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Gemüse in der Muttersprache

Von Werner Pfannhauser

 Tomaten.

Lange als Liebesapfel oder Goldapfel (daher der italienische Name „pomodoro“) bezeichnet, erhielt sie ihren heute gebräuchlichen Namen „Tomate“ erst im 19. Jahrhundert. Dieser leitet sich von xitomatl ab, dem Wort für diese Frucht in der Aztekensprache Nahuatl.

Die deutsche Bezeichnung Paradeiser von Paradiesapfel leitet sich von den mittelalterlichen Paradiesbildern mit dem Apfel ab. Die Bezeichnung Paradeiser ist die amtliche Bezeichnung in Österreich und wird von der EU auch als spezifisch österreichisch anerkannt.

Das Bild des „Paradiesapfels“ zeichnet eine Frucht, die mit dem Fremdwort „Tomate“ sprachlich unzulänglich beschrieben wird. Wer die deutsche Muttersprache liebt, sagt immer Paradeiser.

Karfiol

Die Bezeichnung stammt aus dem italienischen „cavolfiori“ (Kohlblüte) und ist im südddeutschen Sprachraum aufgrund der politischen und kulturellen Nachbarschaft verbreitet.

Sehr oft wird „Blumenkohl“ deutsch und damit sprachlich richtig verwendet. Auch das Bild der „Blume des Kohls“ ist sprachlich erkennbar und schön.

Auberginen

werden im süddeutschen Sprachraum oft als Melanzani bezeichnet. Deutsch heißen sie ob ihres Aussehens Eierfrüchte.

Die Bezeichnung Auberginen stammt aus Frankreich, Melanzani ist die italienische Bezeichnung. Entsprechend dem Deutschen heißt die Aubergine in der englischen Sprache „egg plant“.

Zucchini

Die Tatsache, daß die Zucchinis, gurkenähnliche Pflanzen, eine Unterart des Gartenkürbisses sind, zeigt sich auch im Namen: Im Italienischen ([dzukˈkiːni]) sind das Maskulinum singularis zucchino bzw. das Femininum zucchina die Verkleinerungsformen von zucca „Kürbis“, bedeuten also so viel wie „kleiner Kürbis“. Die deutschschweizerische Bezeichnung Zucchetto bzw. Zucchetti (Plural) kommt aus dem norditalienischen bzw. venedischen Dialekt und bezeichnet ebenfalls die kleine Form von zucca. Französisch heißt ein Zucchino courgette, niederländisch und englisch ebenfalls; amerikanisch jedoch zucchini und spanisch calabacín, portugiesisch abobrinha.

Die deutsche Form Zucchini ist also ursprünglich der Plural des italienischen zucchino. Eine geläufige deutsche Bezeichnung für Zucchini gibt es nicht. Verwendet wird gelegentlich Gurkenkürbis und Gemüsekürbis. Ein guter Hinweis, wie unser Gemüse deutsch richtig bezeichnet werden könnte.

Kartoffeln

Die Kartoffel (Solanum tuberosum), in Teilen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz auch als Erdapfel (Herdöpfel) oder Grundbirne (Grumbeer) und im restlichen deutschsprachigen Raum unter verschiedenen Regionalnamen bekannt.

Das Wort Kartoffel leitet sich von tartufolo ab, dem italienischen Wort für Trüffel, das wiederum abgeleitet ist von lateinisch terrae tuber („Erdknolle“). Die nur entfernt verwandte Süßkartoffel (Ipomoea batatas) bekam ihren Namen wegen der ähnlichen Verwendung und des ähnlichen Aussehens der Knollen.

„Erdapfel“ ist eine bildliche Darstellung für die weitverbreitete Knolle und damit sprachlich zu bevorzugen.

Kren

Was in Österreich und Bayern der „Kren“ ist, nennt man ansonsten in Deutschland „Meerrettich“. Die Wurzeln der Armoracia rusticana enthalten scharf schmeckende Senföle und werden zum Würzen verwendet.

Das Wort „Kren“ stammt von tschechisch kren (= Wurzel, Krenwurzel) ab. „Seinen Kren zu etwas geben“ heißt, „sich in etwas ungebeten einzumischen, zu etwas überflüssigerweise seine (oft nicht maßgebliche) Meinung zu äußern“. In Deutschland sagt man stattdessen „seinen Senf zu etwas (zu allem) geben“.

In der Wiener Mundart bedeutet „ein Kren sein“ oder „der Kren sein“ soviel wie „ausgenützt werden, zahlen müssen“. Wenn jemand „nur zum Krenreiben ist“, so ist er „zu keiner bedeutenden Arbeit zu gebrauchen“. Außerdem kennt man in Wien die Redensart „sich einen Kren geben“ – dies bedeutet „sich wichtig machen“.

„Meerrettich“ ist im Althochdeutschen als mer-râtih belegt – es handelt sich entweder um den Rettich, der übers Meer zu uns gekommen ist, oder um den Rettich der Mähre, d. h. den Pferderettich (vgl. englisch horseradish). Weniger wertvolle Pflanzen werden oft mit Tiernamen kombiniert, z. B. „Hundsveilchen“, „Roßminze“ etc. „Rettich“ leitet sich von lateinisch radix (= Wurzel) ab.

 

Zum Autor 
O.Univ.Prof. Dr. Werner Pfannhauser ist Lebensmittelchemiker, war Vorstand des Instituts für Lebensmittelchemie und –technologie an der TU Graz, war Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung und Vorsitzender der AG Lebensmittelchemie in der Gesellschaft Österreichischer Chemiker. Er ist Obmann der INTERESSENGEMEINSCHAFT MUTTERSPRACHE in Graz.

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