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26. Januar 2017

„Emma“ wird 40 – Betrachtungen zur Geschichte der Frauenzeitschrift

Von Christian Krüger

Ausgabe vom Februar 1977

Galt der „Spiegel“ einst als das Sturmgeschütz der Demokratie, so kann man ähnliches wohl über die Zeitschrift „Emma“ und ihre Rolle für den Feminismus in der BRD sagen. Jedenfalls war und ist sie wohl die bekannteste Frauenzeitschrift, die sich für den Feminismus in all seinen Facetten einsetzt. Untrennbar mit der zweimonatlich erscheinenden Zeitschrift verbunden ist der Name ihrer Gründerin, Verlegerin und Autorin Alice Schwarzer.

Die 1942 in Wuppertal geborene Schwarzer kann ohne Zweifel als „Feministin der ersten Stunde“ bezeichnet werden. Die Journalistin verband in den frühen 1970er Jahren bereits Forderungen nach der Gleichberechtigung der Frau mit typisch linken Vorstellungen. So plädierte sie für die Berufstätigkeit der Frauen und sprach sich gegen eine angebliche „Zwangsheterosexualität“ aus. Mit diesen zwei Postulaten, der frühestmöglichen Trennung der Frau von ihrer Mutterrolle und der Homo-Propaganda, richtete Schwarzer ihre Verbalattacken gegen die traditionelle Familienstruktur – und damit gegen die Keimzelle jeder Gesellschaft.

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20. Dezember 2016

Licht auf ein düsteres Kapitel der Zeitgeschichte

Jüngste Forschungen legen offen, wie Italien während der „Bombenjahre“ in Südtirol manipulierte und täuschte

Von Reynke de Vos

Geschichte bedarf bisweilen der Revision. Revision heißt, sie aufs Neue in den Blick zu nehmen. Erstmals aufgefundene oder unterbelichtet gebliebene, mitunter auch bisher gänzlich unbeachtete oder dem freien Zugang entzogene Dokumente zeitigen meist erhellende Einblicke und nicht selten ertragreiche Befunde. Wobei die akribische Auswertung und sorgfältige Analyse von ans Licht geholten Fakten jene „Erkenntnisse“ grundlegend zu erschüttern vermögen, worauf die bis dato für sakrosankt erachteten, historiographisch festgeschriebenen wie massenmedial verbreiteten „Wahrheiten“ und/oder Meinungen respektive „Überzeugungen“ beruhten.

Eine derart „revisionistische“ Umschreibung zeitgeschichtlicher Gewissheiten ist nunmehr aufgrund der neuerlichen Inaugenscheinnahme des an Spannungen reichsten Kapitels der jüngeren österreichisch-italienischen Beziehungen zwingend geboten. Im Allgemeinen ist dieses Kapitel vom Südtirol-Konflikt sowie vom Freiheitskampf mutiger Idealisten und im Besonderen von den sogenannten „Bombenjahren“ geprägt gewesen. Ein österreichischer Militärhistoriker, der sich wie nie jemand zuvor intensiv mit den brisantesten Akten seines Landes über die Geschehnissen der 1960er Jahre befasste, legte dazu soeben eine beeindruckende, großformatige Publikation von nahezu 800 Seiten vor, worin er manches zuvor für sicher, weil „wahr“ Gehaltene ins rechte Licht rückt und damit vom Kopf auf die Füße stellt.

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6. Dezember 2016

Der Nikolo ist kein Türke

Von Ernst Brandl

Die Geschichten und Legenden rund um den heiligen Nikolaus haben Brauchtum und Kunst beeinflußt.

Die Geschichten und Legenden rund um den heiligen Nikolaus haben Brauchtum und Kunst beeinflußt.

Wahre Geschichte, Legende und Brauchtum verbinden sich bei der Person des Nikolaus zu einem liebenswerten Gesamtbild: Nikolaus, der Heilige und Freund der Kinder. Zur sagenhaften Geschichte des Nikolo kommt heutzutage immer öfter eine Legende hinzu – seine mutmaßlich türkische Herkunft. Versuch einer Richtigstellung zur Geschichte des Hl. Nikolaus von Myra.

 

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22. November 2016

Realitätsverweigerung und die Übel des „freien“ Denkens

mid_34697Portrait über Eric Voegelin

Von Felix Menzel

Um die Grundübel der Moderne zu verstehen, wird man an provokanten, ja sogar skandalösen Thesen nicht vorbeikommen. Vielleicht ist genau dies auch der Grund, warum der Politologe Eric Voegelin (1901 bis 1985) so wenigen als einer der wichtigsten und originellsten Denker des 20. Jahrhunderts bekannt ist. Voegelin, der Österreich nach dem Anschluß an das Deutsche Reich 1938 in Richtung der USA verließ, hatte keinen geringeren Anspruch, als eine „Neue Wissenschaft der Politik“ zu begründen und knüpfte damit direkt an den italienischen Philosophen Giambattista Vico an, der fast 200 Jahre vor Oswald Spengler ein zyklisches Geschichtsbild entwarf.

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Quod licet Iovi, non licet…

Von Jörg Rüdiger Meyer

Es ist schon eine Weile her, daß Francis Fukuyama in seinem durchaus genialen Buch The End of History and the Last Man den hegelianischen Weltgeist in den freiheitlichen Demokratien des sogenannten Westens sich verwirklichen sah. Nun mag es auch bei diesen Systemen Gründe für Kritik geben, allzu schlecht lebte es sich freilich in ihnen nicht. Allein, Francis Fukuyama hatte Unrecht: Die Geschichte ist nicht stehengeblieben. Und das Paradies wurde verspielt.

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„In Deinem Lager ist Österreich“

radetzky-von-radetzVor 250 Jahren wurde Josef Wenzel Radetzky von Radetz geboren

Von Ernst Brandl 

Feldmarschall Josef Graf Radetzky wurde am 2. November 1766 in Böhmen (im heutigen Tschechien) geboren und diente unglaubliche sieben Dekaden lang in der k.u.k.-Armee. Radetzky kann neben Prinz Eugen wohl zu den populärsten Feldherren Österreichs gezählt werden. Zu dem von Johann Strauss Vater so meisterhaft komponierten und nach dem Feldmarschall benannten „Radetzkymarsch“ (1848) klatscht heute noch am Neujahrstag die musikbegeisterte Welt freudig mit.

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Die Renaissance der politischen Gewalt in der BRD

Von Christian Krüger

Angriff auf das Büro der AfD-Chemnitz

Angriff auf das Büro der AfD-Chemnitz

Für die Vertreter der Hauptstrompresse und der etablierten Parteien war der Fall klar. Als Ende September in Dresden zwei Bomben an einer Moschee und vor dem Congress Center explodierten, konnten die Täter nur einen rechtsradikalen Hintergrund haben. Sogleich wurde in der Berichterstattung das Bild vom notorisch rechten bis neonazistischen Sachsen bemüht. Dabei wurde in der medialen Diskussion erfolgreich ausgeblendet, daß auf der linksradikalen Netzseite Indymedia ein Bekennerschreiben erschienen war. Darin bekannten sich Linksextremisten zu den Anschlägen, die sich gegen die Einheitsfeierlichkeiten und den antisemitischen und frauenfeindlichen Islam richten sollten. Linke Journalisten wollten darin jedoch nur ein von rechtsextremen Täterkreisen lanciertes Ablenkungsmanöver sehen.

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2. November 2016

Staaten, Völker, Nationalitäten – Anmerkungen zur EUropäischen Minderheitenpolitik

Von Reynke de Vos

bildschirmfoto-2016-11-02-um-07-45-02Mehr als ein Vierteljahrhundert ist verstrichen, seit mit der Öffnung des Drahtverhaus an der ungarisch-österreichischen Grenze die Friedhofsruhe der Völker, die unter der Pax Sovietica lebten, beseitigt wurde. Was bis 1989/90 mehr oder weniger mit der Ideologie vom neuen, dem sowjetischen Menschen zusammenzuschweißen versucht worden war, brach danach unter (zum Teil kriegerischem) Lärmen auseinander. Da der marxistisch-leninistische „Internationalismus“ wich, meldeten sich Nationen und Völker(teile) zu Wort, die es eigentlich gar nicht mehr hätte geben dürfen, wenn das kommunistische Weltbild vom Aufgehen in einer neuen, friedliebenden und angeblich allen zwischennationalen Hader hinter sich lassenden Menschengemeinschaft den Sieg davongetragen hätte. Dass dem nicht so war/ist, führ(t)en zum Teil kriegerische Nationalitätenkonflikte zwischen Mare Balticum und Ochotskischem Meer vor Augen.

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7. Juli 2016

Ignorierte nationale Minderheiten – Krux der EU

Zwischen Hebriden und Stiefelabsatz machen sich nach dem Brexit-Referendum weitere Fliehkräfte bemerkbar

Von Reynke de Vos    

Seit sich Engländer und Waliser wider Schotten und Nordiren mehrheitlich für die Verabschiedung des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union (EU) entschieden, sind quer über den Kontinent Gründe und Folgen geradezu auf inflationäre Weise erörtert worden. Auffällig ist, dass dabei ein unterschätztes Thema gänzlich außer Acht geriet, nämlich Lage, Dasein und Bedürfnisse einer Gruppe von Minderheiten. Dies korreliert mit dem Stellenwert, den diese in EUropa einnehmen.

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2. Mai 2016

Vom „Blutsonntag“ zum „Alltagsfaschismus“? Gedanken vor einer bedrückenden Wahl in Bozen

Von Reynke de Vos

Italienisches Militär beim Absperren des Bozner Obstmarktes nach dem faschistischen Überfall am 24. April 1921

Italienisches Militär beim Absperren des Bozner Obstmarktes nach dem faschistischen Überfall am 24. April 1921

Tiroler diesseits und jenseits des Brenners, die noch einen Funken Heimat- und Vaterlandsliebe im Leibe tragen sowie über ein gerüttelt Maß Geschichtsbewußtsein verfügen, gedenken in diesen Tagen eines Ereignisses vor 95 Jahren, welches als Inauguration des Faschismus in jener Nordprovinz Italiens gilt, welche es als Belohnung für seinen Seitenwechsel 1915, mithin als Kriegsbeute 1919 in St. Germain-en-Laye erhielt. Am 24. April 1921 wurde der Lehrer Franz Innerhofer in Bozen vom Schläger eines Kommandos der „fasci di combattimento“ Benito Mussolinis ermordet. Innerhofer hatte mit der Musikkapelle aus Marling bei Meran am Trachtenumzug anläßlich der ersten Bozner Nachkriegsmustermesse teilgenommen. Unter den Umzug hatten sich einige der zu einer „Strafexpedition gegen diese Manifestation des Deutschtums“ ausgerückten und in der Provinzhauptstadt versammelten 500 faschistischen Schläger (120 aus Bozen, 380 aus Trient, Brescia und Verona) gemischt und zwischen Waltherplatz und Obstmarkt ein Blutbad angerichtet. Infolge von Schüssen und Handgranatendetonationen waren annähernd fünfzig Personen schwer verletzt worden. Der Vorfall ist als „Bozner Blutsonntag“ in die Annalen eingegangen.

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