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14. März 2014

Im Gespräch mit Pius Leitner

P. LeitnerkleinPius Leitner von den Süd-Tiroler Freiheitlichen spricht über den gegenwärtigen Zustand der Süd-Tiroler Politik, das Referendum der Süd-Tiroler Freiheit und wagt einen Blick in die Zukunft.

DE: Ihre Partei hat bei den Landtagswahlen – wie sämtliche deutsche Oppositionsparteien auch – dazugewonnen. Dennoch hat die SVP trotz beteuerter Erneuerung und Sondierungsgesprächen den alten Weg eingeschlagen. Wie hätte die ideale Interpretation des Wählerwillens für Sie ausgesehen?

Pius Leitner: Die SVP hat erstmals in ihrer Geschichte die absolute Mehrheit verloren und ist daher nicht mehr berechtigt, allein die Interessen der Deutschen und Ladiner zu vertreten. Die SVP-PD-Regierung hätte um einen weiteren Partner erweitert werden sollen, wobei die Freiheitlichen als mit Abstand zweitstärkste Kraft die Bereitschaft dazu erklärt haben.

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Im Gespräch mit Alexander Markovics

alex-768x10241DE: Einem breiteren Publikum sind die Identitären erstmals im Februar 2013 bei der Rückbesetzung der Votivkirche (Wien) aufgefallen. Seit wann gibt es die Identitäre Bewegung (IB) in Österreich?

Alexander Markovics: Die Identitäre Bewegung existiert in Österreich seit dem Februar 2012. Damals gründete eine Gruppe junger Schüler und Studenten, darunter meine Wenigkeit, Wiens Identitäre Richtung (kurz W.I.R., heute als Identitäre Bewegung Wien Teil der IBÖ), die erste identitäre Gruppe im deutschsprachigen Raum. In Folge des Videos „Décleration de Guerre“ der Génération Identitaire im Herbst 2012 bildeten sich schließlich auch in Graz und dem Rest des deutschsprachigen Raumes identitäre Gruppen. Noch vor unserer Aktion in der Votivkirche im Dezember 2012 entschlossen wir uns schließlich dazu, eine gemeinsame Dachorganisation für Österreich zu gründen – womit die eigentliche „IBÖ“ ins Leben gerufen wurde.

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1. Juni 2011

Im Gespräch mit Rudolf Weiss

Rudolf Weiß wurde am 20. April 1964 in Franzisdorf (Novi Becej) im Banat geboren. Er hat Geschichte studiert und ist Oberlehrer für dieses Lehrfach.

Seit 1990 ist er Mitglied des „Vereins der Deutschen und Österreicher“ in Essegg, seit 1992 im „Deutschen Klub“ in Neusatz/Novi Sad. Im Dezember 1996 wurde von ihm der „Deutsche Volksverband“ gegründet.

Er ist Vizepräsident der evangelischen Kirche in Serbien und Kirchenvorstandsmitglied der lutheranischen Kirche Mariatheresiopel/Subotica.

Weiß ist verheiratet und Vater zweier Töchter (Astrid und Ingrid).

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20. Mai 2011

Georg Kramm im Gespräch mit Thomas Hüttner

Das „Sonntagsblatt“ ist die Mitgliederzeitung der Jakob Bleyer Gemeinschaft (Ungarn). DE bat den Schriftleiter Georg Kramm zum Gespräch.

DE: Herr Kramm, Sie sind Schriftleiter des Sonntagsblattes, des Mitteilungsblattes der Jakob Bleyer Gemeinschaft in Budapest. Womit beschäftigt sich das Sonntagsblatt?

GK: Das Sonntagsblatt als Sprachrohr des Landesvereins „Jakob Bleyer Gemeinschaft“ setzt sich zur Aufgabe, Vergangenheit und Gegenwart des Ungarländischen Deutschtums objektiv darzustellen und bekanntzumachen, um auch damit zur Pflege bzw. Wiedergewinnung der deutschen Muttersprache und Stärkung der nationalen Identität beizutragen und somit für eine Zukunft, für den Fortbestand der Volksgruppe einzutreten.

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1. Dezember 2010

Im Gespräch mit Ulli Mair

Für die Dezemberausgabe des ECKART baten wir die sympathische und erfolgreiche Abgeordnete zum Süd-Tiroler Landtag, Ulli Mair (Die Freiheitlichen) zum Gespräch.

DE: Frau Mair, zu Beginn möchte ich mich im Namen des ECKART bei Ihnen bedanken, daß Sie sich für ein Gespräch zur Verfügung gestellt haben. Wollen Sie sich ein wenig unserer Leserschaft vorstellen?

UM: Ich bin 36 Jahre jung und ledig. Seit 2003 bin ich Abgeordnete zum Süd-Tiroler Landtag, seit 2001 Generalsekretärin der Freiheitlichen. Neben meiner politischen Tätigkeit engagiere und interessiere ich mich sehr intensiv für Menschen mit psychischen Problemen und Menschen, die in Not geraten sind. Als Privatperson mag ich es eher ruhiger, ich verbringe sehr gerne Zeit mit meiner Familie und meinem Patenkind sowie meinen Freunden. Ich lese sehr gerne, Musik gehört zu meinem Alltag (am liebsten Rockmusik) und sportliche Aktivitäten (Skifahren, Schwimmen, Bergwandern) lassen mich den Alltagsstreß vergessen. Ich sehe mich selbst als Vermittlerin zwischen Jung und Alt, lege sehr großen Wert auf den Dialog und den gegenseitigen Respekt zwischen den Generationen. In meiner Partei bin ich als konsequent und ehrlich, genauso aber als etwas ungeduldig und nicht immer als ganz einfach bekannt (lacht). Ich bin patriotisch und sehr stolz auf meine deutschen Wurzeln. Gleichzeitig habe ich gerade deswegen keine Berührungsängste, einen Schritt auf die Italiener in Süd-Tirol zuzugehen, ihnen die Hand zu reichen und den Dialog zu suchen.

DE: Ihre Partei versteht sich als liberale Partei, die sich besonders für die Freiheit und den Schutz der Bürgerrechte einsetzt. Liegt Ihr Augenmerk eher auf der Opposiitionsarbeit als Kontrollinstanz oder auf dem Wunsch, eines Tages mitzuregieren?

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29. März 2010

Gudrun Kofler im Gespräch mit dem DE

Es kann nur EIN TIROL geben

In der Ausgabe des Oktober DE baten wir die aufstrebende und erfolgreiche Jungpolitikerin Gudrun Kofler von der Bewegung Süd-Tiroler Freiheit zum Gespräch.

Frau Kofler, zu Beginn möchte ich mich im Namen des DE bei Ihnen bedanken, daß Sie sich für ein Gespräch zur Verfügung gestellt haben. Können Sie sich ein wenig unserer Leserschaft vorstellen?

Ich bin 26 Jahre alt, komme aus Kurtatsch im Süd-Tiroler Unterland und studiere Rechtswissenschaft und Germanistik an der Landesuniversität in Innsbruck. Ich bin seit 15 Jahren Mitglied der Schützenkompanie Kurtatsch, Mitglied der SÜD-TIROLER FREIHEIT und Gemeinderätin in Kurtatsch.

Trotz Ihrer Jugend sind Sie als Gemeinderätin der Süd-Tiroler Gemeinde Kurtatsch und Vize-Präsidentin der Jungen Europäischen Freien Allianz (EFAY) politisch tätig. Was ist für Sie das Besondere an der Politik?

Ich bin der Meinung, nur wenn man sich für Politik interessiert, nimmt man aktiv an den Geschehnissen im eigenen Land teil und kann sich dadurch eine gefestigte eigene Meinung bilden und sich aktiv an der politischen Gestaltung beteiligen. Das Spannende an der Politik ist, daß sich vieles oft in so kurzer Zeit verändert und man immer ein wachsames Auge haben muß, es aber auch oft unerwartete Erfolge gibt – wenn sie auch noch so klein sind -, die einen für die Arbeit und Mühe belohnen.

Ist es falsch zu behaupten, daß Ihnen als Nichte von Frau Dr. Eva Klotz, der großen Verfechterin der Selbstbestimmung der Tiroler südlich des Brenners, und Enkeltochter des Süd-Tiroler Freiheitskämpfers der 1960er-Jahre, des Waltner Schützenmajor Georg Klotz, so manches in die Wiege gelegt wurde…

Nein, das ist bestimmt richtig! Politik und gerade Volkstumspolitik gehört bei uns in der Familie zum Leben wie das tägliche Brot. Ich bin in einer politisch sehr aktiven Familie aufgewachsen und habe somit bereits als Kind und Jugendliche sehr viel mitbekommen. Auch Anfeindungen von Seiten Andersdenkender war ich so schon sehr früh ausgesetzt, was ich aber heute als großen Vorteil sehe, da dies den Charakter schon in sehr jungen Jahren festigt und man nur noch viel entschlossener wird, das große Ziel voranzutreiben.

In diesem Jahr gedenkt Tirol der Taten von Andreas Hofer vor 200 Jahren. Besteht Ihrer Meinung nach im Gedenkjahr die Möglichkeit, der momentanen Situation Süd-Tirols etwas Positives für die Zukunft abzugewinnen?

Ich denke, man sollte ganz besonders dieses Jahr nutzen, um auf die Situation in Süd-Tirol und das immer noch geteilte Land Tirol aufmerksam zu machen. Heuer sind wegen der 200-Jahr-Feierlichkeiten viele Augen auf Tirol gerichtet, und man sollte beim Festumzug den Medienrummel und die Anzahl der Besucher nutzen, um zu zeigen, daß wir mit der derzeitigen Situation ganz und gar nicht zufrieden sind. Außerdem habe ich das Gefühl, daß die Menschen in Süd-Tirol aufwachen und sich nicht mehr alles gefallen lassen. Dies ist auch eine Entwicklung, die man unbedingt nutzen sollte, um diese Menschen weiterhin für die Loslösung Süd-Tirols von Italien zu sensibilisieren.

Apropos Gedenkjahr: Wie stehen Sie zu den Ansichten, es handle sich bei der heiß diskutierten Dornenkrone um „einen alten Hut“, sie sei keinesfalls mehr passend, da es den Süd-Tirolern inzwischen ohnehin gut gehe…

Ich verstehe natürlich, daß die Menschen, die nicht in Süd-Tirol leben, von unserem Land einen anderen Eindruck haben als wir. Und natürlich geht es uns wirtschaftlich gut, aber zu welchem Preis? Solange wir unter fremden Fahnen leben, tagtäglich für unser Recht auf Gebrauch der deutschen Muttersprache kämpfen müssen, unsere Jugendlichen von Carabinieri-Einheiten verprügelt werden, nur faschistische Ortsnamen Gültigkeit haben und faschistische Relikte an fast allen Straßenecken stehen, ist die Dornenkrone bestimmt kein alter Hut! Im Gegenteil! Sie ist wichtiger denn je, sie soll symbolisieren, daß wir IMMER NOCH der gleichen Ansichten sind und immer noch zu einem Staat gehören, bei dem wir nicht bleiben wollen!

Als Marketenderin der Schützenkompanie Kurtatsch sind Sie ein lebendes Beispiel für Heimatliebe und Traditionsverbundenheit. Wie wichtig sind Ihnen die edlen Begriffe wie Werte und Tradition?

Diese beiden Begriffe sind sehr wichtig für mich, da sie ein starkes Verbindungsglied zur Vergangenheit und ganz besonders der Menschen einer Kultur- und Sprachgemeinschaft untereinander sind. Nur so konnten diese weitergegeben werden, und nur so können wir sie wiederum weitergeben. Sie verbinden, sie sind ein Zeichen der Einheit und machen ein Volk aus. Nur durch Wertvorstellungen und Traditionen können wir Süd-Tiroler heute von uns sagen, daß wir uns von den Italienern nicht unterkriegen haben lassen und noch heute Tiroler und somit ein Teil des deutsches Volkes sind!

Befinden wir uns in einer Gesellschaft ohne jene Orientierung, einer Gesellschaft des reinen Pragmatismus, wo man heute das denkt und morgen sich wie die Fahne im Wind dreht und im Grunde keine bindenden Maßstäbe mehr hat … oder wohin steuert unsere Gesellschaft?

Es gibt bestimmt viele Menschen in unserer Gesellschaft, die dies so betreiben, mit der einfachen Erklärung, daß es einfach leichter sei, sich nicht auf eine Meinung festzulegen und sich ständig „wandeln“ zu können. Man kommt nie in Erklärungsnot, verscherzt sich’s mit niemandem und kann überall mitmischen. Aber dies ist natürlich in Wahrheit ein „Davonlaufen“, ein „Sich nicht stellen wollen“, und man wird auch nie richtig ernst genommen werden. Da lobe ich mir doch jene, die mit ihren Aussagen zwar oft provozieren, sie aber ehrlich und ernst meinen. So bleibt man auch immer ehrlich vor sich selbst, und andere wissen, woran sie sind. Außerdem soll und kann es nicht nur eine Meinung zu einem Thema geben, das sollten sich jene mal überlegen, die zwar immer von Meinungsfreiheit reden, unsere Meinung aber nie gelten lassen und uns immer wieder gern beschimpfen und versuchen, uns schlecht zu machen.

Und wie sieht es mit dem Schlüsselwort Heimat aus? Psychologisch ist Heimat heute ein persönliches Empfinden, frei von politisch-juristischen Definitionen. Sie besteht aus individuellen Einstellungen zu Ort, Gesellschaft und Entwicklung des Einzelnen… Ihre persönliche Begriffsbestimmung?

Für mich ist es auch so. Es ist in erster Linie ein persönliches Empfinden, und doch gehört viel mehr dazu. Für mich ist Heimat dort, wo ich geboren bin, wo meine Familie, meine Freunde zuhause sind, wo ich mich wohlfühle. Sicher kann man sich auch andernorts heimisch fühlen und auch dort leben, arbeiten, Familie haben. Doch kann und soll man sich von seiner „Urheimat“ nie ganz lösen. Meine Heimat wird immer in Kurtatsch, in Tirol sein.

Macht es Ihnen Angst, wenn Sie sehen, daß einige Süd-Tiroler Jugendliche azurblaue Farbe bekennen, von ihrer Geschichte wenig wissen bzw. kein Interesse an der individuellen politischen Entwicklung an den Tag legen?

Ja, klar. Das ist bestimmt sehr bedenklich. Und hier wäre auch besonders die Politik gefordert, dem in der schulischen Bildung entgegenzuwirken und zwar dies- und jenseits des Brenners. Allerdings merke ich auch, daß sich immer mehr Jugendliche, besonders in Süd-Tirol, vermehrt zu ihrer Heimat bekennen, sich für sie einsetzen, Farbe bekennen und mitmischen möchten. Immer mehr junge Menschen stellen sich gegen eine Zukunft Süd-Tirols bei Italien und arbeiten daran, dies zu ändern.

Vor nunmehr 20 Jahren ging in der ehemaligen „DDR“ das Volk friedlich auf die Straße, um für die Wiedervereinigung zu demonstrieren. Die Losung „Wir sind das Volk“ ist in die Geschichtsbücher eingegangen. Warum gehen Ihre Landsleute im Süden Tirols nicht auf die Straße?

Es ist ein langsamer Prozeß in Süd-Tirol, doch das Interesse der Süd-Tiroler am Thema steigt. Und es gibt Menschen aus verschiedenen Alters- und Berufsgruppen, die nun vermehrt in Zeitungen, Internet usw. auf das Unrecht im Land aufmerksam machen. Ich glaube, die Leute in Süd-Tirol sind noch nicht bereit, für die Unabhängigkeit auf die Straße zu gehen, auch weil von der Politik in Süd-Tirol viel zu viel Macht ausgeht und sie es nach wie vor schafft, die Menschen mit falschen Versprechungen an sich zu binden und hinzuhalten. Und Sie wissen ja bereits, wie es in Süd-Tirol läuft, wenn man für seine Rechte bzw. gegen das faschistische Unrecht auf die Straße geht. Dann wird man vom Quästor mit 600 Polizisten umstellt, muß sich Nummern an die Tracht heften und wird wie ein Rudel Vieh durch die Straßen getrieben, wie beim Protestmarsch gegen die faschistischen Relikte in Bruneck in diesem Jahr geschehen.

Wo sehen Sie, realistisch betrachtet, Ihre Heimat Süd-Tirol in zehn Jahren? Wird das Land im Rahmen eines möglichen Europas der Regionen fernab jeglicher nationalstaatlicher Ideologien eine wichtige Rolle spielen, oder wohin wird es sich bewegen?

Ich glaube schon, daß Europa eine große Chance für die Minderheiten in Europa darstellen könnte, doch geht es sehr schleppend und langsam voran. Dies deshalb, weil die EU wiederum aus Nationalstaaten zusammengestellt ist und die dort auch das Sagen haben. Und wie wir wissen, bekennen sich die wenigsten Nationalstaaten zu ihren Minderheiten, geschweige denn, daß sie sich für deren Unabhängigkeit einsetzen. Auch wäre ein Europa der Regionen meiner Meinung nach schon rein verwaltungstechnisch eine sehr schwierige Angelegenheit und kaum zu bewältigen. Aber ich bin der Meinung, daß auch in einem heutigen Europa nichts gegen eine Grenzverschiebung spricht, wenn es das Volk will. Die Grundlage des Friedens ist nicht die, ein Volk mit Geld und Versprechungen ruhig zu halten, sondern die, ein Volk frei entscheiden zu lassen, wo und wie es leben möchte. Wenn es nach mir ginge, wäre Süd-Tirol in zehn Jahren auf jeden Fall von Italien losgelöst und im Idealfall mit den beiden Landesteilen Nord- und Ost-Tirol wieder vereint.

Der dritte NR-Präsident Martin Graf hat das Selbstbestimmungsrecht für die Süd-Tiroler eingefordert und damit das Gespräch wieder auf das Land südlich des Brenners gebracht. War das gut für Süd-Tirol?

Für Süd-Tirol ist es immer gut, wenn die Politik sich mit der Süd-Tirol-Frage beschäftigt, besonders wenn dies auch in Österreich passiert. Natürlich haben viele Leute, speziell Journalisten und Politiker, dies aufgrund der Person Martin Grafs schlechtzureden versucht. Doch diese sind auch genau jene Leute, die uns in Süd-Tirol als Zündler, Ewiggestrige und Aufwiegler bezeichnen. Es gibt schließlich nichts Leichteres, jemanden dadurch in der Gesellschaft zu diffamieren, indem man behauptet, daß er ein Nazi sei oder rechten Ideologien anhänge. Wir sollten uns daher um solche Ignoranten und Besserwisser nicht kümmern, die außerdem selbst oft zu feige sind, Stellung zu beziehen. Wir brauchen die Energie, um unsere Anliegen voranzutreiben, und da ist es sehr wichtig, immer wieder Rückendeckung zu erhalten, besonders auch von der Politik in Österreich.

Gibt es noch eine (Gesamt-) Tiroler Identität, oder hat jeder der drei Landesteile eine eigene?

Ich glaube schon, daß jeder der drei Landesteile ein wenig anders ist bzw. sich ein wenig anders entwickelt hat. Das ist aber durch die Teilung Tirols natürlich begründet; Nord- und Ost-Tirol fehlt ein verbindender Teil, und Süd-Tirol hat sich mit der Zugehörigkeit zu einem fremden Staat bestimmt auch ein wenig anders entwickelt. Trotzdem glaube ich, daß die Menschen in allen drei Landesteilen im Herzen dieselben sturen und freiheitsliebenden Tiroler geblieben sind und uns dies auch verbindet. Leider wissen viele Nord- und Ost-Tiroler zu wenig über die Geschichte ihrer Landsleute im Süden und haben daher oft eine schlechte Meinung dazu. Aber ich glaube, daß es für jeden, der sich mit der Geschichte befaßt, sie kennt und seine Heimat liebt, nur EIN TIROL mit Nord-, Ost- und Süd-Tirol geben kann.

DER ECKART Oktober 2009

4. März 2010

Im Gespräch: Norbert Rasch

Norbert Rasch, bereits das zweite Mal Abgeordneter zum Sejmik (Regionalparlament) der Woiwodschaft Oppeln und seit 2008 auch Vorsitzender der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien. Seit dem vergangenen Jahr gehört er auch dem Vorstand des Verbandes der deutschen Sozial-Kulturellen Gesellschaften in Polen an.

Norbert Rasch

DE: Mit 38 Jahren haben Sie schon eine beachtliche politische Karriere hinter sich. Bleibt da noch Zeit für Familie und Freunde?

NR: Nein, die Zeit ist sehr gering. Hier fällt es mir immer wieder schwer zu beweisen, daß meine Frau und meine Kinder für mich auf dem ersten Platz stehen. Meine treuesten Freunde sehe ich sehr selten, meistens, wenn wir gemeinsame Fahrten unternehmen.

DE: Wie ist die derzeitige Lage der Schlesier in Polen?

NR: Seit fast 20 Jahren sind wir eine vom Staat anerkannte Gesellschaft. Wir brauchen uns für nichts mehr zu schämen und uns vor nichts zu fürchten. Die polnische Legislatur nimmt uns unter Schutz. Seit dem Jahr 2005 gibt es ein Gesetz für nationale und ethnische Minderheiten, das unsere Sprache und Kultur sich entfalten läßt. Wir sind präsent in vielerlei Gremien und in der politischen Struktur. In vielen Gemeinden, in denen Deutsche leben, gibt es deutsche Gemeinderäte, deutsche Bürgermeister. Weiters gibt es auch Landräte und sieben Plätze im Sejmik (quasi Landtag), sogar zwei stellvertretende Ministerpräsidenten (Marschälle).

DE: Gibt es heute noch geschlossene schlesische Siedlungsgebiete, in denen Deutsch als Umgangssprache verwendet und das deutsch-schlesische Brauchtum gepflegt wird?

NR: Die Sprache ist nur ein Identitätsmerkmal, man muß sie nicht sprechen, um sich der deutschen Volksgruppe angehörig zu fühlen. Natürlich, wenn man sie kennt, erleichtert sie den Zugang zur Kultur, und das ist wichtig. Deutsch als Umgangssprache existiert noch. Ich denke, ungefähr 10 % der Deutschen sprechen noch Deutsch, auch mit ihren Kindern. Feste und Bräuche werden so gefeiert, wie es teilweise noch vor dem Krieg war (Martinsfest, Weihnachtsmärkte, Ostersuchen, Osterreiten, usw.)

DE: Neben dem Erlernen der deutschen Sprache im Elternhaus ist auch der Schulunterricht wichtig. Wird in den Schulen ausreichend Deutsch unterrichtet, und gibt es genügend deutsche Schulen?

NR: Die Deutsche Minderheit bei uns verfügt nicht über eine deutsche Schule. Ich glaube, es ist das ungenutzte Potential. Leider waren wir als Führungskräfte mit anderen Sachen zu stark beschäftigt, so daß wir das Wesentliche vergessen haben. Es heißt aber nicht, daß wir keinen Nachwuchs hätten, im Gegenteil. Wir bekamen eine neue Chance, die wir jetzt nutzen müssen. Dem Unterricht in Deutsch als Minderheitensprache wohnten im Jahr 2008 ungefähr 27.000 Schüler in Kindergärten, Grundschulen und Gymnasien bei, was ungefähr 25% der Gesamtschülerzahl entspricht. Der Unterricht wird in drei zusätzlichen Deutschstunden realisiert. Jedoch sollten wir uns nicht von den Zahlen beeindrucken lassen und eher über die Ergebnisse nachdenken. Es gibt wenige zweisprachige Klassen und wie gesagt keine Schule mit Deutsch als Unterrichtssprache (in eigener Trägerschaft).

Die polnische Gesetzgebung unterstützt die Erhaltung der Identität, Sprache und Geschichte der Minderheit, nur unter der falschen Voraussetzung, nämlich daß die Kinder die Sprache schon zu Hause lernen und in der Schule ihre Kenntnisse erweitern. Aber auf die Deutsche Minderheit in Schlesien trifft es nicht zu. Bei uns handelt es sich eher um die Wiederherstellung der Deutschen Sprache, die ja bis 1989 verboten war. Dieses Verbot und verschiedene Repressalien haben dazu geführt, daß die Sprache aus dem Gebrauch fast verschwunden ist (wie schon angedeutet bedienen sich etwa 10% noch der Sprache im täglichen Gebrauch). Daher sind drei Stunden wöchentlich nicht ausreichend.

Ich bin überzeugt, daß wir, um weiter zu existieren, zu wollen, genauso wie die Deutschen in Dänemark, Ungarn oder in Rumänien deutsche bzw. bilinguale Schulen in der Region besitzen müssen.

DE: Abgeordneter zum Sejmik zu sein, bedeutet, diese Funktion ehrenamtlich auszuüben. Wo lägen Ihrer Ansicht nach die Vor- und die Nachteile, wenn Sie hauptberuflich Abgeordneter wären?

NR: Beruf Politiker – das klingt sehr ernst, außerdem sind Politiker, wie in fast jedem Land eher unbeliebt, etwas der Realität fern, wenn man tagtäglich nur diesen Beruf ausübt. Andererseits hat man als hauptberuflicher Politiker mehr Zeit für Recherchen, zu Treffen mit den Wählern usw. Die jetzige Situation sieht so aus, daß man mannigfaltigste Sachen tut und sich mit verschiedenen Professionen im Leben auseinandersetzt, man ist dem Volke nah (in der Arbeit oder sonst wo), als Abgeordnetengruppe bilden wir eine Mischung aus Landwirten, Firmeninhabern, Lehrern, Juristen usw. Als hauptberufliche Politiker wären wir bestimmt alle Juristen und Politologen.

Das Gespräch führte Thomas Hüttner (DE Jänner)