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20. Juni 2017

Italienische Manipulationen

50 Jahre nach dem Vorfall auf der Porzescharte wäre es höchst an der Zeit, dass Österreich für die völlige Rehabilitierung der damals zu Unrecht Verurteilten sorgte

Von Reynke de Vos

Am Abend des 24. Juni 1967 steigen der Arzt Dr. Erhard Hartung, der Elektrotechniker Peter Kienesberger und der Unteroffizier des österreichischen Bundesheeres Egon Kufner auf zur Porzescharte. Der als unbewacht geltende Grenzkamm zwischen dem Osttiroler Bezirk Lienz und der italienischen Provinz Belluno wurde seinerzeit von Kämpfern des Befreiungsausschusses Südtirol (BAS) als Nachschub- und Fluchtweg benutzt. Kienesberger, der Anführer der Gruppe, war, wie die drei später aussagten, kurzfristig davon verständigt worden, dass auf der Porzescharte ein verwundeter BAS-Aktivist zur Weiterbehandlung in Österreich übernommen werden müsse. Daher nähern sie sich bis auf eine ungefähre Gehzeit von einer halben Stunde dem Grenzgebirgsübergang zwischen Österreich und Italien. In einer geschützten Mulde lässt Kienesberger seine Kameraden zurück und tastet sich noch ein Stück Wegs weiter nach oben, um , wie üblich, Funkkontakt mit den am Grat vermuteten wartenden Südtirolern aufzunehmen. Doch Antworten auf Funksignale bleiben aus, stattdessen gewahrt er oben kurz aufscheinendes Licht von einer Taschenlampe oder einem Feuerzeug und vernimmt Geräusche sowie Stimmen. Dies kommt ihm ungewöhnlich vor, denn Südtiroler Kameraden hatten sich stets lautlos verhalten und kein Licht gebraucht, weshalb Kienesberger der Sache misstraut, sie abbricht und mit seinen Kameraden in die Ortschaft Obertilliach zurückkehrt. Dort besteigt die Gruppe eine Stunde nach Mitternacht, mithin am 25. Juni, jenen von dem Studenten Christian Genck chauffierten VW Käfer, mit dem sie gekommen waren.

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2. Mai 2016

Vom „Blutsonntag“ zum „Alltagsfaschismus“? Gedanken vor einer bedrückenden Wahl in Bozen

Von Reynke de Vos

Italienisches Militär beim Absperren des Bozner Obstmarktes nach dem faschistischen Überfall am 24. April 1921

Italienisches Militär beim Absperren des Bozner Obstmarktes nach dem faschistischen Überfall am 24. April 1921

Tiroler diesseits und jenseits des Brenners, die noch einen Funken Heimat- und Vaterlandsliebe im Leibe tragen sowie über ein gerüttelt Maß Geschichtsbewußtsein verfügen, gedenken in diesen Tagen eines Ereignisses vor 95 Jahren, welches als Inauguration des Faschismus in jener Nordprovinz Italiens gilt, welche es als Belohnung für seinen Seitenwechsel 1915, mithin als Kriegsbeute 1919 in St. Germain-en-Laye erhielt. Am 24. April 1921 wurde der Lehrer Franz Innerhofer in Bozen vom Schläger eines Kommandos der „fasci di combattimento“ Benito Mussolinis ermordet. Innerhofer hatte mit der Musikkapelle aus Marling bei Meran am Trachtenumzug anläßlich der ersten Bozner Nachkriegsmustermesse teilgenommen. Unter den Umzug hatten sich einige der zu einer „Strafexpedition gegen diese Manifestation des Deutschtums“ ausgerückten und in der Provinzhauptstadt versammelten 500 faschistischen Schläger (120 aus Bozen, 380 aus Trient, Brescia und Verona) gemischt und zwischen Waltherplatz und Obstmarkt ein Blutbad angerichtet. Infolge von Schüssen und Handgranatendetonationen waren annähernd fünfzig Personen schwer verletzt worden. Der Vorfall ist als „Bozner Blutsonntag“ in die Annalen eingegangen.

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22. April 2016

Vor siebzig Jahren begann die Vertreibung der Ungarndeutschen

Viktor Orbán „Geschwür im Körper der Nation“

Von Reynke de Vos

Man schreibt den 19. Januar 1946. In dem von sechs Hundertschaften Polizei umstellten Budaörs, einem Budapester Vorort mit deutschem Ortsnamen Wudersch, werden die „Schwaben“ aus den Betten geholt. Nur das Allernötigste dürfen sie zusammenklauben, bevor sie zum Gemeindeamt getrieben werden, wo man ihre Namen mit auf Listen rubrizierten vergleicht. Weiter geht’s zum Bahnhof. In bereitstehenden Viehwaggons verlassen 1058 Bewohner die Ortschaft; am 30. Januar kommen sie in Aalen, 80 Kilometer östlich von Stuttgart, an. Ein zweiter Transport mit 1054 Menschen erreicht am 1. Februar Göppingen. So geht es Schlag auf Schlag: Binnen fünf Wochen sehen sich 6753 Wuderscher wie Vieh nach Württemberg und Baden verfrachtet.

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13. April 2016

Achtung Sprachpolizei!

Eckart Handbuch-Gendermainstream-gr.Bild 1Von Ernst Brandl

Die Entfremdung von der Heimat beginnt bei der Veränderung der Sprache

 Journalisten arbeiten jeden Tag mit ihrem Handwerkszeug, der Sprache. Berichte sollten möglichst wertfrei, korrekt und präzise die Sachverhalte wiedergeben. Ebenso „korrekt“ soll heutzutage auch die Sprache selbst sein. Man glaubt es kaum – mittlerweile gibt es für die Mediengestalter auch schon Formulierungshilfen für die korrekte sprachliche Berichterstattung.

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1. April 2016

Medien und Wahrheit: Der Verlust des Weltwissens

Von Felix Menzel

Von Jahr zu Jahr sinkt das Vertrauen in die Medien, und die Auflagen der großen Blätter befinden sich im Sturzflug. Tausende Menschen gehen auf die Straße und brüllen „Lügenpresse“. Dennoch greift es zu kurz, nur den fehlenden Wahrheitsgehalt vieler Berichte zu kritisieren. Das eigentliche Problem der Massenmedien liegt viel tiefer: Sie konzentrieren sich auf Informationshäppchen und sind nicht mehr in der Lage, ein umfassendes Weltwissen zu vermitteln.

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23. Dezember 2015

Literaturgeschichte versus Politik?

Von Reynke de Vos

Ein Denkmal im Widerstreit nationalitätenpolitischer Interessen

Nicht allein Bücher haben ihre Geschichte. In Bozen rückt ein Denkmal wieder einmal in den Mittelpunkt politischen Interesses, der seit seiner künstlerischen Gestaltung vor 110 Jahren die Geister schied und häufig Gegenstand erbitterter Auseinandersetzungen, aber auch großer Fürsorge um die Wiedereinsetzung in seinen Rang als kulturhistorisches Zeugnis gewesen ist. Es handelt sich um den Laurin-Brunnen auf dem zentralen, nach dem 2010 verstorbenen langjährigen Südtiroler Landeshauptmann Silvius Magnago benannten Landhausplatz. Dort war er 1996, drei Jahre nach der im Rahmen eines Tauschgeschäfts vereinbarten Rückgabe durch das Roveretaner Kriegsmuseum aufgestellt worden.

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28. Oktober 2014

Bunt statt Rot – Gegen das Couleurverbot!

Um die 60 Farbstudenten protestierten vor der Uni

Um die 60 Farbstudenten protestierten vor der Uni

Am vergangenen Freitag wurde von der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) ein entsprechender Beschluss bei der Sitzung der Uni-Vertretung gefasst, der ein Couleurverbot, also das Tragen von Band und Mütze, zum Ziel hatte. Weiters solle der „Bummel“, das wöchentliche Zusammentreffen von Verbindungsstudenten an der bzw. vor der Uni, untersagt werden. Die ÖH forderte weiter, dass die Uni „öffentlich wirksam ein klares Statement gegen rechtsextremes und deutschnationales Gedankengut, den wöchentlichen ‚Burschibummel‘ sowie den Akademikerball“ abgibt.

Bekannt wurde das Ganze durch eine Pressemeldung des Österreichischen Cartellverbandes (ÖCV) am Montag, welcher sich vehement gegen das Verbot aussprach. Unmittelbar danach kam auch vom Ring Freiheitlicher Studenten (RFS) eine Pressemeldung in welcher von einer groben Verletzung der Menschenrechte gesprochen wurde.

Die betroffenen Studenten  reagierten mittels einer Seite auf der sozialen Plattform „Facebook“, die mittlerweile über 4.000 Anhänger hat. Es wurde umgehend mobilisiert und so kam es heute um 9 Uhr zu einem ersten stillen Protest vor der Uni. Rund 60 Mitglieder von Studentenverbindungen jeder Art, von Katholischen über Damenverbindungen bis zu Burschenschaften, standen vor der Universität und hielten ein Transparent mit der Aufschrift „Bunt statt Rot – Gegen das Couleurverbot“ in Händen.

Angriff eines Vermummten auf einen Farbstudenten

Angriff eines Vermummten auf einen Farbstudenten

Der Auftritt rief eine kleine Demonstration von ca. 10-15 größtenteils vermummten Demonstranten hervor. Diese versuchten durch Provokationen, teils direkten Angriffen (Farbbeutel) und dem versuchten Raub einer Mütze, die anwesenden Farbenstudenten zu provozieren. Dies gelang ihnen jedoch nicht. Erhobenen Hauptes verließen die Teilnehmer der Sichtbarmachung die Uni Rampe nach ca. 30 Minuten.

Die Facebook Seite wird gemeinsam von Administratoren aus diversen Dachverbänden betrieben. Dieses Projekt stellt die erste übergreifende Zusammenarbeit aller Farbenstudenten in Wien dar und ist alleine auf das Ziel ausgerichtet, weiter seine Farben auf der Universität tragen zu dürfen.

Weitere Aktionen sind in Planung.

Pressemeldung ÖCV
Pressemeldung RFS

14. Oktober 2014

Rückblende „Option“

Vor 75 Jahren verschacherten Hitler und Mussolini die Tiroler südlich des Brenners

Von Rainer Liesinger

Für Tiroler im südlichen Teil des einstigen Habsburgerkronlandes ist hinsichtlich der historischen Erinnerungsdaten anno 2014 ein besonders schmerzlicher Jahrestag zu „bewältigen“: Der 21. Oktober. Vor einem Dreivierteljahrhundert gab der nationalsozialistische „Führer“ Adolf Hitler seinem faschistischen Pendant, dem „Duce“ Benito Mussolini, das Land unterm Dolomitenstock preis. Mit dem damals zwischen Berlin und Rom in Kraft getretenen „Optionsabkommen“ sollte gewährleistet werden, was nach der Machtübernahme der Schwarzhemden in Italien 1922 zwischen Brenner und Salurner Klause trotz brutaler Entnationalisierungspolitik nicht erreicht worden war, nämlich die „ewige Italianità“ dieses Landstrichs. Für dessen Eroberung hatte die Irredentisten-Bewegung gemäß ihrer seit Mitte des 19. Jahrhunderts propagierten „Wasserscheiden-Theorie“ unablässig gefochten, und für dessen Einverleibung wechselte Italien 1915 die Seite, trat gegen den aus Deutschem Reich und Österreich-Ungarn bestehenden Zweibund in den Krieg ein und erhielt 1919 in Saint-Germain-en-Laye Süd-Tirol als Beute.

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8. Oktober 2014

Ist das österreichische Bundesheer am Ende?

Von Mag. Rudolf Raubik, Oberst a.D.,
Präsident der Offiziersgesellschaft Wien

Handwerk092015 wird in Österreich das Wehrbudget unter 0,6 % des BIP sinken. In ungewohnter Offenheit hat daher Verteidigungsminister Klug aufgezeigt, daß das Bundesheer mit dem neuerlich gekürzten Budget in seiner jetzigen Form nicht mehr finanzbar ist. Er hat daher den Generalstab mit „tabulosem Sparen“ und einer schonungslosen Strukturreform beauftragt. Dieses „Heer der Zukunft“ soll sich auf Katastrophenhilfe im Inland (§ 2 (1) lit. c Wehrgesetz) und Auslandseinsätze (§ 2 (1) lit. d Wehrgesetz) beschränken, um mit den verfügbaren Mitteln nur noch die einsatzwahrscheinlichsten Aufgaben.

Damit kann das Österreichische Bundesheer jedoch seine gesetzliche Verpflichtung zur

  • militärischen Landesverteidigung (§2 (1) lit. a Wehrgesetz) und zum
  • Schutz der verfassungsmäßigen Einrichtungen … sowie die Aufrechterhaltung der Ordnung und Sicherheit im Inneren (§2 (1) lit. b Wehrgesetz)

nicht mehr in gewohnter Weise erfüllen. Diese reduzierte Einsatzbereitschaft hat keine Legitimität und ist daher inakzeptabel. Die österreichische Bevölkerung muß über diese Entwicklung schonungslos informiert werden, da sie berechtigt auf „Schutz und Hilfe“ vertrauen können muß.

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18. September 2014

Signal aus Edinburgh?

Nicht nur Unabhängigkeitsbewegungen in EUropa blicken der Volksabstimmung in Schottland gespannt entgegen

 Von Rainer Liesinger

SCOTLAND-6340529Gut vier Millionen wahlberechtigte Schotten befinden am 18. September über die Unabhängigkeit ihres Landes. Dem Ausgang dieses Referendums, das nach langem Hin und Her am 15. Oktober 2012 zwischen dem schottischen Regierungschef Alex Salmond und Premierminister David Cameron vertraglich vereinbart wurde, blicken nicht nur London und Brüssel – die Hauptstädte stehen quasi synonym für Großbritannien und die Europäische Union (EU) – mit Sorge entgegen. Auch Madrid und Rom sind die Vorgänge jenseits des Ärmelkanals alles andere als geheuer, gewärtigen doch Spanien und Italien gleichlautendes sezessionistisches Verlangen.

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