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Die Schlacht auf der Virginia Halbinsel

Nach der Niederlage bei der ersten Schlacht bei Bull Run („1st Manassas“), wurde dem Norden klar, daß die Rebellion der südlichen Staaten nicht mit einem eilig aufgestellten und bunt bewaffneten Heer von Milizen und Freiwilligen zu beenden war. Zudem befürchtete man einen Vormarsch der Konföderierten auf Washington.

von Matthias Hellner

George McClellan

Daher galt es, schleunigst die Hauptstadt der Union zu befestigten und die Potomac-Armee, die zu dieser Zeit den Hauptteil des Kampfes am östlichen Kriegsschauplatz trug, zu reorganisieren. Dabei fiel die Wahl Lincolns auf den West Point-Absolventen General George McClellan, der am Krieg gegen Mexiko teilgenommen hatte und auch das Militärwesen im Ausland kannte, unter anderem war er während des Krimkrieges Militärbeobachter im britischen Hauptquartier gewesen.

Wie sich bald zeigte, schien der Union mit der Ernennung des 36jährigen zum  Armeeoberbefehlshaber ein echter Glücksgriff gelungen zu sein. Der Sohn eines Chirurgen erwies sich als hervorragendes Organisationstalent.

Nicht nur, daß er Washington mit einem nahezu undurchdringlichen Festungsgürtel gegen Angriffe aus dem Süden schützte, schaffte er es auch, die demoralisierte Truppe in eine gutausgerüstete und schlagkräftige Armee umzubilden. Außerdem genoß „Little Mac“, wie er von den Soldaten genannt wurde, deren unbedingtes Vertrauen, ja sie verehrten den „kleinen Napoleon“ geradezu. Doch so gut McClellan zu organisieren verstand, so zögerlich zeigte er sich als Führer im Feld. Lincoln, dem es auf eine schnelle Beendigung des mehr und mehr unpopulären Krieges ankam, befahl daher Ende Jänner, daß alle Unionsarmeen am 22. Februar in die Offensive gehen sollten. Der Potomac-Armee war dabei zugedacht, die Bedrohung Washingtons durch die nur 30 km entfernt liegende Nord-Virginia-Armee zu beenden und nach Süden vorzustoßen. McClellan hielt jedoch die Nord-Virginia-Armee Joseph E. Johnstons für überlegen und ersuchte daher bei Lincoln um eine Änderung des Operationsplans an. Bevor McClellan jedoch den verzögerten Angriff beginnen konnte, zog sich die Nord-Virginia-Armee  am 7. März nach Süden an den Rappahannock zurück. McClellans Plan war nicht mehr durchführbar. Mehr noch, auch die Presse und der Kongreß kritisierten den Unionsgeneral stark. Nicht nur, daß sich Johnstons Armee nahezu unbemerkt zurückgezogen hatte, die Geschütze in den Befestigungen erwiesen sich als Attrappen, sogenannte „Quäker Guns“, angemalte Baumstämme, die monatelang den Vormarsch der Union aufgehalten hatten.

McClellan faßte daraufhin den Entschluß, auf der Virginia Halbinsel bei Fort Monroe zu landen und von da mit seinen Truppen nach Richmond, der Hauptstadt der Konföderation zu marschieren.

Fort Monroe

Am 17. März 1862 begann der Transport der Potomac-Armee. Insgesamt 121.500 Mann, 44 Geschützbatterien, über 15.000 Pferde, tausende Transportwagen und tonnenweise Nachschub stachen in See und landeten an den Gestaden Virginias. Am 4. April gab der „kleine Napoleon“ den Befehl, Richtung Richmond zu marschieren. Doch bereits am 5. wurde der Vormarsch gestoppt. Bei Lees Mill stießen förderierte Truppen des I. Korps auf Verteidigungsstellungen der von General Magruder befehligten Südstaatentruppen auf der Halbinsel, in einem Gebiet, von dem McClellan gelaubt hatte, es noch ohne Widerstand durchqueren zu können. Den Konförderierten gelang es außerdem, Stärke vorzuspielen. Magruder verfügte zu diesem Zeitpunkt nur über 13.000 Mann auf der Halbinsel, aber er ließ Kompanien im Kreis marschieren, sodaß es aussah, als würden ständig neue Truppen in die Stellungen einrücken, Hornisten gaben Signale an nicht vorhandene Einheiten, und weitverstreute Geschütze spielten Artillerieüberlegenheit vor. Und McClellan, der als Chief of Intelligence Allan Pinkerton, den Chef der gleichnamigen Detektei beschäftige, ließ sich ebenso wie dieser täuschen und glaubte, mindestens 100.000 Südstaatlern gegenüberzustehen. Da man einen Angriff für wenig erfolgreich hielt, wurden Gräben ausgehoben und schwere Belagerungsgeschütze in Stellung gebracht. Während die Union grub, stärkte auch der Süden seine Befestigungen um Yorktown, und Johnston kam Magruder mit Truppen zu Hilfe, sodaß 57.000 Mann den Nordstaatlern gegenüberstanden. Johnston war jedoch klar, daß die Stellungen durch die bevorstehende schwere Beschießung nicht zu halten sein würden. Am 3. Mai gab er daher den Befehl, sich Richtung Richmond abzusetzen. Obwohl McClellan durch entlaufene Sklaven davon erfuhr, glaubte er weiterhin, mindestens 120.000 Mann gegenüberzustehen, die auch kämpfen würden und beharrte auf seinem Plan, am 5. Mai die Stellungen sturmreif zu schießen. Am Abend des 3. starteten die Konföderierten selbst ein kurzes Bombardement, und danach herrschte Stille. Am nächsten Morgen mußte die Union feststellen, daß alle Arbeit umsonst gewesen war, die Südstaatenstellungen waren leer. McClellan stieß bedächtig nach und kam sogar noch bis vor die Tore Richmonds. Allerdings gelang es den zahlenmäßig unterlegenen Konföderierten, dann schon unter Robert E. Lee, ihn nach blutigen Schlachten zum Rückzug zu zwingen. Als er nach der Schlacht bei Antiem wiederum durch sein Zögern eine große Chance vergab, wurde McClellan von Lincoln des Oberbefehls enthoben.

 

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Info:
Die Schlacht auf der Virginia Halbinsel ist Beitrag Nr. 923
Autor:
huettner am 3. April 2012 um 07:13
Category:
Geschichte
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