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Hugo Wolf – der „große Slowene“

Eine Glosse von Karl Katary

Marburg a. d. Drau/Maribor ist 2012 eine der Kulturhauptstädte Europas. Man bemüht sich wacker, die daraus entstehenden Chancen zu nützen. Daß dabei mit einer Ausstellung des bedeutenden deutschen Tonsetzers Hugo Wolf gedacht wird, ist durchaus rühmlich.

Der Komponist wurde 1860 im damaligen Windischgrätz (heute Slovenj Hradec) in der Untersteiermark geboren, also im heutigen Staatsgebiet der Republik Slowenien. Das kleine Städtchen war ebenso wie Marburg/Maribor zu 80% von Deutschen bewohnt. 150 Jahre später allerdings sind es nach Unterdrückung, Mord und Vertreibung nur noch wenige.

Unklar ist, ob die Slowenen Hugo Wolf als einen der ihren akquirieren, so wie die Ungarn mit dem Liszt Ferenc oder die Polen mit dem Kopernik Mikolaj ihre Kulturbilanz auffetten. Vielleicht halten sich ja unsere südlichen Nachbarn aus einem unnützen Streit heraus, bei dem sie schlechte Karten hätten.

Rein rechtlich ist nichts zu machen: Als Wolf zur Welt kam, waren die Untersteiermark, das Herzogtum Steiermark und das Kaisertum Österreich Bestandteile des Deutschen Bundes. Seine bekannteste Beziehung zur slowenischen Sprache war das „Ungenügend“, das er in diesem Fach erhielt. Wolf war nur im deutschen Kulturraum vor allem in Wien tätig, vertonte fast ausschließlich deutsche Dichter wie Goethe, Heine, Mörike, Eichendorff oder Rückert. Und als er sich fremden Kulturkreisen zuwandte, schrieb er kein Slowenisches Liederbuch, sondern ein Spanisches oder Italienisches. Übrigens auch diese nach deutschen Texten.

Ein großer Künstler gehört der ganzen Welt – sagt man, aber gerade deshalb sollte er nicht mit falschen Legenden oder Lügen umwoben werden.

Was aber bewegt österreichische Gutmenschen dazu, vom „Slowenischen Komponisten“ Hugo Wolf zu schreiben, wie dies der eifrige Chefredakteur des Kuriers Michael Horowitz getan hat? Vielleicht ist er von absoluter Unwissenheit angekränkelt, immerhin hat es zu Lebzeiten des Komponisten weder ein Jugoslawien noch ein Slowenien gegeben. Ob die Vorfahren des Komponisten viele Generationen zuvor auch slowenische Namen gehabt haben bewegt sich im Reich der Phantasie. Und wenn schon: Durch eine allfällige Umbenennung haben sie sich wohl eindeutig zur deutschen Sprache und Kultur bekannt. Aber vielleicht wissen der Herr Horowitz und seine Mitstreiter ja gar nicht, wovon sie reden. Dann sollen solche Bemerkungen dem großen Betroffenheits- und Reuegemälde einen ebenso falschen wie unnötigen Pinselstrich hinzufügen.

 

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