Loading the content... Loading depends on your connection speed!

Dem RAF-Mordkommando die Tür geöffnet

Jürgen Ponto

Von Christian Krüger

Das Jahr 1977 war das Schicksalsjahr der Roten Armee Fraktion (RAF). In jenem Jahr hielt sie die Bundesrepublik Deutschland mit einer ganzen Serie von Terroranschlägen und gezielten Tötungen in Atem. Doch zugleich markiert es auch das Ende ihrer sogenannten ersten Generation. Denn die Gründer der RAF, Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe begingen in einer Oktobernacht in ihren Zellen im Hochsicherheitsgefängnis Stuttgart-Stammheim Selbstmord.

Da bereits im Jahr zuvor mit Ulrike Meinhof der ideologische Kopf der RAF den Freitod im Gefängnis gewählt hatte, war ab dem Herbst 1977 die zweite Generation der Linksterroristen alleine für die Verbrechen verantwortlich. Daß die nachwachsenden RAF-Mitglieder in Brutalität ihren Vorbildern um Baader in nichts nachstanden, hatten sie zu diesem Zeitpunkt bereits bewiesen.

Einen besonders perfiden Mord beging ein Terrorkommando der zweiten RAF-Generation am 30. Juli 1977. Wenige Tage zuvor nutzte die RAF-Terroristin Susanne Albrecht den Umstand aus, daß ihre Familie mit Jürgen Ponto, dem Vorstandssprecher der Dresdner Bank, befreundet war. So stellte sie Kontakt zu Ponto her und kündigte sich als Besucherin an. Der arglose Banker öffnete aber nicht nur Albrecht die Tür, sondern auch deren Mittätern Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar. Unter Ausnutzung des Gastrechts gelangten die drei Linksterroristen in das Wohnhaus von Ponto in Oberursel.

Ursprünglich wollte man Ponto entführen, doch als dieser sich wehrte, kam es zum Handgemenge. Während dieser Auseinandersetzung schossen Mohnhaupt und Klar wiederholt auf ihr Opfer, das von mehreren Kugeln getroffen wenige Stunden später in der Frankfurter Universitätsklinik verstarb. Zwei Wochen später bekannte sich die RAF zu der Tat. Das Bekennerschreiben war von Susanne Albrecht unterzeichnet.

Die Tat war Teil der sogenannten Offensive 77. Der Plan der Linksterroristen war es damals, durch entsprechende Aktionen Druck auf die Bundesregierung aufzubauen. So sollte diese dazu gezwungen werden, die inhaftierten Führungspersonen der RAF auszuliefern. Doch Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) blieb hart.

Für das Tätertrio, das Ponto auf dem Gewissen hatte, ging der Kampf jedoch weiter. Brigitte Mohnhaupt agierte fortan als Anführerin der Terrortruppe. Da sie bereits von 1972 bis zum 8. Februar 1977 wegen weniger schwerer Verbrechen inhaftiert war, war sie während der gemeinsamen Haft bereits von den RAF-Gründern auf ihre Führungsaufgabe vorbereitet worden. So konnte sie ihre Aktivitäten gleich nach der Verbüßung ihrer Strafe fortsetzen. Nach der Ermordung Pontos plante und organisierte sie auch die Entführung und Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer. Erst 1982 konnte sie verhaftet werden. In der Urteilsverkündung bezeichnete sie der Richter als „die gefährlichste und bösartigste Frau Deutschlands.“ Während ihrer 24 Haftjahre zeigte sie sich uneinsichtig. Jedoch schwand ab den 1990er Jahren ihr Einfluß auf die nachwachsenden RAF-Terroristen, bis diese die Organisation schließlich auflösten. Im März 2007 wurde Mohnhaupt aus der Haft entlassen.

Albrecht, die über die linke Hausbesetzerszene zur RAF gekommen war, ließ sich 1978/79 in einem Palästinenserlager im Jemen militärisch ausbilden. Sie beteiligte sich 1979 am erfolglosen Anschlag auf den NATO-Befehlshaber General Alexander Haig. Als sie im Folgejahr mit sieben weiteren Mitgliedern aus der Roten Armee Fraktion ausstieg, fand sie in der DDR eine neue Heimat. Unter falschem Namen war sie zunächst als Dolmetscherin tätig, bevor sie von der Stasi innerhalb des „Arbeiter-und-Bauern-Staates“ umgesiedelt wurde, weil ein Bericht im Westfernsehen ihre Tarnung auffliegen ließ. Nach dem Ende der DDR wurde sie verhaftet und wegen ihrer umfangreichen Aussagen nur zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Seit ihrer Haftentlassung arbeitet sie als Lehrerin, was von linken Unterstützerkreisen gegen jegliche Kritik vehement verteidigt wird.

Die bemerkenswerteste Karriere machte jedoch der Ponto-Mörder Christian Klar. Nach seiner Verhaftung 1982 wurde er wegen neunfachen vollendeten und elffachen versuchten Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Ähnlich wie Mohnhaupt zeigte er sich lange uneinsichtig. 2003 stellte er, der von Historikern als „eiskalter Macher“ charakterisiert wird, ein Gnadengesuch, das zunächst abgelehnt wurde. Klar konnte jedoch auf prominente Fürsprecher wie den Regisseur Volker Schlöndorff und andere Vertreter des Kulturbetriebes hoffen. So wurde er im Dezember 2008 aus der Haft entlassen. Anfang 2016 stellte sich heraus, daß der verurteilte Mörder freier Mitarbeiter eines Parlamentariers war. Der Bundestagsabgeordnete der Linkspartei, Diether Dehm, beschäftigte den ehemaligen Terroristen.

Bedenkt man, daß Klar während seiner aktiven RAF-Zeit in der DDR militärisch ausgebildet wurde, schließt sich mit der Beschäftigung bei der SED-Nachfolgepartei der Kreis.

Leave a Comment