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Die Schlacht von Waterloo am 18. Juni 1815

Von Menno Aden

„Schlacht von Waterloo“Gemälde von William Sadler (1782–1839)

„Schlacht von Waterloo“Gemälde von William Sadler (1782–1839)

 Ausgangspunkt

Die Schlacht bei Waterloo, in Preußen (angeblich nach einem in der Nähe befindlichen Gasthaus dieses Namens) „Belle-Alliance“ genannt, beendete den fast 25jährigen Krieg Frankreichs erst gegen Österreich (April 1792: französische Kriegserklärung), dann gegen ganz Europa. Die französischen Truppen wurden besiegt. Sieger waren, „wie jedes Schulkind in England und auch den USA weiß“, die Briten unter dem Herzog Wellington. Wir treuen Deutschen reden das nach. So sagt das deutschsprachige Wikipedia: Arthur Wellesley, 1. Duke of Wellington …..Er siegte in der Schlacht bei Waterloo über Napoleon. Das englischsprachige Wikipedia sagt es richtiger: He led the decisive victory with Gebhard Leberecht von Blücher over Napoleon Bonaparte’s forces at Waterloo. Wir Deutschen sind schon komisch im Umgang mit unserer Geschichte und sprechen die niederländische Ortsbezeichnung, die so ausgesprochen wird, wie man es schreibt (sie bedeutet Wasserloch oder –dorf) pflichtgemäß wie die Briten aus – Uoaterluh.

Blücher

Es ist aber an sich sogar in Deutschland anerkannt, daß nur das Auftreten von Blücher mit 40.000 Preußen die Schlacht für die Alliierten rettete. Wellington alleine, dessen Truppen bereits zurückwichen, hätte die Schlacht verloren. In den Gesprächen mit dem Offizier und früheren Staatsmann Emmanuel de Las Cases auf Sankt Helena (Mémorial de Ste Hélène) kommt Napoleon immer wieder auf seine vielen Schlachten zurück, deren allermeiste er mit Genie und Bravour seiner Truppen gewonnen hatte. Nur diese letzte nicht! Immer wieder durchlebt er die entscheidenden Stunden, in denen sein Stern versank. Wie die Leipziger Schlacht lange geschwankt hatte, waren auch in Waterloo der Sieg oder Niederlage durchaus nicht ausgemacht. Napoleon über Wellington aus (Kap. XI): Ah! qu`il doit un beau cierge au vieux Blücher – Er schuldet dem alten Blücher eine schöne große Kerze, denn ohne diesen weiß ich nicht, wo Sa Grace (= Seine Gnaden), wie man ihn jetzt nennt, heute wären. In einem anderen Gespräch (aaO., Kap. VIII) erklärt Napoleon: Die Entscheidung des englischen Generals, die Schlacht bei Waterloo anzunehmen, gründete sich ausschließlich auf die Hilfe der Preußen; aber diese konnten erst am Nachmittag kommen: Er war daher von 4:00 Uhr morgens bis etwa 5:00 Uhr nachmittags, also für 13 Stunden alleine engagiert. Normalerweise dauert eine Schlacht nicht länger als sechs Stunden, die Hoffnung auf die Preußen war daher eigentlich illusorisch.

Nicht England und auch nicht Preußen, Deutsche haben die Schlacht gewonnen. Von den rd. 70.000 Mann unter Wellingtons Kommando waren zwei Drittel Deutsche, etwa aus Hannover, dessen König als Georg III. auch der britische König war, viele Iren und Niederländer – nur etwa 10% waren Engländer. Die Deutschen, welche auf englischer Seite 13 Stunden lang den verzweifelt kämpfenden Franzosen standhielten, und die Preußen, welche schließlich den Sieg retteten, haben die Schlacht gewonnen.

Napoleon meint gegenüber Las Cases, daß er trotz der Niederlage noch genügend Reserven gehabt habe, und daß er eigentlich durch Verrat zu Fall gebracht worden sei. Das ist wohl nicht anzunehmen. Bereits beim Ersten Pariser Frieden war der allgemeine Zorn auf Napoleon so groß, daß weder Frankreich noch Europa ihn als Herrscher Frankreichs geduldet hätten. Prinz Wilhelm von Preußen, der spätere deutsche Kaiser, nahm als junger Mann am Einzug nach Paris teil. In einem Brief an seinen Bruder berichtet er von den begeisterten Ovationen, welche die Pariser den Siegern gemacht hätten. Auch Frankreich war der Kriege müde. Napoleons Husarenstreich, die Flucht von Elba, hatte die Geister noch einmal emporgetragen, aber die Siegesgewißheit, die stärkste Waffe einer jeden Armee, war dahin. Der Stern des empereurs war schon in Moskau und Leipzig verblaßt.

Schäden

Der dreißigjährige Krieg, der auf deutschem Boden von 1618-48 gewütet hatte, hatte Deutschland völlig zerstört. Der fast ebensolange Krieg, den Frankreich gegen Europa, ebenfalls zumeist auf deutschem Boden gefochten hatte, hatte zwar Deutschland in stärkster Weise mitgenommen. Frankreich selbst aber war mit Ausnahme der bedeutenden Verluste an Menschenleben weitgehend unverletzt aus dem Kriege hervorgegangen. In gewissem Sinne war es sogar stärker als vor der Revolution. Das Prestige der französischen Waffen, die Erinnerung daran, daß Frankreich fast ganz Europa unter seine Botmäßigkeit hatte bringen können, gaben der nun beginnenden Restauration in Frankreich ein Ansehen, welches die wieder auf dem Thron gerufenen Bourbonen persönlich nicht verdienten. Deutschland aber war schwach geblieben. Zwar hatten die Maßnahmen Napoleons die Kleinstaaterei Deutschlands weitgehend beseitigt. Anstelle von Hunderten halb selbständiger Territorien gab es nun nur noch zwei Dutzend deutsche aber je für sich nicht handlungsfähige Fürstentümer. Deutschland blieb zersplittert und abgeschlagen. Frankreich aber machte sich, nachdem es eingesehen hatte, Europa nicht erobern zu können, unverzüglich auf den Weg, in Afrika Ersatz zu suchen. Schon 1830, also 15 Jahre nach Waterloo, eroberte es nach einem provozierten Krieg Algerien, und von da an setzte Frankreich seine kolonialen Eroberungen in Afrika fort.

Wiener Kongreß

Der Wiener Kongreß versuchte, den Sieg bei Waterloo politisch aufzuarbeiten. Es war das Geschick von Frankreichs schlauem Minister Talleyrand, die unzähligen Verbrechen Frankreichs in dieser Zeit nicht nur in Deutschland ausschließlich auf das Konto des, wie er nun hieß, Usurpators Bonaparte zu schreiben. Talleyrand wußte den Siegern einzureden, daß Europa zwar einen durchaus gerechten Krieg gegen Napoleon geführt habe, aber doch nicht etwa gegen das edle, große Kulturvolk der Franzosen! Die Verbündeten, insbesondere wir Deutschen, schluckten das. Wie nützlich wäre dieses für uns nach den Weltkriegen gewesen! England hingegen hatte bei diesem Kongreß ohnehin andere Ziele. Die seit dem 16. Jahrhundert verfolgte Doktrin des kontinentalen Kräftegleichgewichts hatte britische Sympathien und insbesondere das durch den lukrativen Sklavenhandel reichlich vorhandene britische Gold stets strategisch eingesetzt. War Spanien so mächtig wie zur Zeit von dessen König Philipp II., neigte man zu den Franzosen, als deren König Ludwig XIV. zu groß geworden war, stiegen die an sich als Rivalen verhaßten Niederländer in der britischen Gunst auf, Preußen stand in Gunst, als Frankreich im 19. Jahrhundert wieder stark wurde, verlor diese aber abrupt, als Deutschland geeinigt war und Herzog Eduard v. Sachsen-Coburg als König auf dem britischen Thron seine Seelenverwandtschaft mit Frankreich entdeckte. Nach Waterloo war es war nicht sein Interesse, Frankreich zu sehr zu schwächen, denn man suchte gegen Rußland eine Gegenkraft. Deutschland aber war diese nicht nach den Wunden, welche ihm von Frankreich geschlagen worden waren, auch Preußen nicht. Es hatte sich eher widerwillig mit den katholischen Rheinlanden für Verluste im Osten entschädigen lassen. Die Rheinlande hatten überdies den Nachteil, durch das Königreich Hannover von den preußischen Stammlanden getrennt zu sein. Dieses war bis 1837 in der Hand (Personalunion) des englischen Königs und wurde wie ein britisches Nebenland geführt. Dadurch war die außenpolitische Beweglichkeit Preußens ganz entscheidend gehemmt.

Wesentlich dieser englischen Gleichgewichtspolitik war es wohl zu verdanken, daß Frankreich auf Kosten Deutschlands ganz ungehörig gut behandelt wurde, und dieselbe Politik führte nach den Weltkriegen dazu, daß Deutschland zugunsten seiner Nachbarn ganz ungewöhnlich schlecht behandelt wurde. Das Imperium Americanum setzt diese Politik offenbar fort, und wir Deutschen lernen aus Waterloo, daß andere den Sieg feiern, den wir errungen haben und daß wir selbst dann verlieren, wenn wir einmal auf der Siegerseite stehen.

 

Übersicht

 

Datum Ereignis Anmerkung
16.- 19. Okt 1813 Napoleon wird in der Völkerschlacht bei Leipzig besiegt
31. März 1814 Einzug der Verbündeten in Paris
11. April 1814 Napoleon dankt ab. Er erhält eine Pension und die Insel Elba. 4. Mai Napoleon in Elba Elba war Teil des zu Österreich gehörenden Großherzogtums Toskana
30. Mai 1814 Erster Friede zu Paris Überaus gnädiger Frieden für Frankreich, welches keine (!) Kriegsentschädigung zahlen soll
Sept. 1814 – Juni 1815 Wiener Kongreß
1. März 1815 Napoleon landet bei Cannes
18. Juni 1815 Napoleon wird bei Waterloo von Wellington und Blücher besiegt
7. Juli 1815 Erneuter Einzug der Verbündeten in Paris.
20. November 1815 Zweiter Friede von Paris Frankreich zahlt Kriegsentschädigung und muß die (vielfach in Deutschland ) geraubten Kunstschätze herausgeben, bleibt aber im Besitz der 1680 geraubten deutschen Provinzen Elsaß und Lothringen

 

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