Idealen „Ehre, Freiheit, Vaterland“ anzugehen. Vor 100 Jahren waren es dann die Wandervögel, die mit dem Hohen Meißner-Treffen ein deutliches Zeichen gegen die rationalistische Lebensweise im industriellen Zeitalter setzten. Nun könnten die Identitären die nächste Jugendbewegung sein. Das Besondere an ihr: Junge Menschen aus vielen verschiedenen europäischen Nationen sammeln sich hinter einem Symbol und einer Idee. Folgerichtig heißt es auch in den Grundsätzen des deutschen Ablegers: „Unser Weg führt nach Europa!“.  Man habe von der „Zugluft der Globalisierung“ genug und wolle wieder an den Aufbau „organischer Gemeinschaften“ gehen.

Dabei denken die Identitären an mehrere Ebenen: „Wir wollen ein Europa der Vaterländer, der Regionen und Nationen, indem diese sich, unter Bewahrung aller Verschiedenheiten, zu einer höheren Einheit zusammenfinden.“ Bei den europäischen Bürgerkriegen des 20. Jahrhunderts habe es keinen „echten Sieger“ gegeben. Letztendlich seien die Probleme in ganz Europa ähnlich. Es habe deshalb keinen Sinn, alte Erbfeindschaften zu pflegen, wie es die Alte Rechte seit Jahrzehnten vormache. „Wir wollen das geeinte Europa! Allerdings nicht an den Völkern vorbei, als zentralistischer Superstaat. Nicht als bürokratische, kosmopolitische Wirtschaftsgemeinschaft, die endlos und ohne Rücksicht auf Kultur expandieren will“, betonen die Identitären.

Vor kurzem überklebten in Wien einige Aktionisten die Ortseingangsschilder mit dem Schriftzug „Istanbul?“. Dies sind wirkungsvolle kleine Nadelstiche, die dem Otto Normalbürger auffallen. Dennoch reicht es nicht, sich auf Überfremdung und Islamisierung als Hauptthemen zu konzentrieren. Identitär zu sein, wird erst unverwechselbar, wenn sich daraus ein ganzheitlicher Lebensentwurf entwickelt. Der Identitäre muß seinen Konsum hinterfragen, er muß sich per Selbstbefehl einen abendländischen Bildungsauftrag geben, Umwelt- und Heimatbewußtsein in Einklang bringen und seinen Mitmenschen im Alltag Vorbild sein.

Identitäre bei einer spontanen Aktion Ende Oktober 2012, wo sie die Eröffnung der "Interkulturellen Wochen" in Frankfurt/Main bereicherten

Identitäre bei einer spontanen Aktion Ende Oktober 2012, wo sie die Eröffnung der „Interkulturellen Wochen“ in Frankfurt/Main bereicherten

In der „Kriegserklärung an den Multikulturalismus“ der französischen Identitären sagt eine junge Frau: „Wir haben entdeckt, daß wir Wurzeln und Vorfahren haben und damit auch eine Zukunft!“ Ein junger Mann betont kurze Zeit später: „Wir haben den Fernseher ausgeschaltet, um wieder auf die Straße zu gehen.“ Direkt danach betont ein weiterer Aktivist: „Wir haben unsere Parolen an die Wände gemalt. Wir ließen Jugend an die Macht aus unseren Megaphonen erschallen und unsere Lambda-Fahnen steil im Wind wehen.“ Hier spricht eine Generation, die eine ungewisse Zukunft hat. Gerade in den südeuropäischen Staaten nimmt der materielle Leidensdruck zu. Erst wenn dieser eine gewisse Schwelle überschritten hat, scheint es realistisch zu sein, daß die Jugend Gesicht zeigt und Farbe bekennt. Die französischen Identitären haben wenig zu verlieren. Für sie geht es ans Eingemachte.

In Deutschland hingegen brodeln die Probleme unter der Oberfläche. Der Jugend geht es materiell gut ,und aufgrund der desaströsen demographischen Entwicklung ist auch für jeden ein Arbeitsplatz übrig. Vielleicht ist aber gerade dieser scheinbare Wohlstand die Gefahr. Wer ein ruhiges Biedermeierleben führen kann, widersteht dem aus Bequemlichkeit wohl kaum. Nur wenn der Mensch seinen Kopf aus dem Fenster strecken muß, macht er es auch. Politischer Aktivismus entsteht nicht im luftleeren Raum. Noch ist also fraglich, ob die Deutschen genug Leidensdruck haben, um gegen die multikulturelle Lebenslüge aktiv etwas zu unternehmen. Im Kriegserklärungsvideo sagt ein Franzose selbstbewußt auf die rhetorisch gestellte Frage, was denn das Lambda bedeute: „Es bedeutet, daß wir nicht zurückweichen und nicht aufgeben.“ Genau darum geht es!

Lesen Sie dazu auch einen Kommentar von Jan Ackermeier „Neuer Ansatz mit Distanzierung

 

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