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7. Juli 2016

Ignorierte nationale Minderheiten – Krux der EU

Zwischen Hebriden und Stiefelabsatz machen sich nach dem Brexit-Referendum weitere Fliehkräfte bemerkbar

Von Reynke de Vos    

Seit sich Engländer und Waliser wider Schotten und Nordiren mehrheitlich für die Verabschiedung des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union (EU) entschieden, sind quer über den Kontinent Gründe und Folgen geradezu auf inflationäre Weise erörtert worden. Auffällig ist, dass dabei ein unterschätztes Thema gänzlich außer Acht geriet, nämlich Lage, Dasein und Bedürfnisse einer Gruppe von Minderheiten. Dies korreliert mit dem Stellenwert, den diese in EUropa einnehmen.

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2. Mai 2016

Vom „Blutsonntag“ zum „Alltagsfaschismus“? Gedanken vor einer bedrückenden Wahl in Bozen

Von Reynke de Vos

Italienisches Militär beim Absperren des Bozner Obstmarktes nach dem faschistischen Überfall am 24. April 1921

Italienisches Militär beim Absperren des Bozner Obstmarktes nach dem faschistischen Überfall am 24. April 1921

Tiroler diesseits und jenseits des Brenners, die noch einen Funken Heimat- und Vaterlandsliebe im Leibe tragen sowie über ein gerüttelt Maß Geschichtsbewußtsein verfügen, gedenken in diesen Tagen eines Ereignisses vor 95 Jahren, welches als Inauguration des Faschismus in jener Nordprovinz Italiens gilt, welche es als Belohnung für seinen Seitenwechsel 1915, mithin als Kriegsbeute 1919 in St. Germain-en-Laye erhielt. Am 24. April 1921 wurde der Lehrer Franz Innerhofer in Bozen vom Schläger eines Kommandos der „fasci di combattimento“ Benito Mussolinis ermordet. Innerhofer hatte mit der Musikkapelle aus Marling bei Meran am Trachtenumzug anläßlich der ersten Bozner Nachkriegsmustermesse teilgenommen. Unter den Umzug hatten sich einige der zu einer „Strafexpedition gegen diese Manifestation des Deutschtums“ ausgerückten und in der Provinzhauptstadt versammelten 500 faschistischen Schläger (120 aus Bozen, 380 aus Trient, Brescia und Verona) gemischt und zwischen Waltherplatz und Obstmarkt ein Blutbad angerichtet. Infolge von Schüssen und Handgranatendetonationen waren annähernd fünfzig Personen schwer verletzt worden. Der Vorfall ist als „Bozner Blutsonntag“ in die Annalen eingegangen.

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22. April 2016

Vor siebzig Jahren begann die Vertreibung der Ungarndeutschen

Viktor Orbán „Geschwür im Körper der Nation“

Von Reynke de Vos

Man schreibt den 19. Januar 1946. In dem von sechs Hundertschaften Polizei umstellten Budaörs, einem Budapester Vorort mit deutschem Ortsnamen Wudersch, werden die „Schwaben“ aus den Betten geholt. Nur das Allernötigste dürfen sie zusammenklauben, bevor sie zum Gemeindeamt getrieben werden, wo man ihre Namen mit auf Listen rubrizierten vergleicht. Weiter geht’s zum Bahnhof. In bereitstehenden Viehwaggons verlassen 1058 Bewohner die Ortschaft; am 30. Januar kommen sie in Aalen, 80 Kilometer östlich von Stuttgart, an. Ein zweiter Transport mit 1054 Menschen erreicht am 1. Februar Göppingen. So geht es Schlag auf Schlag: Binnen fünf Wochen sehen sich 6753 Wuderscher wie Vieh nach Württemberg und Baden verfrachtet.

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13. April 2016

Achtung Sprachpolizei!

Eckart Handbuch-Gendermainstream-gr.Bild 1Von Ernst Brandl

Die Entfremdung von der Heimat beginnt bei der Veränderung der Sprache

 Journalisten arbeiten jeden Tag mit ihrem Handwerkszeug, der Sprache. Berichte sollten möglichst wertfrei, korrekt und präzise die Sachverhalte wiedergeben. Ebenso „korrekt“ soll heutzutage auch die Sprache selbst sein. Man glaubt es kaum – mittlerweile gibt es für die Mediengestalter auch schon Formulierungshilfen für die korrekte sprachliche Berichterstattung.

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7. April 2016

Europäische Visionen: AfD auf Kurs FPÖ

Politik_AFD-FPÖVon Eugen Hein

„Ich freue mich durchaus, heute diese Einladung nach Düsseldorf erhalten zu haben, weil das ein historischer Akt ist“, eröffnete FPÖ-Obmann H.C. Strache seine Rede in Düsseldorf. Warum das Pathos? Auch wenn es aus demokratischer Sicht selbstverständlich sein sollte, daß jede Partei mit jeder anderen Partei über politische Themen reden sollte, so sorgt doch gerade der neue Kuschelkurs der Alternative für Deutschland (AfD) für einige Überraschung: Der Auftritt von Strache auf dem AfD-Kongreß „Europäische Visionen – Visionen für Europa“ Mitte Februar in Düsseldorf ist nämlich keine Selbstverständlichkeit. Bis jetzt!? „Viele gemeinsame Schnittstellen, viele gemeinsame Inhalte“ sieht Strache zwischen FPÖ und AfD. Und endlich hat die AfD mit Frauke Petry eine Führung, die das nicht nur erkennt, sondern auch danach handelt.

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Max Weber über legitime Herrschaft

Max_Weber_1907Von Georg Immanuel Nagel

In seinem Essay „Die drei reinen Typen der legitimen Herrschaft“ analysierte der Soziologe und Philosoph Max Weber, welche Arten von Herrschaft vom Volk anerkannt würden und wie sie sich hinsichtlich ihrer „Legitimität“ begründeten.

Als Herrschaft betrachtet Weber „die Chance, Gehorsam für einen bestimmten Befehl zu finden“. Dies kann freilich auch nur auf Grund „zweckrationaler Erwägungen“, sprich wegen eines sich davon erhofften persönlichen Vorteils erfolgen, sowie lediglich auf Grund von „Sitte“, also „dumpfer Gewöhnung an das eingelebte Handeln“ oder der reinen „persönlichen Neigung“ des Beherrschten. Wenn ausschließlich solche Gründe eine Herrschaft stützen, ist sie normalerweise sehr labil.

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1. April 2016

Viktor Orbáns Rede am Gedenktag der Verschleppung und Vertreibung der Ungarndeutschen

Meine sehr geehrten Damen und Herren!

kranzniederlegung-354x266…  Vor siebzig Jahren, am 19. Januar 1946, verließ Ungarn der erste Eisenbahnzug, der unsere vertriebenen deutschen Landsleute nach Deutschland transportierte. Allein am 19. Januar, an einem einzigen Tag, nahm man tausend Menschen mit. Bis Anfang Februar war Wudersch bereits vollkommen leer, und bald ereilte landesweit hunderte von Siedlungen, in denen Schwaben – wie man die Ungarndeutschen in Ungarn nannte – lebten, ein ähnliches Schicksal. Die offizielle Bezeichnung lautete Aussiedelung, doch dieses Wort hatte mit der Wahrheit nichts zu tun. Was Aussiedelung genannt wurde, bedeute die Ausplünderung und die Vertreibung der ungarischen Schwaben. Sie wurden ihrer Häuser und sie wurden ihrer Heimat beraubt. Von ihrem früheren Leben durften sie in die niedergebombten Städte Deutschlands so viel mitnehmen, wie in ein Bündel von 50 Kilogramm hineinpaßte. Und nicht nur jene mußten ihr Zuhause verlassen, die während des Weltkriegs in die deutsche Armee rekrutiert worden waren. Um auf die Liste zu kommen, reichte es aus, wenn jemand sich selbst als Person deutscher Nationalität bezeichnete oder sich zwar als Ungar bekannte, aber das Deutsche seine Muttersprache war, und es reichte auch aus, wenn man über ihn wußte, daß er Ungarn so sehr liebte, daß er niemals die kommunistische Partei wählen würde.

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Österreich bewaffnet sich

Von Jan Ackermeier

Dossier_FlinteSeit dem letzten Viertel des vorigen Jahres erleben die Waffenfachhandlungen einen regelrechten Kaufrausch bei Waffen zur Selbstverteidigung: Flinten, Pistolen und Pfeffersprays sind nahezu ausverkauft. Auch die Behörden melden einen sprunghaften Anstieg bei der Beantragung und Ausstellung von Waffenbesitzkarten.

Die Anträge auf eine Waffenbesitzkarte stiegen vor allem in Wien im Oktober 2015 drastisch an: Während im August in Wien nur zehn Personen die Erlaubnis für den Besitz einer Pistole haben wollten, waren es im Oktober bereits 192.

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Medien und Wahrheit: Der Verlust des Weltwissens

Von Felix Menzel

Von Jahr zu Jahr sinkt das Vertrauen in die Medien, und die Auflagen der großen Blätter befinden sich im Sturzflug. Tausende Menschen gehen auf die Straße und brüllen „Lügenpresse“. Dennoch greift es zu kurz, nur den fehlenden Wahrheitsgehalt vieler Berichte zu kritisieren. Das eigentliche Problem der Massenmedien liegt viel tiefer: Sie konzentrieren sich auf Informationshäppchen und sind nicht mehr in der Lage, ein umfassendes Weltwissen zu vermitteln.

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22. Februar 2016

Die Todesmühle der Westfront

Von Jan Ackermeier
Sie sollte ein Symbol für den im blutigen Stellungskrieg erstarrten Kampf an der Westfront des Ersten Weltkriegs werden: die Schlacht von Verdun. Ein Gemetzel von bis dahin noch nie dagewesenem Ausmaß kostete Schätzungen zufolge etwa 800.000 Soldaten auf Seiten Frankreichs und des Deutschen Reichs das Leben – genaue Zahlen konnte man nicht ermitteln.

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