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Bogenhausener Gespräche 2015

Von Hinrich Hofmann

„Rußland – alter Feind oder starker Partner der Zukunft“

 

Bereits zum 31. Mal lud die Münchener Burschenschaft Danubia zu ihren Bogenhausener Gesprächen, welche am 14. und 15. Februar stattfanden.

Nachdem 2014 die Krise des Euro und der EU behandelt worden waren, kam diesmal ein Thema zur Sprache, welches sich in den Nachrichten noch vor die Euro-Krise schiebt.

Dr. Rudolf Mittendorfer, der sich mit geostrategischen Fragen auseinandersetzt, gab in seinem Eröffnungsreferat „Putin, Rußland und die Deutschen – der neue Ost-West-Konflikt“ einen geschichtlichen Abriß der letzten 25 Jahre. Der kalte Krieg und das Wettrüsten können als große Geldvernichtung angesehen werden, indem sich die Volkswirtschaft durchsetze, die in der Lage war, größere Werte zu schaffen. Letztendlich wurde die Sowjetunion totgerüstet und war pleite. Unter Jelzin begann ein Ausverkauf russischen Volksvermögens, an dem sich neben sogenannten Oligarchen auch internationale Kreise bereicherten. Im Kommunismus hatte man zwar nichts, wurde aber als Weltmacht anerkannt. Außer einer dünnen ‚Super-Oberschicht’ ging es den Russen jetzt noch schlechter als zuvor: Zur ökonomischen Misere kamen die Unsicherheit und der Abstieg von einer Führungsnation zum quasi-Entwicklungsland. In Putins erster Amtszeit wurde dieser Ausverkauf durch eine souveräne Machtpolitik gestoppt, und es trat erstmals eine spürbare ökonomische Verbesserung ein. Daraus erklärt sich auch, warum die überwiegende Mehrheit der Russen auch in der jetzigen durch Sanktionen ausgelösten Krise weiter treu hinter ihrem Präsidenten steht und warum das heutige Rußland immer wieder auf Sowjetsymbolik zurückgreift.

Putin tut das, was seiner Ansicht nach dem russischen Volk dient. Nicht zuletzt weil eine solche Haltung der BRD-Gesellschaft gründlich aberzogen wurde, geht von ihm für patriotische Deutsche eine gewisse Faszination aus.

Wolfgang Akunow, Sohn deutsch-russischer Eltern, der in der „DDR“ studiert hat und unter anderem im Prozeß gegen den Kreml-Flieger Mathias Rust als Dolmetscher fungierte, griff 200 Jahre zurück und stellte „Das Kulmer Kreuz als Sinnbild deutsch-russischer Waffenbrüderschaft“ vor.

Ende August 1813, nach der Schlacht bei Dresden, die Napoleons letzter Sieg auf deutschem Boden bleiben sollte, war es den Franzosen wieder gelungen, die Armeen der Verbündeten zu trennen. Beim Dorf Kulm unweit der böhmisch-sächsischen Grenze hätten zunächst die Russen, danach die Preußen geschlagen werden sollen. Diesen Schlachtplan vereitelte der deutschstämmige General Graf Ostermann-Tolstoij, welcher mit der russischen Garde lange genug gegen die Übermacht standhielt, bis General von Kleist seine Preußen herangeführt hatte. Unter den Augen König Friedrich Wilhelms III, der seinen Truppen gefolgt war, wurde das Korps des französischen Generals Vandamme vollständig aufgerieben, und der Weg zur Völkerschlacht bei Leipzig war frei. Aus Dankbarkeit stiftete der preußische König für alle russischen Gardisten das Kulmer Kreuz, welches dem ein knappes halbes Jahr zuvor gestifteten Eisernen Kreuz stark ähnelte und später in die Regimentswappen der russischen Gardetruppen übernommen wurde. Eine zaristisch-legitimistische Vereinigung im heutigen Rußland führt weiter ein auf dem Kulmer Kreuz basierendes Abzeichen, welches auch der Referent am Revers trug.

Am Sonntag referierte mit dem in Königsberg geborenen Prof. Dr. Wolf Oschlies ein ausgewiesener Rußland- und Osteuropa-Experte, der seinen Vortrag „1000 Jahre deutsch-russisches Neben- und Miteinander“ immer wieder mit russischen Zitaten und Sprichwörtern auflockerte. Deutsch-russische Mentalitätsunterschiede erklären sich aus der Geschichte beider Völker. Beide Gesellschaften waren zu Regierungsantritt des Hauses Romanow aristokratisch-feudal geprägt. Rußland war aber eine endlose Weite ohne Bevölkerung, während es in Deutschland für Menschen mit unternehmerischem Geist schnell eng werden konnte. Es entwickelte sich mit dem freien Bürgertum eine Mittelklasse, in der man weiter aufsteigen konnte. Nach der technischen Revolution kam noch deutsche Ingenieurskunst hinzu, und nicht wenige suchten ihr Glück im Osten. In der Zarenzeit lebten teilweise über 2,5 Millionen Deutsche in Rußland, als dessen deutscheste Stadt St. Petersburg galt. Der deutsche Beitrag zur russischen Geschichte, sei er militärisch, administrativ, wirtschaftlich oder kulturell, kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Das Unglück für beide Völker begann mit dem Nichtverlängern des Rücksicherungsvertrages nach Bismarcks Entlassung und führte zu zwei mörderischen Kriegen (auch wenn es in den 1920er Jahren – Vertrag von Rapallo – wieder eine Annäherung gab). Derzeit geht eine einseitig ‚atlantisch’ ausgerichtete deutsche Politik bedauerlicherweise wieder auf Konfrontationskurs.

Im April 2015 jährte sich der Geburtstag Otto von Bismarcks zum 200. Mal. Gerade angesichts der Politik der jetzigen bundesdeutschen Regierungen wäre eine Rückbesinnung auf ein „ehrliches Makeln“ zwischen Ost und West unter dem Primat deutscher Interessen wünschenswerter denn je.

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