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Ein Leben für Süd-Tirol

Von Andreas Raffeiner

Geschichte_magnaAm 5. Februar dieses Jahres wäre der langjährige Süd-Tiroler Landeshauptmann und SVP-Obmann Silvius Magnago 100 Jahre alt geworden. Die heutige Ausgabe des „Eckart“ versucht, das lange und schaffensreiche Leben grob zu skizzieren und in einige Etappen zu unterteilen.

1914-1940: Kindheit, Jugend und Studienzeit

Silvius Magnago erblickte im Jahr 1914 als Sohn des aus Rovereit (Welschtirol) stammenden k.k. Oberlandesgerichtsrates Silvius Magnago und dessen Gattin Helene Redler in der Passerstadt Meran das Licht der Welt. Von 1920 bis 1923 besuchte er die deutschsprachige Grundschule. Bedingt durch die politischen Umwälzungen in Italien mußte er in die italienische Regina Elena-Schule wechseln, obwohl er kein Wort Italienisch sprach. Später besuchte er in Meran und Bozen das Gymnasium, das er 1936 mit der Matura abschloß. In Bologna inskribierte Magnago an der Universität und promovierte dort 1940 zum Doktor der Rechte.

1940-1945: Option für Deutschland, Krieg und Heimkehr

Aus Protest gegen die faschistisch-nationalistische Unterdrückungspolitik in Süd-Tirol optierte Magnago für Deutschland. Im Jänner 1943 wurde er zur deutschen Wehrmacht eingezogen und trat seinen Dienst als Leutnant der Gebirgsjäger an. Kurze Zeit später kam er direkt an die Ostfront. Im Oktober des selben Jahres schloß er im Rahmen eines Fronturlaubs in Landeck mit Sofia Cornelissen aus Essen den Bund der Ehe. Danach mußte er erneut einrücken und verlor durch einen feindlichen Granatwerfer ein Bein. Nach mehreren Operationen und unzähligen Lazarettaufenthalten kehrte er im April 1945 als Schwerkriegsversehrter heim.

1945-1957: Erste berufliche Erfahrungen

Ab November 1945 arbeitete Magnago einige Zeit als Übersetzer für die im Mai des selben Jahres gegründete Süd-Tiroler Volkspartei. Später war der junge Jurist auch für das Provinzialamt für Nachkriegsvorsorge als Vertreter der deutschen Kriegsversehrten tätig. Auch bei der Bozner Sparkasse arbeitete Magnago. Im Jahre 1948 erhielt er im Rahmen der Gemeinderatswahlen in Bozen die meisten Vorzugsstimmen der SVP-Liste und wurde Vizebürgermeister der Talferstadt. Als im Spätherbst des selben Jahres die ersten Wahlen auf Landtagsebene stattfanden, konnte Magnago wiederum die meisten Vorzugsstimmen für sich verbuchen und stand dem Landtag bis 1960 als Präsident vor.

1957-1992: Etappen seines Schaffens

Das Jahr 1957 war in vielerlei Hinsicht ein entscheidendes Jahr für Silvius Magnago. Mit nur 43 Jahren wurde er zum SVP-Obmann gewählt und stand der Partei bis 1992 vor. Auf Schloß Sigmundskron rief er vor 35.000 Süd-Tirolern das „Los von Trient“ aus. Der charismatische Politiker hatte seine Bewährungsprobe bestanden und legte von nun an sein ganzes politisches Gewicht in die Waagschale, zumal ja ein Marsch auf Bozen nicht erlaubt wurde. Von Ende 1960 bis zum 17. März 1989 bekleidete Magnago mehr als 28 Jahre lang das Amt des Süd-Tiroler Landeshauptmannes. Feuernacht, UN-Resolutionen, 19er-Kommission, viele (teils erfolglose) Verhandlungen, Paketschlacht, zweites Autonomiestatut sind nur einige wegweisende Pfeiler seiner Karriere als ranghöchster Politiker des kleinen Landes zwischen dem Brennerpaß und der Salurner Klause. Man kann verstehen, daß das Erklären und Bearbeiten dieser Begriffe wohl das Ausmaß dieser Abhandlung sprengen würde.

1992-2010: Abschied von der aktiven Politik Süd-Tirols

Ende April 1992, unmittelbar vor der Streitbeilegung und drei Jahre nach der Übergabe des „Hofes Süd-Tirol“ an Luis Durnwalder, legte Magnago die Führung der Partei in andere Hände. Doch er blieb weiterhin politisch wachsam und verfolgte die Geschehnisse rund um und in Süd-Tirol. Als Protestkandidat für das neue, Süd-Tirol benachteiligende Wahlrecht trat der geradlinige Politiker sowohl 1994 als auch 2001 bei den Wahlen zum italienischen Parlament an. Bis ins hohe Alter blieb er aktiv und war ein an Vielem interessierter Zeitgenosse. Magnago, der geborene Politiker, hatte es keinesfalls immer leicht. Er verstand aber auch, daß die Macht beim Volk liege und daß die demokratische Freiheit im Volk verankert sein müsse. Leider haben manche (oder viele Politiker) dieses Credo vergessen, boxen, obwohl ihr Amt nur „auf Abruf“ ist, ihre eigenen Interessen durch und behandeln das eigene Volk wie Marionetten. Das Wort Demokratie wird immer mehr fehlinterpretiert.

Auch wenn Magnago von einigen gescholten wurde, versuchte er fortwährend konsensbereit zu handeln. Er hat das durchaus Gegensätzliche auf seine (doch bemerkenswerte) Weise zu vereinen verstanden. Magnago verstand es überdies, Richtigkeit, Geduld, Ausgleich und Beharrlichkeit als politische Charakterzüge seiner Person zu kombinieren und setzte sich selbstlos für die Rechte seiner Landsleute ein. Daß Süd-Tirol heute einigermaßen gut dasteht, ist auch sein Verdienst. Bei den zahllosen Verhandlungen und Gesprächen mit Rom akzeptierte Magnago auch die Anderen und die Andersdenkenden.

2010: Tod und Epilog

Silvius Magnago starb im Alter von 96 Jahren kurze Zeit nach seiner Frau Sofia im Mai 2010. Nur ganz wenige Politiker haben es verstanden, Nachfolger zu formen und trotz anhaltender Popularität in seine Positionen nachrücken zu lassen. Magnagos Vermächtnis bleibt nach wie vor aktuell: „Ein Politiker sollte dem Volke dienen und sich nicht des Volkes bedienen.“ Der Grandseigneur der Süd-Tiroler Politik, und das kann man mit Recht sagen, hat sein Leben seinem Volk geschenkt. So pathetisch das klingt, ist er einer der Großen in der (Süd-)Tiroler Zeitgeschichte.

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Info:
Ein Leben für Süd-Tirol ist Beitrag Nr. 1314
Autor:
huettner am 6. Februar 2014 um 05:35
Category:
Geschichte
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