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650 Jahre Universität Wien

Von Karl Katary

Uni Wien, Großer Festsaal, Rudolf der Stifter-Statue

Uni Wien, Großer Festsaal,
Rudolf der Stifter-Statue

Ab dem 12. Jahrhundert begannen im Abendland zentrale Bildungsstätten, die bis dahin im Bildungsbereich führenden Kloster- und Kathedralschulen abzulösen. Sie erhielten den Namen Universität, weil sie in der Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden eine Zusammenschau des gesamten Wissens der Zeit anstrebten. Die Entwicklung begann in West- und Südeuropa. Berühmte Namen sind: Oxford, die Sorbonne genannte Universität in Paris, Bologna und Salerno.

Im 14. Jahrhundert bestand in Mitteleuropa ein starker Nachholbedarf in Sachen Bildung. Die staatlichen Strukturen verfestigten sich, der Bedarf akademisch gebildeter Menschen stieg an. Der führende Staatsmann im Heiligen Römischen Reich war Kaiser Karl IV. aus dem Geschlecht der Luxemburger. Sein Machtzentrum war Prag, und dort gründete er 1348 die Karlsuniversität, die bis zu der 1945 durch Mord und Vertreibung herbeigeführten Vertagung die älteste Universität des deutschen Kulturraumes war. Heute fällt diese Rolle der Universität Wien zu, die am 12.3.2015 einen runden Geburtstag feiern konnte.

Der Schwiegersohn Kaiser Karls IV., der umtriebig-ehrgeizige Habsburgerherzog Rudolf IV., genannt der Stifter, wollte seinem Schwiegervater in Prag nicht nachstehen und gründete vor 650 Jahren die Universität Wien, die nach ihm bis heute den Namen „Alma Mater Rudolphina“ ( „die blühend- nährende Mutter“) führt. Die Gründungsurkunde vom 12. März 1365 stellt – schon in deutscher Sprache – das humanistische Leitbild des Spätmittelalters vor, nämlich daß „gemain guot, rechte gericht, menschlich vernunft und beschaidenhait aufneme und wachse…. und daz ein yeglich weiser mensch vernäftiger und ain unweiser zuo menschlicher vernunft in rechte erkantnüsse mit goetlicher lerung bracht und geczogen werde.“

Die Aufnahme des Lehrbetriebes in Wien ging zunächst stockend vor sich, weil der Papst die Führung der damals wichtigsten – der theologischen – Fakultät noch nicht genehmigt hatte. Die geschah erst 1383, und dann erließ Herzog Albrecht III. den endgültigen Stiftsbrief. Für längere Zeit blühte die Hohe Schule zu Wien. Um 1450 hatte sie über 6.000 Studenten und war damals so wie heute die größte Universität im deutschen Raum. Dann begann durch Türkenkriege und Glaubensverfall der Abstieg. Im 16. Jahrhundert sollen gelegentlich nur noch 30 Studenten eingeschrieben gewesen sein. Im Jahre 1623 wurde die Hohe Schule mit dem Jesuitenkollegium zusammengelegt. Damit begann ein neuer Aufstieg. Allerdings im engen Korsett von Kirche und Gegenreformation.

Im 18. Jahrhundert erfolgte durch Maria Theresia und Joseph II. eine weitgehende Reform. Der Einfluß der Jesuiten wurde zwar zurückgedrängt, aber auch die Universitätsautonomie beschnitten. Zweck der Hohen Schule war jetzt die Heranbildung treuer Staatsdiener, auf Forschung wurde wenig Wert gelegt. Ab den 1820er Jahren waren die Wiener Studenten ein Unruheherd im System des Vormärz’. Sie traten immer stärker für die Belange der Menschenrechte, für Meinungs- und Pressefreiheit ein und waren die ersten, die unter den Farben schwarz-rot-gold auf die Barrikaden der Revolution von 1848 stiegen.

Wenig später war die Reaktion überwunden, und ein einzigartiger Aufstieg der Universität Wien begann. Stellvertretend für viele berühmte Lehrer seien die Physiker und Philosophen Ernst Mach und Ludwig Boltzmann genannt. Im 20. Jahrhundert kamen neun Nobelpreisträger von der Alma Mater Rudolphia. 1897 wurde die erste Frau als Hörerin an der philosophischen Fakultät zugelassen, und 1905 habilitierte sich als erste Frau die Romanistin Elise Richter.

Die innenpolitischen Wirren der 1920er und 1930er Jahre machten im Kampf zwischen Links und Rechts aus der Hohen Schule einen politischen Hexenkessel. 1936 wurde der aus rein persönlichen Gründen erfolgte Mord am Philosophieprofessor Moritz Schlick zu einer rechten Untat hochstilisiert.

Die aus politischen Gründen in den Jahren 1938 und 1945 erfolgten Säuberungen fügten der Hohen Schule schweren Schaden zu. Es dauerte Jahrzehnte, bis der wissenschaftliche Ruf der Alma Mater wieder die Höhe der Zeit erreichen konnte.

Auch heute ist die Wiener Universität mit rund 92.000 Studierenden und rund 9.500 Mitarbeitern die größte Hochschule im deutschen Sprach- und Kulturraum. Sie wäre noch größer, wenn nicht mit 1.1.2004 die medizinische Fakultät als eigene Medizinische Universität ausgegliedert worden wäre.

Die politische Gesinnung der Studierenden spiegelt den Zeitgeist wider. Waren in den 1950er und 1960er Jahren noch an die 30% der Studenten freiheitlich gesinnt, so hat auch hier die Umerziehung voll gegriffen. Bei der letzten Wahl erreichte der RFS (Ring Freiheitlicher Studenten) nur noch 1,77 % der Stimmen.

Politisch ist die Studentenschaft in allen Schattierungen fest in linker Hand. Die guten Menschen wähnen sich an der Spitze des Weltgeistes, erkennen aber nicht, daß sie die Weltherrschaft des Geldes durch ihre Demonstrations- und Revolutionsfolklore nur behübschen.

Doch nehmt nur alles in allem: Die 650 Jahre der Alma Mater Rudolphina sind eine Erfolgsgeschichte. Ihr gilt unser Zuruf: Vivat, crescat, floreat!

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